Airline-Konkurrenzkampf

Wenn die EU «nein» sagt, wird es teurer für Schweizer Passagiere

Flugzeuge von Air Berlin und Swiss am Flughafen Zürich

Flugzeuge von Air Berlin und Swiss am Flughafen Zürich

Beim wichtigsten Konkurrenten von Swiss und Lufthansa in den deutschsprachigen Ländern prüfen die EU-Aufsichtsbehörden, wie unabhängig Air Berlin noch ist. Wenn der Swiss-Konkurrent pleite geht, zahlen die Reisenden Richtung Norden deutlich mehr

Davon, dass Air Berlin (noch) fliegt, profitieren auch die Swiss-Passagiere: Wer für Ende April ein Wochenende in Berlin verbringen will, zahlt bei Swiss dafür 366 Franken. Wer praktisch gleich lange nach Hamburg fliegt, zahlt dagegen 553 Franken (Basis billigster Eco-Tarif, jeweils letzter Flug des Tages, Stand Freitag 16 Uhr).

Der Unterschied: Auf der Berlin-Strecke liefert sich Swiss mir Air Berlin ein Duell um Touristen, Geschäftsleute und Politikvertreter. Von der Hamburg-Strecke hat sich Air Berlin 2012 zurück gezogen. Prompt zogen die Preise an. Denn jetzt fliegen nur noch Gesellschaften, die wie Swiss und German Wings zum Lufthansa-Konzern gehören.

Für die Wettbewerbskommission ist das kein Fall: Denn es haben sich nicht zwei Anbieter abgesprochen - sondern der Monopol-Anbieter Swiss-Lufthansa nimmt vom Markt, was man bekommt. Allzu hoch klettern die Preise nur deshalb nicht, weil die Passagiere sonst ausweichen würden - beispielsweise auf Easyjet, die ab Basel am oben erwähnten Tag für knapp 200 Franken fliegt (für einen Apfel-zu-Apfel-Vergleich müssen noch einige Franken aufgeschlagen werden).

Etappensieg der Lobbyisten

Air Berlin ist nach der Swiss die zweitwichtigste Airline am Flughafen Zürich. Ihr Anteil an den Flugbewegungen betrug im vergangenen Jahr nur 5,5 Prozent, weiter hinter den 56,8 Prozent der nationalen Fluggesellschaft; Air Berlin kommt aber vor der Swiss-Tochter Edelweiss, die auf 3,7 Prozent kam.

Die EU-Kommission untersucht den Einfluss der arabischen Fluggesellschaft Etihad bei Air Berlin. Sie will prüfen, ob die Beteiligung der finanzkräftigen Airline aus dem Golf-Emirat Abu Dhabi mit europäischem Recht vereinbar ist. Die Kommission untersuche aktuell einige Nicht-EU-Investitionen in europäische Fluglinien, darunter Etihads Beteiligung an Deutschlands zweitgrösster Fluglinie, erklärte ein Sprecher von EU-Verkehrskommissar Siim Kallas am Freitag. Er bestätigte damit zum Teil einen Bericht der «Süddeutschen Zeitung».

Piloten auf dem Rücksitz

Darin hiess es weiter, eine Gruppe von Fluggesellschaften habe Druck gemacht, die Beteiligung von Etihad bei Air Berlin zu prüfen. Die Rivalen glaubten, trotz eines Anteils von nur 29,2 Prozent habe Etihad faktisch schon längst das Sagen bei Air Berlin.

Für Air Berlin könnte das Verfahren Ärger bedeuten. Denn nach einer europäischen Richtlinie dürfen EU-Mitgliedsstaaten Fluglinien nur dann eine Betriebsgenehmigung erteilen, wenn Anteilseigner aus den Mitgliedsstaaten mehr als 50 Prozent an den Unternehmen halten und zugleich auch effektiv die Kontrolle ausüben. Dem Sprecher zufolge wurde daher der betroffene Mitgliedstaat aufgefordert, weitere Informationen dazu zu liefern, wie diese Investitionen mit den Regeln für den Besitz und die Kontrolle von europäischen Airlines im Einklang stehen.

Kampf mit Ösen und Haken

Air Berlin wies die Anschuldigungen zurück. «Etihad Airways übt selbstverständlich keine Kontrolle bei Air Berlin aus», erklärte ein Sprecher. Etihad sei im Verwaltungsrat von Air Berlin mit zwei von insgesamt elf Personen vertreten. «Strategische Entscheidungen liegen allein bei Air Berlin. Etihad besitzt als Aktionärin weder eine Sperrminorität noch Sonderrechte», erklärte der Sprecher.

Air Berlin hatte unlängst überraschend zweimal die Bilanz-Vorstellung verschoben. Die Fluggesellschaft ist mit gut 800 Mio. Euro verschuldet, das Eigenkapital ist längst völlig aufgezehrt. Etihad hat seit dem Einstieg bei Air Berlin 2011 bereits Geldspritzen von einer halben Milliarde Euro und Sachleistungen in Air Berlin eingebracht. So verkaufte Air Berlin sein Vielfliegerprogramm an Etihad, um an Geld zu kommen. Air-Berlin-Grossaktonär Etihad will zudem Anteile der Tessiner Darwin Airline übernehmen, die bereits als Etihad Regional auftritt. Im Langstreckenverkehr nach Nahost, Asien und auch Afrika ist Etihad mit grossen und modernen Flugzeugen inzwischen ein starker Konkurrent der Swiss und anderer europäischer Traditionsairlines geworden. Die Preise auf den Asien-Strecken sind in der gleichen Klasse um 30 bis 50 Prozent günstiger, der Service und Komfort deutlich besser, wie unabhängige Passagierbefragungen ergeben haben. (Matthias Niklowitz/SDA)

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