Mit den 19 Milliarden Dollar, die Facebook für den Kauf von Whatsapp aufwirft, hätte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg auch eine komfortable Zwei-Drittel-Mehrheit an Swisscom kaufen können.

Allerdings macht Swisscom mit 20 100 Angestellten einen Umsatz von 11,4 Milliarden Franken. Und Whatsapp hat lediglich 55 Angestellte, darunter 32 Softwareentwickler.

Alleine um diese Schlüsselleute bei der Stange zu halten, wirft Facebook 3 Milliarden an Rückhalteprämien auf.

Zusätzlich zahlt Facebook 12 Milliarden mit eigenen, überteuerten Aktien. Was wirklich eine Rolle spielt, sind die 4 Milliarden, die das grösste soziale Netzwerk in bar auf den Tisch legt.

«Den Übernahmepreis für Whatsapp empfinde ich als wahnsinnig», sagt der Schweizer Internet-Start-up Finanzierer Roland Zeller.

«Wenn man das aber über sechs bis sieben Jahre abschreibt, und in dieser Zeit weitere Einkommensströme erschliesst, sieht das sicher anders aus.»

«Ob es ein Erfolg oder Misserfolg wird, kann man erst in fünf Jahren beurteilen», sagt auch Vontobel-Analyst Panagiotis Spiliopulos, der während der Technologieblase vor 14 Jahren auch viele Internet-Werte abgedeckt hatte. «Normale Bewertungskriterien taugen bei solchen Aktien nicht.»

Und angesichts des hohen User-Wachstums von einer Million neuer Kunden pro Tag sprechen die Analysten von JP Morgan von einem langfristig «extrem attraktiven Wert».

Es komme lediglich darauf an, ob es Facebook gelinge, durch geschickte Abo-Gebühren Kapital aus der Akquisition zu schlagen.

Zum Kaufzeitpunkt immer teuer

Viele Übernahmen sahen zum Kaufzeitpunkt völlig überteuert aus, so Spiliopulos. «Google hatte Youtube im Oktober 2006 für 1,5 Milliarden Dollar gekauft, was absurd teuer aussah – und heute macht Youtube mindestens so viel Umsatz wie Google selber.»

Es gab in der Branche allerdings auch Fälle wie Paypal (durch Ebay), Skype (durch Microsoft) oder MySpace (durch die News Corp.), die sich später als Fehlschläge erwiesen.

Facebook macht die meisten Whatsapp-Angestellten zu mehrfachen Millionären – pro Dollar, die sie in die eigene Firma gesteckt hatten, erhalten sie mehr als 2000 Dollar.

Auch deshalb wandten sich Investoren gestern den nächsten möglichen Zielen zu wie Snapchat, WeChat, Kakao Talk, Pinterest, Tencent oder Naver zu. Denn Google, Microsoft-Nokia und Amazon könnten solche Dienste ebenfalls gut gebrauchen.