Mode

Warum man im Kleidergeschäft von Schild jetzt klicken soll

Das neue Ladenkonzept von Schild verbindet die Online-Welt mit der Modeberatung. Auch der Kunde hat etwas davon.

Bahnhofstrasse Wohlen AG. Eine Migros, eine Post, ein Kiosk, ein Telefonanbieter und eine Modeboutique. Eine typische mittelgrosse Schweizer Stadt. Wie in anderen Städten auch, klagen die Händler in der Innenstadt über sinkende Besucherzahlen. Mit einem neuen Konzept will nun der Modehändler Schild die Käufer wieder in die Läden locken. Die Filiale wurde in den letzten Wochen komplett umgebaut. Das Aneinander-Reihen von Kleider-Stangen soll ein Ende haben. Das Sortiment soll rascher ausgetauscht werden. Draussen verkünden Bildschirme von der neuen Zeit. Drinnen fallen die Tische aus schwerem Holz auf, im Untergeschoss die Espressomaschine und die Lounge.

Vorzeigefiliale in Wohlen

So wie in Wohlen sollen demnächst alle 32 Filialen umgebaut werden, erklärt Reto Braegger, Unternehmensleiter der Modegruppe, die ihren Sitz in Spreitenbach hat, im Gespräch. Schild ist mit einem Umsatz von rund 165 Millionen Franken die Nummer fünf in der Schweiz und gehört seit 2014 zur Globus-Gruppe und damit zur Migros. Nach Jahren der Krise hat das Unternehmen in den letzten Jahren wieder Tritt gefasst. Nun wird in die Filialen investiert. «Wir wollen dafür sorgen, dass diejenigen Kunden, die zu uns nach Wohlen kommen, nicht nur wie bisher das beschränkte Angebot nutzen können. Sondern wir ermöglichen ihnen mit unserem neuen Konzept den Zugang zu unserem Vollsortiment.» Davon sollen auch die Kunden profitieren, die in mittelgrossen Filialen einkaufen.

Der Bildschirm im Laden

Das Ganze möglich macht der neu entwickelte Touch-Screen, ein berührungsempfindlicher Bildschirm also. An diesem Terminal soll der Kunde gemeinsam mit dem Verkäufer den Katalog durchblättern und bestellen. «Ist einmal eine Farbe eines Pullovers nicht im Laden vorhanden, kann sie hier vom Kunden bestellt werden.» Geliefert wird die Ware, je nach Wunsch des Kunden, nach Hause oder in ein Schild-Laden. Der Bildschirm steht im ersten Stock, der Herrenabteilung also. Angedacht ist, dass man sich Massanzüge über diese Plattform machen lässt. Doch dies ist frühestens Ende 2017 der Fall. Die Software für das Terminal, die in der Filiale in Emmen getestet wurde, ist eine Eigenentwicklung. Sie ermöglicht die Verzahnung des Online-Angebots mit dem stationären Handel.

Auf diese Kombination setzte bisher vor allem der Elektro-Fachhandel. Mit der Folge, dass kleinere Ladenflächen wieder attraktiver wurden. Nun ziehen also auch Kleiderhändler wie Schild mit. Das Modehaus ist zwar seit längerem mit einem Online-Shop präsent. Doch die Konkurrenz aus Deutschland, allen voran Zalando, hat den Druck noch einmal erhöht. Das gleiche gilt übrigens auch bei der Frage nach kostenlosen Rücknahmen: Auch hier hat Zalando einen Trend gesetzt, dem nun Schild, mit einem vergleichsweise tiefen Retourenanteil von gegen 40 Prozent, folgen muss.

Tatsächlich leiden praktisch alle Schweizer Kleiderverkäufer unter zwei Phänomenen, die sich überlagern: Einerseits der Trend zum Online-Einkauf, anderseits dem starken Franken, der die Kunden zum Einkauf ennet der Grenze animiert. Laut dem Marktforschungsunternehmen GfK wird der Markt zunehmend von internationalen Marken dominiert, die schnell online und flexibel auf Kundenwünsche reagieren können. Besonders heftig trifft es Charles Vögele, der vergangene Woche einen Reinverlust von 32 Millionen Franken für das erste Halbjahr bekannt gab.

Branche hat Schlagseite

Die Modebranche gehörte mit einem Umsatzrückgang von fast 5 Prozent zu den grossen Verlierern des letzten Jahres. Zahlreiche Modehäuser schreiben rote Zahlen, schlossen im vergangenen Jahr Filialen. Andere, wie Blackout, Switcher oder Companys, mussten ihre Bücher deponieren. Auf diese Entwicklung will man nun bei Schild mit diesem Neukonzept reagieren: «Wir glauben nach wie vor an den stationären Handel. Service, Beratung ist entscheidend in unserem Geschäft, ganz besonders in den mittelgrossen Städten. Hier kennt man sich noch.»

Doch Schild will gleichzeitig auch den Online-Umsatz ankurbeln. Braeggers Ziel ist es, den Anteil von heute 6 auf 10 Prozent zu steigern. Wichtig sei jedoch, dass die Mitarbeiter in den Filialen einen Anreiz hätten, hier mitzumachen: Braeggers Lösung: «Der Umsatz wird der Filiale gutgeschrieben, nicht dem Online-Shop.»

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