Whistleblower
Whistleblower Elmer über Datendieb Reto T.: «Das ist eine massive Belastung»

Rudolf Elmer kann aus eigener Erfahrung sagen, wie es ist, Whistleblower zu sein. Der 56-Jährige hatte Daten der Bank Julius Bär weitergegeben. Er kann dem entlassenen IT-Mitarbeiter der Bank Sarasin im Moment gut nachfühlen.

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Wenn man die Wirtschaftslage berücksichtigt, kann ich mir vorstellen, dass es auch unechte Whistleblower gibt», sagt Rudolf Elmer. Damit spricht er solche Whistleblower an, die aus Wut und Rache Daten an Dritte weitergeben. Das könne auch anonym geschehen. Zusammengefasst sagt Elmer: «Für Schweizer Banken ist das Risiko da.»

Rudolf Elmer

Elmer ist Schweizer Wirtschaftsprüfer und früherer Manager der Bank Julius Bär. Der 56-Jährige wurde im Januar 2011 vom Zürcher Bezirksgericht wegen Nötigung, Drohung und Verletzung des Schweizer Bankgeheimnisses verurteilt. Er hatte seinem ehemaligen Arbeitgeber Droh-Faxe und Droh-Emails geschickt und der Enthüllungsplattform Wikileaks geheime Kundendaten zugespielt.

Elmer sei kein Whistleblower mit hehren Zielen sondern ein entlassener Ex-Angestellten, der aus Frust über eine verweigerte Beförderung einen Rachefeldzug führte, hiess es im Urteil. Gemäss eigenen Aussagen wollte Elmer so die Machenschaften der Banken in Steuerparadiesen aufdecken und «die Gesellschaft aufklären».

Elmer wollte das Urteil nicht akzeptieren und zog es an das Zürcher Obergericht weiter. Dieses wies das Urteil im November zurück an die Staatsanwaltschaft. (sda/ldu)

Reto T. ist unter der Belastung zusammengebrochen und hat sich vor einer Woche in psychiatrische Behandlung begeben. Elmer kann den Schritt nachfühlen. «Das ist eine massive Belastung für ihn». Wenn Reto T. im Voraus gewusst hätte, was auf ihn zukommt, hätte er sich das wohl zwei Mal überlegt, sagt er weiter.

«Zivilcourage ist verloren gegangen»

Setzt man die Gesundheit aufs Spiel? «Ja», sagt Elmer. Nichtsdestotrotz seien solche Taten wichtig. «Man zeigt Zivilcourage. Das ist etwas, das heute verloren gegangen ist.»

Elmer würde die Courage erneut aufbringen. «Ich würde das Ganze vielleicht geschickter lösen. Leider gibt es keine Schule für Whistleblower.» Mittlerweile habe er dazu gelernt.

Der Whistleblower sei bereits von Bankangestellten kontaktiert und um Rat gefragt worden. Er interessiere sich dabei nicht für die einzelnen Unregelmässigkeiten, stellt Elmer klar. «Für mich ist wichtig, dass die Leute wissen, was für Konsequenzen es gibt.» (ldu)

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