Apple TV+

Warum der iPhone-Hersteller nun auch Filme dreht – Antworten auf die wichtigsten Fragen

3 Milliarden lässt sich Apple den neuen Dienst kosten - jährlich.

3 Milliarden lässt sich Apple den neuen Dienst kosten - jährlich.

Apple startet im November mit seinem Film-Streaming-Dienst auch in der Schweiz. Was gibt es da zu sehen? Und: Wird Apple zum Netflix-Killer?  Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

1. Was ist Apple TV+?

Der iPhone-Hersteller will Netflix konkurrenzieren und bietet auf seinem neuen Streaming-Portal Apple TV+ eigene Serien und Filme an. Ab November kann der Nutzer gegen eine Gebühr von 6 Franken pro Monat so viele Inhalte anschauen, wie er möchte.

2. Was gibt es da zu sehen?

Zu Beginn wird das Angebot noch recht bescheiden sein. Gerade einmal 14 Serien oder Filme werden zum Start zur Verfügung stehen. Darunter etwa die Science-Fiction-Serie «See» mit Jason Momoa und Alfre Woodard oder «The Morning Show», eine von den Hollywoodschauspielerinnen Reese Witherspoon und Jennifer Aniston produzierte dramatischkomische Journalisten-Serie. Da Apple über den Service bloss eigene Produktionen anbieten will, wird es einige Zeit dauern, bis sich das Portal füllt. Andere Filme werden weiterhin zum Kauf oder zur Online-Leihe auf Apple TV zur Verfügung stehen, ohne dass sie aber ins Streaming-Angebot integriert würden.

3. Ist Apple TV+ ein Netflix-Killer?

Nachdem der Start des Portals bekannt wurde, sank die Netflix-Aktie um 2 Prozent. Dramatisch ist das nicht, zeigt aber, dass sich ein neuer Konkurrenzkampf anbahnt. Vorerst ist klar, dass Netflix der Primus bleiben wird. Dafür spricht das viel umfassendere Angebot an Eigenproduktionen und lizenzierten Inhalten. Über 700 Titel umfasst die Datenbank. Ganz anders als im Smartphone-Markt versucht Apple deshalb, über tiefe Preise Kunden anzulocken. So kostete ein Apple TV+-Abo fast dreimal weniger als das billigste Netflix-Angebot, für das 15.90 Franken bezahlt werden müssen.

4. Kann Apple mit dieser Strategie Erfolg haben?

Es ist anzunehmen, dass die Nutzerbasis schnell wachsen wird. Denn wer sich ein neues iPhone oder andere Apple-Hardware kauft, kann den Dienst ein Jahr lang gratis nutzen. Alleine über 200 Millionen iPhones setzte Apple letztes Jahr ab. Das verspricht einiges. Die Frage ist allerdings, ob die Kunden das Angebot verlängern werden. Entscheidend ist dafür die Qualität der Inhalte. Dafür sind mitunter die finanziellen Mittel zentral: Anfänglich wollte Apple eine Milliarde Dollar pro Jahr für die Produktion von eigenen Serien und Filmen investieren. Gemäss Nachrichtenagentur Bloomberg wurde diese Summe nun aber auf 3 Milliarden Dollar hochgesetzt. Im Vergleich zu Netflix ist das noch immer wenig. Der Streaming-Riese will dieses Jahr 15 Milliarden für neue Produktionen aufwenden.

5. Gibt es noch weitere Konkurrenten?

Ja. Mit Prime Video bietet auch Amazon einen Streaming-Dienst an. Ausserdem startet noch dieses Jahr Disney+. Auf dem Portal sollen das gesamte Portfolio des Filmunternehmens sowie neue Produktionen bereitstehen.

6. Profitiert der Kunde von der neuen Konkurrenzsituation?

Für gewöhnlich ist Konkurrenz positiv: Die Firmen fordern sich gegenseitig durch Innovation heraus und sind gewillt, ihre Produkte günstig anzubieten. Bei den Streaming-Anbietern führt die Konkurrenzsituation und die Fokussierung auf eigene Inhalte aber auch zu einer Fragmentierung des Marktes, die nicht im Sinne des Kunden sein kann. Wer die neue «Star Wars»-Serie sehen will, muss den Dienst von Disney abonnieren, die Kultserien «Narcos» oder «Black is the New Orange» gibt es nur auf Netflix, Amazon Prime hat seine eigenen Inhalte und Apple wieder andere.

Die viel versprechende Idee von Netflix war ja gerade, einen Ort zu schaffen, an dem man für eine monatliche Gebühr möglichst alles sehen kann, was einen anspricht. Nun braucht man dazu bald drei oder gar vier Abonnemente. Wer will sich das noch leisten?

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