Er ist 22 Jahre alt und steht vor der Meisterprüfung als Kaminfeger. Sebastian Jörg aus Hölstein BL ist vom Beruf des Kaminfegers fasziniert, seit er als Teenager im Fernsehen eine Reportage gesehen hatte. Auch heute interessiert ihn das Metier noch wie am ersten Tag. «Mir macht es auch nichts aus, meine Hände dreckig zu machen», sagt Jörg.

Als Fachmann für Heizungsanlagen ist Jörg heute viel unterwegs. Das mache seinen Job so abwechslungsreich. Auch der Kontakt mit den Kunden ist ihm wichtig: «Durchschnittlich besuche ich pro Tag fünf bis sieben verschiedene Haushalte. Dadurch bleibe ich ständig in Bewegung und es kann mir niemals langweilig werden,» sagt er.

Berufsbild im Wandel

Doch das Berufsbild des Kaminfegers befindet sich in einem kompletten Wandel. «Um Brände zu verhindern und ökologisch heizen zu können, benötigen die neuen komplexen Heizungsanlagen eine fachgerechte Wartung. Dadurch wird das Bild des klassischen Kaminfegers mit Rute und Besen vermehrt von technischen Geräten ergänzt.» Auch der Laptop gehöre heute dazu, vor allem wenn es um die Wartung und Einstellung von Heizungsanlagen gehe.

Der Kaminfeger ist heute auch der Spezialist, wenn es um die Frage des CO2-Ausstosses geht: Er muss auch Schadstoff-Emissionen messen können. «Wenn bei Neubauten für CO2-neutrale Brennstoffe, wie Pellets –‐ und Stückholzheizungen eingebaut werden müssen, muss sich auch der Kaminfeger entsprechend auskennen um jederzeit auf dem neusten Stande zu sein», erklärt Jörg.

Das neue Berufsfeld ist das eine, die technische Aufrüstung das andere: «Der Kunde erwartet vom Kaminfeger eine saubere Reinigung, eine reibungslose Wartung und eine Optimierung der Anlage. Er möchte den Kaminfeger als Fachmann für die komplette Heizung sehen. Dadurch wird der Beruf immer komplexer und anspruchsvoller.»

Gefragtes Handwerk

Die schwarzen Männer – und Frauen – gelten in weiten Teilen der Welt als Glücksbringer. Das hängt damit zusammen, dass sie vor Bränden und den Folgen von CO2-Vergiftungen schützten. Heute wird es jedoch immer schwieriger, Schulabgänger für den Beruf zu gewinnen. Die Zukunft des Handwerks ist jedoch gesichert, ist Sebastian Jörg überzeugt. Die Arbeit des Kaminfegers könne niemals von einem Roboter ersetzt werden. «Jede Heizung, jeder Ofen und jeder Kunde haben individuelle Anforderungen und benötigen eine individuell angepasste Vorgehensweise. Es benötigt Menschenverstand um diese komplexen Aufgaben einordnen und lösen zu können.»