Trusts

Warum Reiche Stiftungen und Firmen in Steuerparadiesen gründen

Als Begünstigte gelten oft Briefkastenfirmen (Symbolbild)

Als Begünstigte gelten oft Briefkastenfirmen (Symbolbild)

Zahlreich sind die Legenden über den englischen König und Kreuzritter Richard Löwenherz. Keine Legende ist: Schon seine adligen Begleiter suchten sich einen Vertrauten, einen «Trustee». Er verwaltete ihr Eigentum während ihrer Abwesenheit.

Noch heute sind Trusts im englischsprachigen Raum gang und gäbe – juristisch raffinierter selbstverständlich. In diesen Ländern dürften «Vermögen im dreistelligen Milliardenbereich» in Trusts eingebracht sein, sagt Marcel Widrig, Leiter Private Clients Schweiz beim Beratungsunternehmen PwC. Auf dem europäischen Festland dominieren Stiftungen. «Wer Vermögenswerte in eine Stiftung einbringt», sagt Widrig, «gibt diese vollständig ab und realisiert so eine Schenkung.» Eigentümerin ist danach die Stiftung.

Wer hingegen einen Trust gründe, gebe ebenfalls seine Vermögenswerte ab, so Widrig: «Sie gehören dem Trustee jedoch nur bedingt. Er hat diese Aktiven im Interesse der begünstigten ‹Beneficiaries› zu verwalten.» In Grossbritannien und in den USA sind Trusts steuerlich klar geregelt, so Widrig: «In der Regel beinhalten sie gewisse Steuervorteile.» Eine volle Steuerbefreiung ist nicht vorgesehen. «Werden Trusts für Kontinentaleuropäer eingerichtet», sagt Widrig, «so bedarf es sicher einer genauen Prüfung der Ziele und der Steuerkonformität.»

Weil Banken in der Regel einen Trustee nicht als Depothalter akzeptieren, werden Wertschriften oft in eine Offshore-Aktiengesellschaft eingebracht. Diese Briefkastenfirma gilt gegenüber der Bank als Begünstigte des Depots. Gesellschaften in Steuerparadiesen in der Karibik oder im Pazifik einzurichten, ist deutlich günstiger als in der Schweiz. In Offshore-Gesellschaften werden oft auch Jachten, Liegenschaften oder Privatjets eingebracht.

Schweiz ein Land für Trustees

Trusts werden gemäss Widrig in erster Linie für die Nachlassplanung eingesetzt. Beispielsweise lässt sich so regeln, dass ein Nachfahre jährlich nur Zugriff auf einen bestimmten Betrag erhält. So kann ein junger Hallodri Millionen nicht im Nu verpulvern. Derartige Regeln lässt unser Erbrecht nicht zu. Auch deswegen sind hier Trusts selten. Aber in der Schweiz sind viele Vermögensverwalter und Treuhänder als Trustees für Ausländer tätig. Bunkerten diese in solchen Vehikeln unversteuerte Aktiven, seien sie in den letzten fünf Jahren zunehmend regularisiert worden, sagt ein Privatbanker. Schwarzgelder sind heute ein Reputationsrisiko. Für Reiche und Banken.

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