Die gemeinnützige Internet-Stiftung Switch war bisher ein weltweit nahezu einzigartiges Konstrukt. Sie vereinte zwei Kompetenzen, die ausserhalb der Schweiz fast überall strikt getrennt sind. Letztes Jahr hat der Bundesrat diese Verflechtung zerschlagen. Davon betroffen sind 450'000 Kunden, die sich jetzt einen neuen Verwalter für ihre insgesamt 1,2 Millionen Web-Adressen suchen müssen.

Switch ist so etwas wie ein Grosshändler im Internet. Die Stiftung betreut im Auftrag des Bundes die Datenbanken aller Internetadressen, die auf «.ch» enden. Sie sorgt zum Beispiel dafür, dass die Adressen stets erreichbar sind. Eine technische Aufgabe, die im Hintergrund geschieht.

Jedes Land hat einen solchen Grosshändler – im Normalfall einen einzigen, nicht mehr. Im Fachjargon heisst dieser Grosshändler «registry». Seine Dienstleistungen verkauft er an sogenannte «Registrare». In der Schweiz sind das 70 Unternehmen, unter ihnen die Swisscom oder auch green.ch. Bei ihnen kaufen die Endkunden – vom Grosskonzern über den Handwerksbetrieb bis hin zum Privatkunden – Dienstleistungen ein.

So weit, so problemlos. Doch anders als fast alle anderen Grosshändler auf der Welt, hat sich Switch eben nicht auf das Geschäft mit den Registraren beschränkt. Stattdessen eröffnete sie eine Art Direktverkauf und buhlte direkt um Endkunden. Mit ihrer Tochterfirma Switchplus eröffnete die privatrechtliche Stiftung darüber hinaus eine vollausgestattete Zweigstelle, die als Webhoster auftritt und Speicherplatz im Internet verkauft.

Die anderen Speicherplatz-Anbieter sahen darin einen klaren Wettbewerbsnachteil und protestierten. Das Ganze mündete in einen jahrelangen Rechtsstreit, aus dem Switch jedoch als Sieger hervorging.

Ende des Endkundengeschäfts

Am 5. November 2014 hat der Bundesrat einen Schlussstrich unter die Angelegenheit gezogen. Er stimmte einem Vorschlag des Bundesamtes für Kommunikation zu, der der Stiftung das Endkundengeschäft untersagt. Seit Anfang 2015 verkauft Switch keine Internetadressen (Domains) mehr. Für Switchplus gilt das indes nicht – die Switch-Tochter wird auch weiterhin Adressen registrieren und Dienstleistungen wie Hosting und E-Mail anbieten.

Eine Domain mietet man normalerweise für ein Jahr. Wenn der Vertrag nicht verlängert wird, ist die Domain weg. Sie geht wieder in den freien Verkauf. Da die Verträge mit Switch nun nicht mehr verlängert werden können, herrscht im Internet derzeit das grosse Zügeln.

«Betroffen ist jeder, der eine oder mehrere .ch-Domains über Switch registriert hat», sagt green.ch-Sprecherin Susanne Felice-Tanner. Das waren im letzten Jahr noch 450'000 Kunden mit 1,2 Millionen Domains. «Heute betreuen wir noch 619'000 Domains und 302'000 Kunden», sagt Switch-Sprecher Marco D’Alessandro der «Nordwestschweiz». Rund ein Drittel der Kunden und die Hälfte der Adressen sind demnach bereits gezügelt. Und der Strom reisst nicht ab: «Pro Tag registrieren wir 5000 bis 7000 Transfers», so D’Alessandro.

Die privaten Hoster freuen sich derweil über Neuzugänge en masse. «Bei green.ch werden wir bald den 50'000. Domaintransfer abwickeln», sagt Sprecherin Felice-Tanner. Verschiedene private Webhoster bieten einen kostenlosen Wechsel an, bei vielen können die noch ausstehenden Laufzeiten der Switch-Verträge angerechnet werden.

Ralf Beyeler, Telekom-Experte von Comparis, sieht im Anbieterwechsel keine Probleme. «Für die Kunden wird es tendenziell sogar günstiger. Die Provider haben weniger Verwaltungsaufwand und aufgrund des starken Wettbewerbs geben sie diesen Vorteil an die Kunden weiter», sagt er.