Hier spricht der Chef

Wettbewerb ist auch «Wertbewerb»

*Kurt Loosli ist CEO der EAO-Gruppe in Olten

*Kurt Loosli ist CEO der EAO-Gruppe in Olten

Die gegenseitige Wahlfreiheit fördert den Wettbewerb, nicht nur um fachliche Fähigkeiten, sondern auch um Werte. Ein Wettbewerb ist auch ein «Wertbewerb», ein «Werben mit Werten», insbesondere um Menschlichkeit.

Unternehmen werden ständig stärker reglementiert und sollen per Quoten zu sozialerem Verhalten gezwungen werden. Bei diesem Trend, «Quoten für Menschen» zu definieren, wird gerade der betroffene Mensch (Frauen, Behinderte, Lernende etc.) als Mensch in seinem Umfeld völlig vergessen, ja geradezu sträflich diskriminiert.

Eine erfolgreiche Unternehmung ist auch eine soziale Einheit, zusammengesetzt aus Menschen, die aus Freiwilligkeit ihr Bestes geben und gemeinsam für die Ziele der Unternehmung arbeiten. Dabei spielen nicht nur die fachlichen Fähigkeiten, sondern auch die vielfältigen menschlichen Beziehungen zwischen den Mitarbeitenden eine herausragende Rolle für den Erfolg. Damit ein Mensch in der Unternehmung seine Leistung erbringen kann, muss er sich ernsthaft aufgenommen fühlen. Jeder Arbeitnehmer muss sich wohl fühlen und sich entwickeln können, ja die Freiheit haben, sich für oder gegen eine Unternehmung zu entscheiden, dies gilt auch für den Arbeitgeber.

Die gegenseitige Wahlfreiheit fördert den Wettbewerb, nicht nur um fachliche Fähigkeiten, sondern auch um Werte. Ein Wettbewerb ist auch ein «Wertbewerb», ein «Werben mit Werten», insbesondere um Menschlichkeit. Es ist ein Wert, wenn eine Unternehmung unverkrampft eine gute Durchmischung der Geschlechter pflegt, Lernende ausbildet, Arbeiten vergibt, die Menschen mit starken Behinderungen angepasst sind und sich nicht scheut, sich Diskussionen von Andersdenkenden zu stellen, ja diese gerade zu nutzen. Es ist eine wichtige Grundbedingung für eine erfolgreiche Unternehmung, dass die Mitarbeitenden stets im konstruktiven und kreativen Dialog bleiben und sich dabei gegenseitig wertschätzen, fachlich und menschlich.

Ende 2010 konnte unsere Unternehmung zwei behinderte Mitarbeitende nach 44 und 43 Jahren Zugehörigkeit in die Pension verabschieden. Über Jahrzehnte haben diese beiden Mitarbeiter tagtäglich zusammen mit ihren Kollegen stets ihre volle Leistung erbracht. Es war ein emotionaler Abschied. Traurigkeit, diese beiden Persönlichkeiten nicht mehr bei uns zu haben, verbunden mit Freude, dass die beiden schwerbehinderten Menschen in ihre verdiente Pension gehen durften. Die beiden offenen Stellen wurden wiederum mit Menschen mit einer Behinderung besetzt, aus Überzeugung, dass diese beiden jungen Menschen einen Beitrag zur Unternehmung leisten wollen und können, nicht wegen irgendeiner Quote.

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