Recycling

Wertvoller Rohstoff aus dem Abfall

© Solothurner Zeitung

Aus Altpapier von 800 Schweizer Gemeinden wird in der Papierfabrik Utzenstorf neues Zeitungspapier.

Schweizerinnen und Schweizer sind weltmeisterlich, nicht nur in sportlichen Disziplinen, sondern auch im Recyceln von Abfall: Rund 90 Prozent des in den Privathaushalten anfallenden Papiers und Kartons wird der Wiederverwertung zugeführt. Das freut die Papierfabrik Utzenstorf, die das Altpapier hauptsächlich in neues, frisches Zeitungspapier «verwandelt».

Die Mengen sind gewaltig: Jedes Jahr werden der Fabrik nahe Solothurn insgesamt 240000 Tonnen Altpapier angeliefert, wie Geschäftsleiter Stefan Endras auf dem Rundgang durch die Hallen des Altpapierwerkes erläutert. Der Grossteil (150000 Tonnen) stammt aus den Privathaushalten; das entspreche einem Viertel des landesweiten Haushalt-Sammelgutes. Der Rest wird von Druckereien und dem Handel angeliefert.

95 Prozent des Papiers ist «sauber»

Die gelesenen Zeitungen und Prospekte aus über 800 Schweizer Gemeinden gelangen per Camion oder per Güterzug nach Utzenstorf. Die Lagerhallen bieten Platz für 10000 Tonnen Altpapier. Grösster Einzellieferant ist mit 25000 Jahrestonnen die Stadt Zürich. Was überraschend scheint, basiert auf einer langen Zusammenarbeit. «Zürich war die erste grosse Gemeinde, die Altpapier und Karton getrennt sammelte», erläutert Endras. Inzwischen ist die Trennung des Altstoffes in vielen Gemeinden Standard. So kommt es, dass 95 Prozent der Lieferungen ohne Nachsortierung direkt der Papierproduktion zugeführt werden können.

Fremdstoffe und Farbpartikel

Die Förderanlagen werden durch kraftvolle, riesige Pneulader mit dem Rohstoff «gefüttert». Bevor das Altpapier aber zum Grundstoff für die Papierherstellung mutiert, passiert es viele Bearbeitungsstationen. Stofflöser zerlegen das Papier in einzelne Fasern, die Druckfarben lösen sich ab und im Dickstoffreiniger werden unerwünschte Fremdstoffe wie Büro- und Heftklammern, Plastik- oder Aluminiumfolie, Klebestreifen automatisch ausgeschieden. Schliesslich wird die Druckfarbe mit Seife aus dem Altpapier geschwemmt. Der Prozess nennt sich Deinking (ink heisst auf Englisch Tinte). Zugeführte Luft lässt die Druckfarben-Partikel an die Oberfläche steigen, wo sie abgeschöpft werden. Der gereinigte Papierbrei gelangt zusammen mit ebenfalls in Utzenstorf selbst hergestelltem Holzschliff in Stapeltürmen zur Lagerung.

Herzstück sind «Mona» und «Lisa»

Das in Utzenstorf hergestellte Papier bestehe zu 90 Prozent aus Altpapier und zu 10 Prozent aus Holzschliff, erklärt Alain Probst, Leiter Technik. Jährlich produziert Utzenstorf rund 200000 Tonnen Papier, davon zwei Drittel Zeitungspapier und ein Drittel für Werbebeilagen. Die Kapazitäten seien völlig ausgelastet, was sich aber auf der Ertragsseite nicht voll widerspiegle (siehe Kasten).

Damit aus dem Papierbrei wieder Zeitungspapier wird, tritt das Herzstück der Papierherstellung in Aktion: Die zwei je rund 60 Meter langen Papiermaschinen «Mona» und «Lisa» dröhnen, der Boden vibriert. Die Ungetüme laufen Tag und Nacht während 365 Tagen. Zuerst wird der Brei durch ein Sieb geführt, damit sich die Fasern neben- und aufeinander ablagern. Das Faservlies wird gepresst und durchläuft danach mehrere Trockenzylinder, die das Papier fast komplett trocknen. Pro Minute können 1200 Meter Papier produziert werden. Am Ende der Papiermaschinen werden die Papierbahnen auf so genannte Tambouren, einem Stahlkern, aufgewickelt. Darauf hat, so Probst, Papier bis zu 30 Kilometer Länge Platz. Über ein ausgeklügeltes Transportsystem gelangen die riesigen, bis 2,1 Meter breiten Rollen in die Spedition für den Vertrieb in die Druckereien. Dort beginnt der Kreislauf wieder von vorne.

Sinnvolles Recycling

Wie sinnvoll das Recycling von Papier ist, zeigt Alain Probst mit einigen Vergleichen auf. Die Herstellung einer Tonne Papier aus reinem Holzfaserstoff benötige rund fünfmal mehr Energie als die Produktion mit dem Rohstoff Altpapier. Und die Fasern aus dem Altpapier könnten bis zu sechsmal recycelt werden.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1