Wirtschaft

«Was in Brasilien passiert, ist matchentscheidend»: Was Kaffeeröster in der Coronakrise beschäftigt

Ein Kaffeebaum in Brasilien..

Ein Kaffeebaum in Brasilien..

Der Kaffee-Nachschub aus Ländern wie Brasilien und Indien könnte im Verlauf des Jahres ins Stocken geraten. Warum trotzdem nicht mit Preissteigerungen zu rechnen ist.

In tropisch-äquatorialen Ländern gedeiht Kaffee wegen der dort vorherrschenden klimatischen Bedingungen am besten. Diesen Streifen rund um den Äquator nennt man auch den Kaffeegürtel. Hier wird der weltweit konsumierte Kaffee angebaut. Für hiesige Kaffeeproduzenten ist darum die politisch-gesellschaftliche sowie wirtschaftliche Lage in den Produktionsländern essenziell.

Die Coronakrise könnte nun dazu führen, dass der Kaffee-Nachschub aus gewissen Ländern ins Stocken gerät. So ist etwa Brasilien das weltweit grösste Anbauland für Kaffee, und hier wird der Höhepunkt der Coronavirus-Ausbreitung erst im Sommer erwartet – ausgerechnet im Sommer läuft auch die Ernte auf Hochtouren. Wenn Erntehelfer ausfallen, könnte dies Auswirkungen auf die Lieferkette haben.

«Was in Brasilien passiert, ist matchentscheidend», sagt Beatrice Rast. Sie leitet mit ihrer Schwester Evelyne und ihrem Mann Adrian Gisler das Traditionsunternehmen Rast Kaffee in Ebikon. Es sei möglich, dass in einigen Monaten nicht mehr alle Sorten verfügbar seien, sagt sie. So spürt der Ebikoner Kaffeeproduzent schon jetzt eine gewisse Verzögerung aus Honduras.

Ungewiss ist die Situation auch in Indien, wo die Verschiffung Probleme macht. Hintergrund ist hier, dass sich die Verschiffungen wegen einer langen Regenperiode zeitlich verzögert haben. Und nun, da der Kaffee verschifft werden könnte, schliesst Indien wegen der Coronakrise die Häfen vorerst bis Mitte April. «Diese Massnahme könnte negative Auswirkungen auf die Menge aus Indien haben», bestätigt Kevin Heer, Leiter Betrieb bei der Kaffeerösterei Hochstrasser in Luzern.

Welche Auswirkungen die Situationen in den Anbauländern auf die hiesigen Röster haben werden, bleibt vorerst aber ungewiss. Die angefragten Unternehmen wagen keine Prognosen. «Momentan haben wir zum Glück noch keine Verzögerungen bei Lieferungen. Erst diese Woche haben wir noch eine Lieferung Rohkaffee erhalten», teilt etwa die Kaffeerösterei 13/15 aus Sarnen mit. Wie es weitergehe, sei aber natürlich schwer vorauszusagen.

In Anbetracht der Pandemie seien die Herausforderungen in der Lieferkette natürlich keine wirklichen Probleme, betont Beatrice Rast: «Wichtig ist, dass westliche Unternehmen ihre Bezugsländer grundsätzlich nicht hängen lassen und auch in diesen schwierigen Zeiten zu ihnen halten und Nachhaltigkeit in der Produktion honorieren.»

Kaum Auswirkungen auf den Preis

Verknappt sich das Angebot, drohen in der Regel Preissteigerungen. Sollten die schlimmsten Szenarien etwa in Brasilien wahr werden, könnte die Bohnen-Knappheit zu einer Preissteigerung an der Börse führen, glaubt Beatrice Rast. Doch Börse und Endkundenpreis sind nicht dasselbe. Auswirkungen auf den Kaffeepreis für die Konsumenten sind kaum zu erwarten. Das hat damit zu tun, dass der Kaffeehandel nur einen niedrigen Einfluss auf den Preis des gebrühten Kaffees hat. Andere Faktoren in der Wertschöpfungskette spielen eine grössere Rolle.

Und: Die Kaffeeröster kaufen meistens so grosse Mengen ein, dass sie kurzfristige Schwankungen ausgleichen können. Das bestätigen mehrere Kaffeeröster auf Anfrage. Langfristig gesehen befindet sich der Kaffeepreis derzeit nach wie vor auf einem tiefen Niveau.

Bei Rast Kaffee rechnet man jedenfalls nicht damit, die Preise erhöhen zu müssen. Das 102 Jahre alte Unternehmen bezieht frische Bohnen aus der ganzen Welt direkt bei den Produzenten und ist damit breit diversifiziert. «Das macht uns weniger anfällig in Bezug auf Preisschwankungen», sagt Beatrice Rast.

In der aktuellen Krise sei es ohnehin kaum durchsetzbar, die Preise zu erhöhen, sagt Corinne Giopp, Geschäftsführerin von Giopp Caffè in Luzern. Mit der Schliessung der Restaurants ist den Kaffee-Anbietern das Gastro-Geschäft weggebrochen. Wer einen Online-Shop hat, kann zumindest noch etwas Umsatz erwirtschaften, aber damit lassen sich die entgangenen Einnahmen nicht kompensieren. «Wir sitzen alle im gleichen Boot», sagt Giopp.

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