Frühstück um drei Uhr morgens? Im Hotel Metropole in Interlaken kein Problem: «Wir bieten das an, damit unsere muslimischen Gäste ohne Probleme den Ramadan begehen können», sagt Direktor Marco von Euw. Zwar machen die meisten Muslime während des Fastenmonats keine Ferien, von Euw denkt aber auch an die Geschäftsleute.

Das Vier-Sterne-Haus hat es sich – wie ganz Interlaken – zur Aufgabe gemacht, auf die Bedürfnisse der muslimischen Besucher einzugehen: Ein Teppich mit integriertem Kompass hilft den Gästen, sich beim Beten nach Mekka auszurichten. Auf Wunsch steht auch ein Konferenzzimmer zur Verfügung, das als Gebetsraum benutzt werden kann.

Im Restaurant werden Halal-Menüs angeboten, also Speisen, die nach islamischem Recht erlaubt sind. Zudem hat sich in der Lobby ein Coiffeur eingemietet, der Bartrasuren anbietet, die bei arabischen Männern sehr beliebt sind. Will eine muslimische Frau ihre Haare schneiden, stehen Trennwändchen bereit, damit fremde Männer die Muslimin nicht ohne Schleier sehen.

Die Anstrengungen der Berner Oberländer zahlen sich aus: Im letzten Jahr übernachteten neunmal mehr Gäste aus den Golfstaaten als 2005. Auch andere Schweizer Tourismusregionen legten zu (siehe Grafik).

Präsenz in den Golfstaaten

Für Interlaken sind die Araber mittlerweile die fünftgrösste Kundengruppe. 2012 machten die Besucher aus der Golfregion 7,2 Prozent aller Übernachtungen aus. «Wir können die Verluste in Europa mit Gästen aus dem arabischen Raum und den anderen Fernmärkten wettmachen», sagt Bettina Bhend, Kommunikationsverantwortliche von Interlaken Tourismus.

Auch die Welttourismusorganisation bezeichnet den Nahen Osten als «attraktiven Markt für Reisedestinationen auf der ganzen Welt». Sie hat eine Studie publiziert, die europäischen Ländern helfen soll, auf dem arabischen Markt erfolgreich Besucher anzuwerben.

Schweiz Tourismus sieht die Golfstaaten als strategischen Wachstumsmarkt: «Wir investieren überdurchschnittlich viel in die Golfstaaten», sagt Sprecherin Daniela Bär. 2012 waren die Besucher aus der Golfregion zwar erst für 3,8 Prozent aller Übernachtungen verantwortlich. Das Wachstum ist aber rasant: Im letzten Jahr legte die arabische Gästegruppe um 23,9 Prozent zu und in den ersten fünf Monaten dieses Jahres um 9 Prozent.

Arabische Touristen sind aber nicht nur für die Hotelbranche ein Segen. Sie konsumieren auch kräftig: Mit durchschnittlichen Tagesausgaben für Hotel, Essen und andere Einkäufe von 500 Franken lassen arabische Touristen alle anderen deutlich hinter sich. Vor allem die Gäste aus den europäischen Ländern. Ein Holländer gibt in seinen Ferien in der Schweiz im Schnitt pro Tag nur 130 Franken aus, also fast viermal weniger (siehe Tabelle). «Gäste aus dem arabischen Raum sind für den Schweizer Tourismus deshalb sehr wichtig», betont Bär.

Arabische Gäste sorgten aber auch für Verunsicherung. Zu Beginn des Booms waren in Interlaken die verschleierten Frauen ein Thema. Das habe sich wieder gelegt, sagen Einheimische. Die Hoteliers wägen aber weiter ab, wie stark sie den Muslimen entgegenkommen sollen. «Wir wollen Angehörige anderer Religionen nicht vor den Kopf stossen», sagt von Euw. Er trifft alle Massnahmen diskret, sodass sie andere Gäste kaum bemerken. Deshalb auch der Kompass im Gebetsteppich. Er erspart dem Hotelier das Zeichen an der Zimmerwand, das in Richtung Mekka weist.