Über zehn Jahre lang lebten Anna und Roger unverheiratet zusammen. Nach dem Tod von Roger im Alter von 55 war eigentlich vorgesehen, dass die 300'000 Franken, die er bei der Pensionskasse angespart hatte, ihr zugutekämen. So hatte es Roger in seinem Testament verfügt. Doch daraus wurde nichts: Das Todesfallkapital aus der zweiten Säule ging nicht an Anna, sondern an Rogers Ex-Frau, mit der er verheiratet war, bevor er mit Anna zusammenzog.

Der letzte Wille im Testament half Anna nicht. «Im Todesfall eines berufstätigen Versicherten genügt eine erbrechtliche Verfügung im Testament alleine vielfach nicht. Für das Todesfallkapital der zweiten Säule verlangen die meisten Pensionskassen eine separate vorsorgerechtliche Erklärung zu Lebzeiten», sagt Melanie Schiesser, Rechtsanwältin und Vorsorgeexpertin bei der Beratungsgesellschaft BDO.

Vorsorgerechtliche Erklärung? Gemeint ist damit eine sogenannte Begünstigungserklärung, die Roger bei seiner Pensionskasse hätte einreichen müssen. Wäre seine Lebenspartnerin auf diesem Dokument als Begünstigte des Todesfallkapitals genannt gewesen, hätte sie es mit grosser Wahrscheinlichkeit auch erhalten. Bei den meisten Kassen gibt es dafür vorgefertigte Formulare. Vorsorgeexpertin Schiesser erklärt: «Wer nicht verheiratet ist und genaue Vorstellungen davon hat, an wen im Falle eines frühen Todes vor der Pensionierung das Todesfallkapital gehen soll, sollte das aktuelle Reglement seiner Pensionskasse anfordern. Dort kann er sich ein Bild über die vorgesehene Begünstigungsordnung im Todesfall und die Möglichkeiten für Änderungen in seinem Sinne machen.»

Mindestens fünf Jahre Partner

Erst wenn die Begünstigungserklärung ausgefüllt und bei der Kasse deponiert ist, ist diejenige Person anspruchsberechtigt, die sich der Versicherte wünscht. «Im Falle von Anna und Roger waren der Kasse die Hände gebunden. Denn ohne Meldung wusste der Versicherer nichts von der Lebenspartnerin. Die reglementarische Voraussetzung dafür, Rogers Sparkapital Anna zukommen zu lassen, war nicht erfüllt», erklärt Schiesser. Als Partnerschaft im Sinne eines Konkubinats anerkennen die Kassen in der Regel, wenn zwei Personen mindestens fünf Jahre lang ohne Trauschein zusammengelebt haben.

Anders als noch vor 15 oder 20 Jahren sind fast alle Pensionskassen heute offen für Beziehungsmodelle, die sich ausserhalb der traditionellen Ehe bewegen. Die Gesellschaft hat sich verändert, und die Vorsorgeeinrichtungen bemühen sich, den neuen Realitäten gerecht zu werden. Doch das können sie nur, wenn sie von ihren Versicherten auch wissen, in welchen Beziehungen diese stehen und wem sie die Leistungen in Todesfällen zugutekommen lassen wollen.

Diese Bringschuld wird oft unterschätzt und könne unschöne Auseinandersetzungen oder ungewollte Ergebnisse zur Folge haben, erklärt Schiesser weiter. Zu den unschönen Szenen kommt es häufig, wenn einer der Konkubinatspartner zuvor verheiratet war und die frühere Familie Anspruch auf seine Pensionskassen-Gelder erhebt. «Im Streitfall reicht zuweilen sogar die Begünstigungserklärung nicht aus. Denn oft ist auch umstritten, ob die gesetzliche und reglementarische Voraussetzung einer Lebensgemeinschaft erfüllt war oder nicht», so Schiesser. Die Pensionskassen, so weiss sie aus ihrer beruflichen Erfahrung, versuchen mit klaren Reglementsbestimmungen Streitigkeiten mit Hinterbliebenen von vornherein zu vermeiden.

Grössere Sammelstiftungen etwa sind dazu übergegangen, selber die Reihenfolge für vorsorgeberechtigte Hinterbliebene in ihren Reglementen fix festzulegen. Oft besteht für einzelne Versicherte gar keine Möglichkeit, daran etwas zu ändern. Trotzdem ist ein unverheirateter Versicherter gut beraten, seinen Konkubinatspartner aus bereits erwähnten Gründen der Kasse zu melden. Denn meistens sind Konkubinatspartner in der Reihenfolge weit oben vorgesehen.

Im Reglement ist auch festgelegt, ob die Vorsorgeeinrichtungen bei Todesfällen den Hinterbliebenen Todesfallkapital oder Witwenrenten auszahlen. Todesfallkapital ist aber eine überobligatorische Leistung, die nicht alle Kassen entrichten.

Rente bei verheirateten Paaren

Klar ist der Fall, wenn es sich um Verheiratete handelt. Dann gelten die Bestimmungen des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG). Nach dem Tod eines berufstätigen Mannes oder einer berufstätigen Frau erhält der Hinterbliebene eine Ehegattenrente. Das gilt auch für gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Für die Kinder gibt es mindestens bis zum 18. Lebensjahr eine Waisenrente. Studieren sie oder bilden sich beruflich weiter, wird die Waisenrente bis zum 25. Lebensjahr ausbezahlt. Geschiedene Männer und Frauen, die bei der Scheidung eine Rente zugesprochen erhielten, erhalten die Ehegattenrente, sofern die Ehe mindestens zehn Jahre gedauert hat.

Eine von zwei Voraussetzungen muss indes für die Ehegattenrente erfüllt sein: Der überlebende Ehepartner muss für den Unterhalt mindestens eines gemeinsamen Kindes aufkommen, oder er sollte wenigstens 45 Jahre alt sein und die Ehe hat mindestens fünf Jahre gedauert. Ist das nicht der Fall, beschränkt sich die Pensionskasse auf eine einmalige Abfindung von drei Jahresrenten. Auch bei Todesfällen in Rentnerehen bekommen die Hinterbliebenen eine Ehegattenrente. Achtung: Diese Rente gibt es nur, wenn sich der Verstorbene nicht beim Pensionierungsantritt sein Sparkapital hat auszahlen lassen.