Wegelin

Wegelin verkauft alles ausser US-Geschäft an Raiffeisen

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart

Die Privatbank Wegelin & Co. zerfällt unter dem Druck der US-Steuerbehörden. Sie hat den Grossteil ihres Geschäfts an die Raiffeisengruppe verkauft. Die Teilhaber der ältesten Schweizer Privatbank reagieren mit diesem Schritt auf eine drohende Klage aus den USA.

Die Ära der 1741 gegründeten St. Galler Privatbank Wegelin ist vorbei. Mit Ausnahme der US-Kunden werden sämtliche Geschäfte in die neu gegründete Notenstein Privatbank übertragen, wie die Wegelin Bank am Freitag mitteilte. Besitzerin des neuen Unternehmens ist die Raiffeisengruppe. Über den Verkaufspreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Die Vermögenswerte der bisherigen Wegelin-Kunden in der Höhe von 21 Milliarden Franken werden vollumfänglich in die Notenstein Privatbank integriert. Auch die 700 Wegelin-Mitarbeitenden wechseln unter das Dach des neuen Finanzinstituts.

Ruder herumreissen

Mit der Zerschlagung der Traditionsbank versuchen die acht Teilhaber der Wegelin Bank, im Steuerstreit mit den US-Behörden das Ruder noch herumzureisen. Die Bank war im Sog der Steueraffäre rund um die UBS auf den Radar der US-Steuerbehörden gekommen. Im Oktober 2010 wurde ein ehemaliger Direktor des Instituts wegen versuchter Geldwäscherei vom Geheimdienst FBI verhaftet.

Anfang Januar wurden dann drei Wegelin-Mitarbeiter in den USA wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagt. In der Anklageschrift gegen die drei erwähnen die Behörden auch einen Wegelin-Teilhaber und bezeichnen diesen als "Mitverschwörer" - allerdings ohne Namen. Am vergangenen Montag beurlaubte Wegelin den Teilhaber Christian Hafner.

Lebenswerk aufgegeben

Wenige Tage später sah sich die Traditionsbank zum radikalen Schnitt gezwungen. "Gewiss kann man sich vorstellen, wie schwer uns dieser Schritt fällt, geben wir doch unser Lebenswerk auf", schreibt der geschäftsführende Teilhaber Konrad Hummler in einer Mitteilung. Doch die Auseinandersetzung mit den US-Behörden hätten die Bank in eine "ungeheuer schwierige und existenzbedrohende Lage" gebracht.

Die neu gegründete Notenstein Bank soll unter dem Dach der Raiffeisengruppe vor einer Anklage geschützt sein. "Wir kamen zum Schluss, es ist zu verantworten", sagte Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz vor den Medien in Zürich. Die Übernahme der Privatbank sei auch für Raiffeisen "eine gute Lösung".

Die genossenschaftlich organisierte Raiffeisengruppe hat bereits seit Längerem mit der Übernahme einer Schweizer Privatbank geliebäugelt. Raiffeisen bleibe aber eine Gruppe von 330 selbständigen Banken, die auch in Zukunft schwergewichtig im Retailbanking aktiv seien, versicherte Vincenz.

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