Telekom
Warum der «Blaue Riese» schlaue Parkplätze baut

Heute ist der schweizweite Tag der Elektromobilität — und die Swisscom ist mittendrin. Sie hat die Mobilität als künftiges Geschäftsmodell entdeckt und dafür eigens eine Tochterfirma gegründet. Doch was genau findet dort eigentlich statt?

Fabian Hock
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Der weniger bekannte Teil des «Blauen Riesen» bastelt am digitalen Patientendossier (Swisscom Health) und vernetzt Heizungen (Swisscom Energy Solutions).

Der weniger bekannte Teil des «Blauen Riesen» bastelt am digitalen Patientendossier (Swisscom Health) und vernetzt Heizungen (Swisscom Energy Solutions).

Keystone

Der bekannte Teil der Swisscom verkauft Handyverträge, TV-Abos und legt Telefonanschlüsse. Der weniger bekannte Teil des «Blauen Riesen» bastelt am digitalen Patientendossier (Swisscom Health) und vernetzt Heizungen (Swisscom Energy Solutions). Oder er lässt autonome Autos durch die Schweiz fahren, wie die Mobilitäts-Tochter Swisscom Managed Mobility.

Marco Reber, CEO Swisscom Managed Mobility «Wir müssen den Menschen zeigen, was technologisch möglicherweise alles auf uns zukommt und ihnen die Angst vor dieser Entwicklung nehmen.»

Marco Reber, CEO Swisscom Managed Mobility «Wir müssen den Menschen zeigen, was technologisch möglicherweise alles auf uns zukommt und ihnen die Angst vor dieser Entwicklung nehmen.»

Chris Iseli/AZ

Letztere kümmert sich vor allem um drei Bereiche: Um die Elektromobilität, das Carsharing und ums Parkieren – alles Bereiche, in der Informationstechnologie eine immer zentralere Rolle spielt. Und «Bereiche mit einem Bezug zur Sharing Economy», sagt Marco Reber, CEO von Swisscom Managed Mobility.

Hubject-Verträge unterzeichnet

Das jüngste Projekt der Swisscom-Tochter ermöglicht Schweizer Elektroauto-Fahrern und E-Mobilitätsdienstleistern, auch ausserhalb der Schweiz Strom tanken zu können — per «E-Roaming», sozusagen. Das Projekt wird mit dem Partner Hubject umgesetzt. Hubject ist ein Joint Venture, unter anderem mit BMW, Daimler, Bosch und Siemens. Vor knapp einem Jahr hatte Swisscom angekündigt, bei Hubject mitzumachen. «Jetzt haben wir die Verträge unterschrieben», sagt Reber der «Nordwestschweiz». Das Prinzip ähnele dem von Visa oder Maestro – nur eben nicht mit Kreditkarten, sondern mit E-Autos.

Parkieren als Experiment

Mit ihren Tochterfirmen experimentiert die Swisscom intern, um neue Geschäftsmodelle zu finden — und diese letztlich zu Geld zu machen. Bei den Parkplätzen kann der Konzern besonders gut experimentieren, denn: «Bei der Swisscom haben wir rund 10 000 Parkplätze in der gesamten Schweiz», sagt Reber. Diese zu managen sei bisher ein grosser händischer Aufwand gewesen. Reber und sein Team haben eine App entwickelt und so die Swisscom-Parkplätze digitalisiert. Reber erklärt: «So konnte der Arbeitsaufwand gesenkt, dank der Digitalisierung vereinfacht und Kontrollen überflüssig gemacht werden.»

Das intern erprobte Prinzip soll jetzt in unterschiedlichen Versionen an Kunden verkauft werden. Mit einigen grösseren Schweizer Konzernen sei man bereits in Gesprächen, sagt Reber.

Kooperation mit Sixt

In einem Joint Venture mit der Sixt Leasing AG Schweiz bietet die Swisscom ihren Kunden seit kurzem sogar ein komplettes Fuhrparkmanagement an. Auch hier sei man intern mit der 3300 Fahrzeuge starken Swisscom-Flotte sowie den Sixt-Autos gestartet. Aber auch hier wolle man «weiter wachsen», so Reber.

Der Mobility-Bereich ist, genau wie bei den meisten anderen Töchtern der Fall, auf Firmenkunden zugeschnitten. Allerdings, sagt Reber, gebe es durchaus Komponenten, «die sich auch für das Privatkundengeschäft eignen könnten». Konkrete Pläne gebe es allerdings noch nicht. Zunächst wolle man sich auf die Entwicklung von weiteren Produkten für Firmenkunden konzentrieren — auch in Kooperation mit anderen Swisscom-Bereichen. So sei etwa auch das Projekt mit dem selbstfahrenden Auto entstanden.

Aufklärungsarbeit leisten

Warum das zum Auftrag der Swisscom gehört? Reber sieht den Konzern aufgrund seiner exponierten Stellung in der Schweiz in einer gewissen Verantwortung: «Wir müssen Aufklärungsarbeit leisten und den Menschen zeigen, was technologisch möglicherweise alles auf uns zukommt und die Angst vor dieser Entwicklung nehmen – dies ist nur mit dem Kunden gemeinsam möglich.»

Um die dafür nötige Flexibilität zu erhalten, werde Swisscom auch weiterhin kleine Übernahmen tätigen, sagt Konzernchef Urs Schaeppi. Von grösseren Übernahmen innerhalb der Branche geht er derweil nicht aus.

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