• Die Details der Fusion Der Chemiekonzern Bayer aus Leverkusen kauft den US-Saatguthersteller Monsanto aus St. Louis für 66 Milliarden Dollar (59 Milliarden Euro). Bayer hat das Übernahmeangebot dreimal verbessert. Das erste Angebot war 62 Milliarden Dollar hoch. Es ist die bisher grösste deutsche Übernahme im Ausland.
  • Wie wird die Übernahme finanziert? Bayer plant die Finanzierung durch Kombination aus Fremd- und Eigenkapital. Der Eigenkapitalanteil soll 19 Milliarden US-Dollar betragen.
  • Was ist die Absicht? Bauern kämpfen weltweit mit den Folgen der Klimaerwärmung. Bis 2050 wächst die Weltbevölkerung voraussichtlich von sieben auf über neun Milliarden Menschen. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) rechnet damit, dass die landwirtschaftliche Produktivität in den nächsten Jahren um 70 Prozent gesteigert werden muss. Bayer will mit neuen Technologien für Saatgut und Unkrautbekämpfung reagieren. Mit Monsanto sichert sich Bayer Know-how in der Biotechnologie. Die Branche muss zudem wegen der niedrigen Preise für Agrarrohstoffe und Saatgut sowie instabilen Märkten in den Schwellenländern sparen. Fusionen erlauben es, Kosten zusammenzulegen. Bayer erwartet Synergieeffekte in Milliardenhöhe.
  • Ist alles unter Dach und Fach? Nein. Nicht nur die Monsanto-Aktionäre, auch die Kartellbehörden müssen noch ihre Zustimmung geben. Ersteres gilt als wahrscheinlich. Denn Bayer bietet für die Aktie einen Preis, der 44 Prozent über jenem vor Bekanntwerden der Übernahmepläne liegt. Doch auch bezüglich Kartellbehörden sieht das Management von Bayer keine Probleme. Es drohe keine Monopolstellung des neuen Mega-Konzerns, da Monsanto vor allem in den USA, Bayer in Europa und Asien stark vertreten sei.
  • Gibt es Stolpersteine? Monsanto verdiente jahrelang an Saatgut und am Unkrautvernichtungsmittel Roundup. Doch dann entwickelten Wildkräuter Resistenzen gegen dieses Pestizid. Der darin enthaltene Wirkstoff Glyphosat steht zudem im Verdacht, Krebs zu erzeugen. Weltweit steht der US-Konzern wegen seiner gentechnisch veränderten Produkte und harten Geschäftspraktiken in der Kritik. Die beiden Konzerne scheinen offenbar doch nicht so fest an ihr Vorhaben zu glauben, wie sie sagen: Kommt die Transaktion nicht zustande, etwa wegen wettbewerbsrechtlicher Einwände, erhält Monsanto von Bayer die stolze Summe von 2 Mrd. Dollar. Und mit wettbewerbsrechtlichen Bedenken in den USA, in der EU und Brasilien ist zu rechnen.
  • Andere Fusionen in der Branche? Die Übernahme ist das jüngste Beispiel einer anhaltenden Konsolidierung. Aus Hunderten Anbietern bildete sich durch Käufe und Fusionen ein knappes Dutzend Giganten wie Bayer, Monsanto, Dupont, Dow Chemical und Syngenta, die sich den Markt aufeilen. Auf kleinere Anbieter entfällt je nach Schätzung noch ein Marktanteil im tiefen zweistelligen Prozentbereich. Der Konzentrationsprozess hat sich in den letzten Monaten beschleunigt. DuPont und Dow Chemical kündigten ein Zusammengehen an, Syngenta geht im chinesischen Konzern Chem China auf.
  • Was heisst das für Syngenta? Bayer-Monsanto wird zur Nummer eins auf den Märkten für Saatgut und Pflanzenschut. Selbst nach der Übernahme von Syngenta durch Chem China bringt der sino-helvetische Produzent weniger auf die Waage als der deutsch-amerikanische, auf Augenhöhe mit Dow DuPont. Bereits merklich kleiner ist BASF.
  • Mitarbeiter in der Schweiz? Bayer und Monsanto beschäftigen hierzulande rund 1350 Personen. Bayer beschäftigt in Basel und vier kleineren Standorten 1191 Menschen. Monsanto hat in der Schweiz einen Standort in Morges VD mit zurzeit noch 144 Personen. Bis 2018 wird sich diese Zahl halbieren. Der Saatguthersteller hatte Anfang Jahr angekündigt, weltweit 1000 Stellen abzubauen, in der Schweiz 75. Insgesamt sollen bis 2018 3600 wegfallen.