Sven Zaugg

Die Negativ-Schlagzeilen über die Billigairline Easy Jet reissen nicht ab. Letzten Samstag zwang eine beschädigte Windschutzscheibe eine A319 in Zürich zu einer ausserplanmässig Landung. In Paris durfte eine querschnittsgelähmte Frau nicht an Bord, weil sie ohne Begleitung eines Nichtbehinderten reisen wollte. Doch was die Schweizer Passagiere zurzeit noch mehr verärgert, sind die zahlreichen Flugausfälle und Verspätungen des Billigfliegers in Basel und Genf.

Easy Jet räumte gegenüber verschiedenen Medien die Verspätungen und Annullierungen ein. Nach dem harten Winter und dem Vulkanausbruch in Island im Frühling habe der Fluglotsenstreik vergangenen Mai und Juli in Frankreich, Spanien und Griechenland für Probleme gesorgt, lässt Easy Jet verlauten.

Auch beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) ist Easy Jet ein Thema, wie Daniel Göring, Informationsbeauftragter, gegenüber «a-z.ch» bestätigt. Man stehe mit der Airline bereits seit einigen Wochen in Kontakt. «Easy Jet hat uns versichert, Massnahmen einzuleiten, um Verspätungen und Annullierungen zu vermeiden.»

Easy Jet steht unter Beobachtung

Airline-Chef Thomas Haagensen skizzierte kürzlich im «Blick», wie diese Massnahmen aussehen sollen: «Wir haben vier zusätzliche Flugzeuge inklusive Besatzung geleast, um Engpässe zu vermeiden.» Zusätzlich würden Puffer eingebaut, damit Verspätungen besser ausgeglichen werden könnten. Beim Bazl will man die Entwicklung bei der Billigairline ganz genau beobachten. Weitere Befugnisse, in das Geschäftsgebaren einzugreifen, steht dem Bundesamt für Zivilluftfahrt jedoch nicht zu.

Der Bund kontrolliert in erster Linie, ob die Airlines den erforderlichen Sicherheitsstandards genügen. Und diese werden laut Göring eingehalten. «Das Fluggeschäft ist liberalisiert, dadurch haben sich verschiedene Geschäftsmodelle etabliert. Easy Jet beispielsweise kann nur rentabel sein, wenn ihre Flugzeuge so viel wie möglich in der Luft sind.» Deshalb können Passagiere auch von solch billigen Tarifen profitieren.

Dabei liegt es auf der Hand, dass ein enger Flugplan einige Gefahren birgt und die Marge für Ausfälle vernichtend klein ist. Und: Es gibt laut Göring keine rechtlich verbindlichen Standards, wie viel Bodenpersonal von den Airlines eingesetzt werden muss.

Die Rechte der Passagiere

Um den Passagieren einen minimalen Handlungsspielraum zu gewährleisten, wurde am 1. Dezember 2006 die EU-Verordnung (EG 261/2004) in der Schweiz eingeführt, welche die Ansprüche der Passagiere bei Nichtbeförderung, Annullierung oder grosser Verspätung eines Fluges regeln.

Nichtbeförderung: Wenn Fluggesellschaften überbucht haben und einzelne Passagiere abgewiesen werden, haben diese Anspruch auf Entschädigung.

Annullierung: Liegt der Anlass der Annullierung eines Fluges im Verantwortungsbereich der Fluggesellschaft, haben Fluggäste Anspruch auf Entschädigung in gleicher Höhe wie bei Nichtbeförderung.

Verspätung: Ist ein Flug je nach Entfernung um 2, 3 oder 4 Stunden verspätet, muss die Fluggesellschaft für Mahlzeiten und Getränke sorgen und Unterkunft bereitstellen, falls eine Übernachtung erforderlich wird. Beträgt die Verspätung fünf Stunden oder mehr, haben Fluggäste auch Anspruch auf Rückerstattung des Ticketpreises.

Bisher hat das Bazl noch keine Airline büssen müssen, weil die Passagierrechte nicht eingehalten wurden. Etliche Passagiere der Billigairline sind sich jedoch sicher: die Kommunikation und der Kundendienst von Easy Jet sind verbesserungswürdig.