Jens Alder

Warum der frühere Swisscom-CEO die richtige Wahl für Alpiq ist

Jens Alder soll neuer Alpiq-Präsident werden. JENS NORGAARD LARSEN/KEY

Jens Alder soll neuer Alpiq-Präsident werden. JENS NORGAARD LARSEN/KEY

Der ehemalige Swisscom-Chef Jens Alder soll Verwaltungsratspräsident bei Alpiq werden. Das kommt nicht von ungefähr. Telekom und Energie-Branche wachsen immer stärker zusammen. Zudem kennt sich Alder in regulierten Märkten aus.

Jens Alder (57) soll neuer Verwaltungsratspräsident beim Energiekonzern Alpiq werden. So lautet die Empfehlung des Verwaltungsrats an die Generalversammlung am 30. April. Dort wird Alder aller Voraussicht nach zum Nachfolger von Hans Schweickardt (70) gewählt, der aus Altersgründen nicht mehr kandidiert.

Dass der Alpiq-Verwaltungsrat Jens Alder auserkoren hat, den grössten Schweizer Stromkonzern künftig strategisch zu führen, ist kein Zufall. Für den Profi-Verwaltungsrat sprechen vor allem drei Gründe.

Da wäre zunächst einmal der offensichtlichste Grund: Seit 2010 präsidiert Alder den Verwaltungsrat von IWB Industrielle Werke Basel – ein regionaler Energieversorger. Dort hat er den Energiemarkt kennen gelernt und das nötige Branchenwissen aufgebaut. Von den IWB-Verantwortlichen erhält Alder für seine Tätigkeit Bestnoten.

Der zweite Grund ist seine Erfahrung mit staatlich regulierten Märkten. Als IWB-Präsident war Alder massgeblich an der Ausgliederung des Unternehmens aus der Kantonalen Verwaltung beteiligt. Mit regulierten Märkten kennt er sich bestens aus – und das nicht nur im Energiebereich. Neben seinem Mandat bei IWB, welches er wegen seines Engagements bei Alpiq abgeben wird, präsidiert Alder unter anderem den Verwaltungsrat der Krankenversicherung Sanitas. Zuvor machte er als CEO den Telekom-Monopolisten Swisscom in einem bis dahin vollständig regulierten Bereich fit für die Marktöffnung.

Sein Hintergrund in der Telekom-Branche ist zugleich auch der dritte Grund, der für Alder spricht. Von 1999 bis 2006 war er Swisscom-Chef. Zuvor arbeitete der Diplom-Elektroingenieur lange Jahre für Alcatel, unter anderem als Leiter des Telekom-Bereichs in der Schweiz. Er war ferner CEO der dänischen TDC.

Doch warum braucht ein Energiekonzern Telekom-Know-how? Ganz einfach: Die beiden Branchen wachsen immer stärker zusammen. Das Zauberwort heisst «Smart World». In einigen Jahren wird die Energieversorgung wie wir sie kennen überholt sein. Alles wird miteinander vernetzt, Haushaltsgeräte wie Kühlschränke und Waschmaschinen lassen sich bald vom Energiedienstleister direkt ansteuern. Immer mehr fluktuierender Strom aus erneuerbaren Energien wird in die Netze eingespeist und reguliert.

Ein entscheidender Baustein dafür sind intelligente Netze, die sogenannten «Smart Grids». «Die intelligente Verknüpfung zwischen Verbraucher und Stromproduzent können auch die Telekomfirmen anbieten», sagt Jürg Buri, Leiter der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES).

Für die Energiekonzerne bedeutet das zum einen neue Konkurrenz – so sagte Alpiq-CEO Jasmin Staiblin kürzlich auf dem Schweizerischen Stromkongress in Bern: «Die Branchenkollegen sind nicht unsere Konkurrenten der Zukunft, es sind die Googles dieser Welt.» Zum anderen bieten sich den Unternehmen aus der Energie-, wie auch aus der Telekom-Branche aber auch völlig neue Geschäftsmodelle. Die Swisscom hat das längst erkannt und ist vor rund einem Jahr mit ihrem Tochterunternehmen Swisscom Energy Solutions AG in den Strommarkt eingestiegen. Wer beide Branchen kennt, ist klar im Vorteil.

Auf Alder wartet viel Arbeit

Bei Alpiq wird viel Arbeit auf Alder zukommen. Der Konzern steckt mitten im Restrukturierungsprozess, über dessen Umsetzung sich Präsident Schweickardt und CEO Staiblin zuletzt nicht immer einig waren. Unterschiedliche Meinungen gab es zum Beispiel bei der Umsetzung von Wertberichtigungen des Kraftwerksparks sowie bei der Frage nach möglichen Verkäufen von AKW-Beteiligungen.

Schweickardt, ein Verfechter der Atomenergie, habe die von Staiblin angestossenen Restrukturierungsmassnahmen nicht mittragen wollen, heisst es in der Branche. Das könnte jetzt anders werden. Mit Alder könnte bald einer auf dem Präsidenten-Stuhl Platz nehmen, der sich über Jahre und Branchen hinweg den Ruf des Restrukturierers erworben hat – und den, anders als Schweickardt, wenig mit der Atomenergie verbindet.

SES-Leiter Buri bezeichnet die wahrscheinliche Neubesetzung an der Konzernspitze als «Alpiqs zweiten Schritt in Richtung Moderne». Der erste sei die Ernennung von Staiblin zum CEO gewesen, sagte er der «Nordwestschweiz».

Gegenüber der «Schweiz am Sonntag» betonte der designierte Verwaltungsratschef Alder indes, er sei «frei von jeglicher Interessenbindung». Den Wechsel zu Alpiq habe er nicht gesucht, sondern er sei angefragt worden. «Es bestand ganz einfach diese spannende Gelegenheit, zu der ich Ja gesagt habe», sagte er der Zeitung.

Dass ein Telekom-Hintergrund für eine verantwortungsvolle Position in der Energiebranche förderlich sein kann, zeigt derweil auch ein alter Bekannter des künftigen Alpiq-Präsidenten: Alders Nachfolger bei TDC, Henrik Poulsen, ist heute CEO des dänischen Energiekonzerns Dong Energy.

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