Die Hoffnungen waren gross, als der französische Unternehmer Xavier Niel den drittgrössten Schweizer Telekomanbieter Orange kaufte. Endlich bekommt die Swisscom Druck und muss sich für ihre hohen Preise verantworten, war die Hoffnung von Konsumentenschützern. Schliesslich hat Niel den französischen Telekom-Markt mit seiner Billigmarke «Free» derart aufgewirbelt, dass alle anderen auf sein Angebot reagieren mussten und die Preise deutlich senkten.

Nicht so in der Schweiz. Die neuen Angebote von Salt bewegen sich im gleichen Segment wie die alten Orange-Offerten. «Alter Wein in neuen Schläuchen», nannte die Stiftung Konsumentenschutz (SKS) die neuen Angebote bereits kurz, nachdem sie lanciert waren.

Markt ist klein, Kunden träge

Dabei wäre Niel und seinem neuen Unternehmen die Aufmerksamkeit sicher gewesen, hätte er eine neue Tiefpreis-Zeit in der Schweiz ankündigen wollen. Denn nach der opulenten Werbung für die Umstellung und der grossen Inszenierung am Tag der Bekanntgabe richteten sich alle Blicke auf die neuen Abos. Salt hätte auf das günstigere Pferd setzen können, hat aber darauf verzichtet. Eine Tiefpreisstrategie à la Frankreich scheint sich hier nicht zu lohnen.

Warum das so ist, hat auch mit der Grösse des Marktes zu tun: «Der Umsatz ist grösser, wenn ich einer Million Kunden ein Abo für 100 Franken im Monat verkaufe, als zwei bis drei Millionen Kunden ein Abo für 30 Franken», sagt Oliver Zadori vom Online-Vergleichsdienst dschungelkompass.ch. Der Markt in der Schweiz sei so klein, dass sich aus unternehmerischer Sicht das mittlere und das hohe Preissegment vermutlich besser rentieren.

Für Sara Stalder, Geschäftsleiterin der SKS, ist ein anderer Grund noch wichtiger: «Entscheidender als die Grösse des Marktes ist die Kaufkraft der Kunden.» Sie erlaube es den drei grossen Anbietern, hohe Preise zu setzen und so hohe Gewinne abzuschöpfen. Zwar habe Salt mit dem sechswöchigen Rückgaberecht der Verträge etwas Neues geschaffen. Ein Angriff auf den Preis habe das Unternehmen jedoch nicht gestartet.

Genauso wenig wie beim Preis ist offenbar beim Service geschehen. Beim Kundendienst gibt es laut Stalder nach wie vor erhebliche Defizite. «Hier warten wir sehnlichst auf Verbesserungen», so die SKS-Leiterin. Seit dem Namenswechsel sei hier nichts geschehen. Laut Salt bestehe derzeit jedoch kein Anlass für umfassende Eingriffe beim Service: «Die notwendigen Massnahmen zur Verbesserung des Kundenservices wurden umgesetzt und wir haben die Kundendienst-Probleme lange vor dem Markenwechsel gelöst», schreibt Salt auf Anfrage.

Nach dem Vorbild der EU

Einen Grund für Salt, um an der Preisschraube zu drehen, sieht Stalder derzeit auch nicht. «Solange die Regulierung so bleibt, wie sie ist, streichen die Firmen hohe Gewinne ein», sagt sie. Von sich aus würden sie daran auch nichts ändern. Stalders Forderung ist daher klar: «Die Behörden müssen stärker durchgreifen.» Die Europäische Union mit ihren nach oben gedeckelten Abo-Preisen könne dabei als Vorbild dienen.

Die Konsumenten von den bequemen und full-service-umsorgten Swisscom-Abos loszueisen, scheint also ein recht aufwendiges Unterfangen zu sein. Die Schweizerinnen und Schweizer seien zu sehr «Nestlebauer», sagt Zadori vom Onlineportal dschungelkompass.ch. Die Hoffnung aufgeben will er allerdings noch nicht: «Die Umstellung vor gut zwei Wochen betraf ja vorwiegend den Namen», sagt er. Neue, günstigere Tarife könnten in jedem Fall noch kommen – was für die Kunden sicher keine schlechte Nachricht wäre.