Die Armee will ihre Soldaten künftig weitgehend mit Schweizer Produkten verpflegen. Diese Regel setzt Armeechef André Blattmann auf Anfang 2015 in Kraft. Brot, Eier, Käse und Milchprodukte müssen demnach zwingend von einheimischen Bauern stammen, beim Fleisch wird «Suisse Garantie»-Qualität verlangt. Da dies teurer ist als der Kauf von importierten Esswaren, erhöht die Armee ihr Verpflegungsbudget um 1,5 Millionen Franken, wie «NZZ am Sonntag» und «SonntagsZeitung» berichten.

Nicht nur die Schweizer Armee ist bereit, für Produkte von Schweizer Bauernhöfen mehr zu bezahlen: Die grossen Detailhändler haben seit Jahren das Problem, dass bei gewissen Esswaren wie etwa Geflügelfleisch oder Eiern die Nachfrage nach einheimischen Produkten nicht gedeckt werden kann. Die Schweizer Produzenten kommen dem Boom nicht hinterher.

Trotz der Treue der einheimischen Konsumenten wehren sich die Schweizer Bauern seit Jahren gegen jegliche Marktöffnung. Die Angst, dass die Schweizer den Billigangeboten aus dem Ausland am Ende doch noch erliegen könnten, ist zu gross. Exportchancen, die sich durch neue Märkte ergeben könnten, sehen viele Bauern nicht.

Reflexartige Abwehrhaltung

Die EU und die USA wollen bis Ende 2015 die grösste Freihandelszone der Welt schaffen. Dabei zeigen sich die beiden Weltmächte offen, dass weitere Länder das Abkommen übernehmen können. Auch der Europäischen Freihandelsassoziation (Efta) wurde signalisiert, dass ihre vier Mitgliedsländer Schweiz, Liechtenstein, Norwegen und Island als Unterzeichner willkommen seien. «Es gibt keine offizielle Zusage, aber informelle Signale, dass wir dabei sein könnten», sagt der Schweizer Chefunterhändler Didier Chambovey der «Schweiz am Sonntag».

Diese Nachricht sorgt bei den wichtigen Schweizer Exportbranchen für Hoffnung. Ob Pharma- oder Maschinenindustrie – alle befürchten schwerwiegende Nachteile, sollte die Schweiz beim transatlantischen Freihandelsabkommen aussen vor bleiben.

Der Schweizerische Bauernverband (SBV) droht trotzdem mit Widerstand. Er hat dem Bundesrat im Oktober schriftlich mitgeteilt, unter welchen Bedingungen er einem Freihandelsabkommen mit den USA zustimmen würde: Er will an geschützten Ursprungsbezeichnungen festhalten. Den Zollabbau sieht er als Hürde. Und Gentech-Food, Hormonfleisch, Antibiotikarückstände in Lebensmitteln sowie Produkte aus Massentierhaltung lehnt der SBV ab.

Diese Forderungen dürften kaum zu erfüllen sein. Denn es deutet vieles darauf hin, dass die Schweiz das EU-USA-Abkommen nur integral übernehmen könnte. Nach dem Motto: «Take it or leave it».

Die Interessengemeinschaft Agrarstandort Schweiz (Igas) – mit einflussreichen Mitgliedern wie Migros, Coop, Nestlé und Emmi – hat deshalb wenig Verständnis für die reflexartige Abwehrhaltung des SBV. «Die Öffnung der Märkte wird eines Tages Realität sein», sagt Igas-Geschäftsführer Jürg Niklaus der «Nordwestschweiz».

Er fordert deshalb, dass sich die schweizerische Agrar- und Ernährungswirtschaft auf das veränderte Umfeld vorbereitet: «Wir müssen Produkte entwickeln, mit denen wir uns gegenüber der ausländischen Konkurrenz wirksam abheben können. Beim Käse und der Schokolade gelingt uns das – warum sollte das in anderen Bereichen nicht auch möglich sein?» Niklaus kennt Beispiele von kleinen Lebensmittelproduzenten, die es mit ihren Spezialitätenprodukten erfolgreich in ausländische Regale geschafft haben. «Es kommt nicht auf die Grösse an, sondern auf die richtige Positionierung.»

Die grösste Sorge von Niklaus ist, dass es eines Tages zu einem Showdown zwischen der Exportwirtschaft und der Landwirtschaft kommt. Die Bauern wären vermutlich die Verlierer einer solchen Auseinandersetzung. «Dieses Szenario können wir nur verhindern, wenn wir rechtzeitig geeignete Rahmenbedingungen vorbereiten. Es braucht jetzt einen breiten Diskurs. Die schweizerische Landwirtschaft hat ein grosses Potenzial, wenn sie sich rechtzeitig auf den Weg macht.»