Wurstkartell

Wegen Preisabsprachen: Coop-Tochter Bell mit 120-Millionen-Busse belegt

Dicke Post für die Coop-Tochter Bell: 120 Millionen Franken Strafe wegen Verstössen gegen das Kartellgesetz in Deutschland.

Dicke Post für die Coop-Tochter Bell: 120 Millionen Franken Strafe wegen Verstössen gegen das Kartellgesetz in Deutschland.

Der Schweizer Fleischwarenhersteller Bell muss in Deutschland wegen Verstössen gegen das Kartellgesetz rund 120 Millionen Franken Busse zahlen. Die in Basel domizilierte Coop-Tochter will den Entscheid anfechten.

Das deutsche Bundeskartellamt hat Wursthersteller zu saftigen Bussen von ingsesamt rund 338 Mio. Euro verdonnert. Der deutsche Ableger des Schweizer Fleischverarbeiters Bell allein soll rund 100 Mio. Euro zahlen. Auch die Nestlé-Tochter Herta ist betroffen.

Die insgesamt 21 Mitglieder des "Wurstkartells" hätten sich jahrelang über Preisspannen für Roh-, Brüh- und Kochwurst sowie Schinken abgestimmt und beim Detailhandel so höhere Preise durchgesetzt, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt am Dienstag. Gebüsst werden sollen auch 33 verantwortliche Personen.

Das Gesamtbussgeld erscheine auf den ersten Blick zwar hoch, relativiere sich aber angesichts der grossen Zahl der beteiligten Unternehmen, der Kartelldauer und der Milliardenumsätze, die in dem Markt erzielt würden, sagte Mundt.

Der Löwenanteil der Bussgelder entfällt nach Behördenangaben auf die Grossen der Branche und ihre Töchter. Dazu gehören neben Bell und Herta/Nestlé auch die ClemensTönnies-Gruppe (Zur-Mühlen, Bölklunder, Könecke), die nach Angaben aus informierten Kreisen über 100 Mio. Euro Bussgeld zahlen soll.

In anderen Fällen liege das Bussgeld dagegen nur bei wenigen Hundertausend Euro, hiess es in Bonn. Die Behörde sei bei der Bussgeldbemessung in der teilweise mittelständisch geprägten Branche "mit Augenmass vorgegangen" und habe die schwierige Situation vieler Hersteller berücksichtigt.

Bell und Nestlé wehren sich

Nestlé wollte sich auf Anfrage nicht zur Bussenhöhe äussern. Bell legte die Busse für ihre deutsche Gesellschaft in einer Stellungnahme offen. Mit umgerechnet rund 122 Mio. Franken liegt die Summe weit über dem letztjährigen Reingewinn von 76,6 Mio. Franken.

Die mehrheitlich von Coop kontrollierte Firma kritisierte die Sanktion als ungerechtfertigt und wies die Vorwürfe zurück, ebenso Nestlé. Der ergangene Bussgeldbescheid sei sachlich falsch und rechtlich verfehlt, die Bussgeldhöhe zudem in einer margenschwachen Industrie gänzlich unverhältnismässig, hiess es bei Bell.

Überdies beziehen sich die Vorwürfe auf die Zeit vor Ende 2008, also bevor Bell bei den betroffenen Firmen Zimbo Fleisch- und Wurstwaren und Abraham ab Ende 2008 eingestiegen ist. Der Bussgeldbescheid sei nun unmittelbar vor Ablauf der Verjährungsfrist für die Untersuchung eingetroffen, sagte Bell-Finanzchef Martin Gysin auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Die Höhe der Busse richte sich nicht nach der Schwere des Vorwurfs, sondern nach den Umsätzen. Gysin bestätigte, dass ehemalige Manager der von Bell übernommenen deutschen Firmen ebenfalls gebüsst werden sollen, derzeitige Führungskräfte seien hingegen nicht betroffen.

Keine Rückstellungen

Bell habe und werde keine Rückstellungen für die Busse bilden. "Wir gehen davon aus, dass wir diese Busse nicht werden zahlen müssen", erklärte Gysin. Anleger reagierten dennoch verunsichert. An der Schweizer Börse notierte der selten gehandelte Titel am Nachmittag 6,6 Prozent im Minus.

Bell und Nestlé werden gegen die Busse vor Gericht Einspruch einlegen. Auch andere Firmen kündigten Rekurse an. Die Ermittlungen sind laut Kartellamt nach einem anonymen Hinweis ins Rollen gekommen. Im Januar 2009 hatten Ermittler 19 Unternehmen durchsucht. Seitdem waren noch einige Firmen hinzugekommen. Schliesslich hätten elf Unternehmen kooperiert und Geständnisse abgelegt, hiess es.

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