Bündner Baukartell

Wettbewerbskommission eröffnet weitere Untersuchung über Bauabsprachen in Graubünden

Die illegalen Methoden der Baufirmen in Graubünden waren der bisher grösste Fall von Preisabsprachen im Schweizer Baugewerbe. (Symbolbild)

Die illegalen Methoden der Baufirmen in Graubünden waren der bisher grösste Fall von Preisabsprachen im Schweizer Baugewerbe. (Symbolbild)

Weitet sich der Skandal um das Bündner Baukartell aus? Diese Frage beschäftigt die Wettbewerbskommission (Weko). Sie hat eine weitere Untersuchung zu mutmasslichen Abreden eröffnet und Hausdurchsuchungen gemacht.

(rwa) Im italienischsprachigen Teil Graubündens, genauer in der Region Moesa, bestünden Anhaltspunkte für Submissionsabreden zwischen mehreren Unternehmen im Baubereich, gab die Weko am Freitag bekannt. Die Hinweise stammen vom Kanton Graubünden. Nun will die Weko prüfen, ob tatsächlich kartellrechtlich unzulässige Wettbewerbsbeschränkungen vorliegen.

Bei Submissionsabreden koordinieren Firmen ihr Angebotsverhalten bei der Vergabe von öffentlichen oder privaten Beschaffungen. In der Regel stimmen sie ihre Angebote mit dem Ziel ab, einem Unternehmen den Auftrag zu einem bestimmten Preis zuzuschanzen.

Millionenbusse verhängt

Es ist nicht der erste solche Fall, den die Weko beschäftigt. Zwischen 2004 und 2012 hatte sie in Graubünden verschiedene Verstösse gegen das Kartellrecht im Bausektor festgestellt. Die illegalen Methoden der Baufirmen sind der bisher grösste Fall von Preisabsprachen im Schweizer Baugewerbe. Die Untersuchungen begannen 2012. Vergangenes Jahr schloss die Wettbewerbskommission die letzten von insgesamt zehn Untersuchungen ab. Dabei hat sie Bussen von insgesamt 11 Millionen Franken ausgesprochen. Neun der zwölf Unternehmen, die sich zu Schadenersatzzahlungen verpflichteten, erhielten eine Reduktion der Bussen von insgesamt 3 Millionen.

Laut Weko waren in das Bündner Baukartell insgesamt 40 Unternehmen in die Absprachen bei rund 1160 Bauprojekten involviert gewesen. Auch der Graubündnerische Baumeisterverband soll in die illegalen Machenschaften involviert gewesen sein. Er soll wissentlich Versammlungen organisiert haben, an welchen Bauprojekte zwischen den Unternehmen aufgeteilt und die Offertsummen besprochen worden seien. Als reiner Vermittler im Baukartell konnte der Baumeisterverband jedoch nicht gebüsst werden. Adam Quadroni, ein ehemaliger Engadiner Bauunternehmer, hat als Whistleblower wesentlich zur Aufdeckung des Kartells beigetragen.

Die Weko hat alle ihre Verfahren bereits letzten Sommer abgeschlossen. Damals erklärten Weko-Vertreter vor den Medien, dass aus ihrer Sicht die Preisabsprachen dem Kanton hätten auffallen müssen. Denn rein aufgrund der Dimension des Bündner Baukartells sei es schwer vorstellbar, dass niemand in den kantonalen und kommunalen Behörden etwas bemerkt habe.

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