Nachdem der Euro zum Franken bereits in der Nacht mehrere kleinere Sprünge machte und ab 5 Uhr ein relativ steiler Anstieg erfolgte, ging es zunächst wieder etwas nach unten. Gegen 9 Uhr folgte ein neuerlicher Sprung von 1,0390 auf 1,0420 Franken, und auch danach gab es einige Bewegung. Um 11.30 Uhr stand der Euro bei 1,0380 Franken.

Die Nationalbank wollte sich auf Anfrage nicht dazu äussern, ob sie am Devisenmarkt erneut interveniert hat. SNB-Präsident Thomas Jordan hatte am Montag bekannt gegeben, nach dem Eklat um das am Wochenende angekündigte Referendum zum Sparprogramm Griechenlands sei die SNB "stabilisierend am Markt aufgetreten". Zum Umfang der Interventionen und zu möglichen weiteren Euro-Käufen äusserte er sich nicht.

UBS-Chefökonom Andreas Höfert sprach in einem Interview mit der Zeitung La Liberté vom Dienstag von einem Signal an die Märkte. Mit der Aussage werde den Anlegern klar, dass sie es mit der Nationalbank zu tun hätten, die massiv Franken verkaufen könne, um diesen zu schwächen.

Bereits 100 Prozent des BIP

Allerdings wüssten die Märkte auch, dass die SNB nicht endlos intervenieren könne. Die Devisenreserven seien bereits beträchtlich, entsprächen sie doch dem jährlichen Bruttoinlandprodukt (BIP) der Schweiz, sagte Höfert.

Gemäss Angaben der SNB vom Dienstag zu ihren Bilanzpositionen betrugen ihre Devisenanlagen per Ende Mai umgerechnet rund 525,5 Milliarden Franken.

Wie lange die SNB interveniere und mit welchen Massnahmen, wisse er nicht, sagte Höfert. Eine Möglichkeit im Kampf gegen die Frankenstärke wären noch negativere Leitzinsen.

Die Wiedereinführung eines Mindestkurses würde hingegen nach Ansicht von Höfert an der Glaubwürdigkeit der SNB zehren. Denn die Märkte glaubten, es genüge ausreichender Druck, bis die SNB aufgebe. Die gegenwärtige Politik der SNB der verdeckten Abwehr sei besser.