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Wegen Online-Boom: Post baut drei weitere Paketzentren und das sind nicht die einzigen Ambitionen

Post-Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller

Post-Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller

Obwohl sich Urs Schwaller, Präsident des Verwaltungsrats und Susanne Ruoff, CEO, an der Bilanzmedienkonferenz der Schweizerischen Post AG, sich im ersten Teil der Veranstaltung nicht mit der Postauto-Skandal befassen wollten, drückte das Thema immer durch.

So wurden die 10 Jahre dauernden Buchungstricks in der Bilanz bereinigt. Der Gewinn verkleinerte sich deshalb um 138 Millionen auf 420 Millionen.

Immer wieder wurde betont, dass die aktuellen Finanzen von der Prüfungsgesellschaft KPMG durchleuchtet und für gut befunden wurden.

Postauto-Affäre drückt auf den Gewinn der Post

Postauto-Affäre drückt auf den Gewinn der Post

Die Affäre um die illegale Buchungspraxis bei Postauto drückt schwer auf das Ergebnis der Post. Der Gewinn ist gegenüber dem Vorjahr fast einen Viertel auf 420 Millionen Franken gesunken. Vor den Medien erklärte Post-CEO Susanne Ruoff am Donnerstag die finanziellen Folgen für den Konzern.

Bilanz: Die Post hatte in den Jahren 2007 bis 2015 mit unrechtmässigen Umbuchungen zu hohe Abgeltungen erhalten. Sie zahle den Betrag von 78,3 Millionen Franken vollumfänglich an Bund und Kantone zurück, schrieb die Post in einem Communiqué am Donnerstag.

Dies führte bei Postauto zu einem Betriebsverlust von 69 Millionen Franken. Der Betriebsertrag der Tochter sank auf 836 Millionen Franken. Zusätzlich stelle die Post für die Jahre 2016 bis 2017 rund 30 Millionen Franken zurück. Der genaue Betrag werde in den nächsten Wochen festgelegt, hiess es weiter.

Der Betriebsertrag des Mutterhauses sank wie bereits vor einem Jahr leicht um 2,5 Prozent auf 7,987 Milliarden Franken. Und auch das Betriebsergebnis vor Finanzerfolg und Steuern (Ebit) ging zurück - um rund 11 Prozent auf 630 Millionen Franken.

Trotz allem wird die Post dem Bund eine Dividende in Höhe von 200 Millionen ausschütten können.

Poststellen: Ruoff weiss, wie heikel das Thema Poststellennetz ist. Die Schliessung von Poststellen stiessen trotz Ersatz durch andere Services nicht auf grosse Gegenliebe. Aber: Ohne Dialog mit den betroffenen Gemeinden würden keine Poststellen geschlossen, so Ruoff. Die Veränderung sei aber notwendig, damit die Poststellen eine Zukunft hätten.

Postfinance: Die Tochterfirma Postfinance ist gemäss CEO Ruoff unter Druck. Der Zinsertrag sei um 117 Millionen gesunken. Dennoch weist sie einen Gewinn von 549 Millionen Franken aus, was dem Verkauf zweier Aktienportfolios zu verdanken sei.

Am Morgen war bekannt geworden, Die Postfinance neu Aktionärin der Börsen- und Finanzmarktinfrastrukturbetreiberin Six wird. Damit gehört die Six neu 127 Banken.

Mehr Pakete, aber weniger Briefe: Ruoff erklärte, dass das Kerngeschäft der Post weiterhin rückläufig ist. Im letzten Jahr seien 4,2 Prozent weniger Briefe verschickt worden als im Jahr davor. Auch die Einzahlungen am Schalter sein um 6,5 Prozent gesunken, dies aufgrund des privaten Onlinebankings.

Nur im Paketgeschäft konnte die Post Terrain gut machen. Hintergrund: Der boomende Online-Handel durch Zalando und Co. So wurden 2017 6,2 Prozent mehr Pakete zugestellt. Die Post reagiert auf die Entwicklung, sie will im Tessin, in Graubünden und im Wallis regionale Paketzentren bauen.

Neue Bankensoftware: Bis 2020 will Postfinance die führende digitale Bank der Schweiz werden. So will sie auch Bankangebote online anbieten, so wie es bei Konzert- oder Kinotickets möglich ist. Ab Oktober sollen Adressänderungen oder Kartensperrungen über die Post-App getätigt werden. (jk)

Ausführliche Meldung:

Die Subventionstrickserei bei PostAuto hat die Post in den "Ausnahmezustand" versetzt und den Konzerngewinn verhagelt. 2017 standen unter dem Strich 420 Millionen Franken, fast ein Viertel weniger als 2016. Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller versprach schonungslose Aufklärung der Affäre.

Der ehemalige CVP-Politiker will mit eisernem Besen kehren. An der Bilanzmedienkonferenz sagte Schwaller am Donnerstag in Bern, um jeglichen Zweifel an der Unvoreingenommenheit der externen Untersuchung durch das Anwaltsbüro Kellerhals Carrard und die Wirtschaftsprüfer von EY auszuräumen , habe er drei unabhängige externe Experten beigezogen.

Das Gremium besteht aus dem ehemaligen Direktor der Eidgenössischen Finanzkontrolle, Kurt Grüter, dem eremitierten Strafrechtsprofessor der Universität Zürich, Andreas Donatsch, sowie Felix Uhlmann, Professor für Staats- und Verwaltungsrecht ebenfalls an der Universität Zürich.

Berichte werden veröffentlicht

Diese Experten sollen die Untersuchung eng begleiten und am Schluss Bericht erstatten. Schwaller wollte vorwärts machen. Wichtig sei, dass die Untersuchung losgelöst vom Konzern stattfinde. Er erwarte die Prüfberichte und den Expertenbericht in der ersten Jahreshälfte. Anschliessend würden die Berichte veröffentlicht. Hinterher würden Konsequenzen gezogen, organisatorische und personelle. Nicht der geringste Verdacht einer Vertuschung durch die Post dürfe aufkommen.

Die ganze Affäre bei Post

Auto ist für Schwaller "nicht akzeptabel". Die Post sei "im Ausnahmezustand" und müsse das verlorene Vertrauen zurückgewinnen. Er wolle "eine ehrliche Post, auf die sich die Menschen in allen Bereichen ohne jeden Zweifel auch in Zukunft verlassen können". Die schonungslose Aufklärung sei nicht zuletzt für die gut 60'000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zentral.

Der Verwaltungsratspräsident begrüsste das eingeleitete Verwaltungsstrafverfahren durch das Bundesamt für Polizei (Fedpol), das der Bundesrat auf Antrag des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) beschlossen hatte. Dieses gehe allen anderen Verfahren vor und die Post werde es "vollumfänglich unterstützen".

Postchefin Susanne Ruoff erklärte, die Post durchlebe eine Krise. Und in einer Krise brauche es Führung, weshalb sie auf dem Posten bleibe. Sie habe das Vertrauen des Verwaltungsrats.

Rückstellungen belasten Post

AutoFür die unrechtmässigen Bilanztricksereien 2007 bis 2015 muss die Post dem Bund 78,3 Millionen Franken Subventionen zurückzahlen. Zudem nimmt PostAuto für eventuelles Fehlverhalten 2016 und 2017 Rückstellungen von rund 30 Millionen Franken vor. Damit kippt das Betriebsergebnis mit 69 Millionen Franken ins Minus. Der Umsatz sank auf 836 Millionen Franken.

Nicht nur die tricksende Bustochter PostAuto setzte der Post 2017 zu. Bei der Bank PostFinance sank der Ertrag aus dem wichtigsten Standbein Zinsgeschäft um 117 Millionen Franken. Dank des Verkaufs von zwei Aktienportfolios schaute aber ein Gewinn von 549 Millionen Franken heraus, 7 Millionen mehr als 2016. Auch Werterholungen trugen zum besseren Ergebnis bei.

Weniger Briefe aber mehr Pakete

Die Briefpost PostMail stand weiterhin unter Druck durch die digitale Kommunikation. Das Volumen der adressierten Briefe sank um 4,2 Prozent und auch Zeitungen wurden 2,9 Prozent weniger zugestellt. Dennoch konnte PostMail mit Dienstleistungen auf der letzten Meile den Gewinn auf 370 Millionen Franken steigern nach 317 Millionen im Vorjahr.

Im Paketgeschäft Post

Logistics liess der Onlinehandel die Paketflut anschwellen. PostLogistics stelle 130 Millionen Pakete zu, 6,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Gewinn wuchs um 2 Millionen auf 119 Millionen Franken. Das Marktumfeld dabei war herausfordernd, neue Mitbewerber drängten auf den Markt. PostLogistics baut bis 2020 drei neue regionale Paketzentren.

Im Postnetz resultierte weiterhin ein Verlust. Immerhin verminderte er sich um 34 Millionen Franken auf 159 Millionen. Der Umsatz nahm ab, weil 7 Prozent weniger Briefe und 6,5 Prozent weniger Zahlungen am Schalter abgewickelt wurden. Der Umbau der Poststellen geht weiter. 2017 gab es aber 3870 und damit mehr Zugangspunkte zur Grundversorgung durch die Post.

Gemäss Postchefin Ruoff wird das Netz weiterhin sorgfältig überholt, wozu das Unternehmen 2017 über 500 Gespräche mit Gemeinden führte, 130 Informationsanlässe durchführte und 52 Mal die Kantone besuchte.

Swiss Post Solutions, die digitale Abteilung für Geschäftskunden, baute das Geschäft wie schon seit fünf Jahren aus. Mit dem Dokumentenmanagement erwirtschaftete die Posteinen Gewinn von 25 Millionen Franken.

Im Gesamtkonzern sank der Umsatz 2017 von 8,18 Milliarden auf 7,99 Milliarden Franken. Von ihrem Gewinn führt die Post 200 Millionen Franken an den Besitzer, den Bund ab. (sda)

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