Autohandel

Wettbewerbskommission eröffnet Untersuchung gegen Amag – diese ist sich keiner Schuld bewusst

315'032 neue Personenwagen sind 2017 in der Schweiz neu in Verkehr gesetzt worden, 1,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Bild Neuwagen mit Schutzplanen bei der Amag in Lupfig AG.

315'032 neue Personenwagen sind 2017 in der Schweiz neu in Verkehr gesetzt worden, 1,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Bild Neuwagen mit Schutzplanen bei der Amag in Lupfig AG.

Die Eidg. Wettbewerbskommission Weko geht erneut gegen die VW-Importeurin Amag vor: Die Wettbewerbshüter vermuten Kartellverstösse im Tessin. Die Amag ist sich keiner Schuld bewusst.

Die Weko habe am 26. Juni eine Untersuchung gegen die Amag und weitere Autohändler von Marken des VW-Konzerns eröffnet, teilten die Kartellwächter am Dienstag im Bundesblatt mit. Die Amag und weitere Autohändler sollen sich bei den Preisen von Offerten für Dienstautos für den Kanton Tessin und Tessiner Gemeinden abgesprochen haben.

Die verbotenen Preisabsprachen sollen in den Jahren 2012 bis 2014 stattgefunden haben. Dafür habe die Weko Anhaltspunkte. In der Untersuchung werde nun geprüft, ob es diese verbotenen Preisabsprachen tatsächlich gegeben habe.

Schadenshöhe unbekannt

Von den möglichen Verstössen gegen das Kartellgesetz habe man erst unlängst erfahren, sagte Weko-Vizedirektor Patrik Ducrey auf Anfrage. Ob es eine Selbstanzeige der Amag wie in früheren Fällen gegeben habe, wollte er nicht bekannt geben.

Auch Angaben zur Höhe des möglichen Schadens für die Tessiner Behörden machte Ducrey nicht, der am 1. August vom Vize- zum neuen Direktor des Weko-Sekretariats aufsteigt. Welche Marken des VW-Konzerns betroffen seien, wollte der Wettbewerbshüter ebenfalls nicht sagen. Man stehe erst am Anfang der Untersuchung.

Innerhalb von 30 Tagen können sich Dritte am Verfahren beteiligen. Darunter fallen beispielsweise Personen, die durch die Preisabsprachen in der Ausübung oder der Aufnahme des Wettbewerbs behindert worden seien, hiess es weiter.

Keiner Schuld bewusst

Die Amag selber ist sich keines Vergehens bewusst: Die Autoimporteurin habe bis heute keine konkreten Anhaltspunkte zu einem möglichen Verstoss, erklärte die Amag in einer Stellungnahme.

"Es gab kein Kartell", sagte Amag-Direktionsmitglied Oliviero Milani, der für den Tessiner Markt zuständig ist, im Gespräch mit AWP. "Wenn wir in einem so umkämpften Markt die Preise aufblasen würden, würden wir schnell von der Konkurrenz überholt. Wir sehen einem Abschluss der Untersuchung mit Gelassenheit entgegen, der unsere Unschuld ans Licht bringen wird."

Man kooperiere voll und ganz mit den Behörden, schrieb die Amag: "Derzeit können wir keine weiteren Angaben machen, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt."

Ein Drittel Marktanteil

Die Volkswagen-Gruppe habe mit ihren Marken im Tessin einen Marktanteil von fast einem Drittel, sagte Milani: "Wir nehmen seit 1998 an Ausschreibungen der öffentlichen Hand teil und haben uns auch dieses Jahr beteiligt."

Der Kanton habe sich immer sehr zufrieden mit der Qualität der Produkte des VW-Konzerns gezeigt. Milani betonte, dass man die Konzessionäre regelmässig auf die Illegalität jeglicher Preisabsprache hinweise.

Der Kanton Tessin selber wollte keine Stellungnahme abgeben. Dies lehnte ein Sprecher auf Anfrage ab. Die Behörden der Städte Bellinzona und Lugano waren bislang für einen Kommentar nicht erreichbar.

Nicht das erste Verfahren

Die jetzige Untersuchung ist nicht das erste Verfahren der Weko gegen die Amag. Die Autoimporteurin stand bereits mehrmals im Visier der Wettbewerbshüter.

Zwei Verfahren laufen noch: So vermutet die Weko, dass die Amag ihre Marktmacht missbraucht und freie Autohändler diskriminiert. Diese Vorabklärung wurde vor knapp vier Jahren eröffnet. Wann mit einem Abschluss des Verfahrens zu rechnen sei, wollte Ducrey nicht sagen.

Ebenfalls noch hängig ist ein Verfahren wegen Preisabsprachen von VW-Markenhändlern. Dieses liege immer noch vor dem Bundesverwaltungsgericht, sagte Ducrey.

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