Warnschuss aus Peking: UBS-Mitarbeiterin wird an der Ausreise gehindert

Eine Kundenberaterin der UBS durfte nicht aus Peking ausreisen. Die Gründe bleiben nebulös. Insider gehen davon aus, dass die Chinesen damit ein Zeichen setzen wollen gegen den Geldabfluss.

Livio Brandenberg
Merken
Drucken
Teilen
Steht die UBS in China im Visier der Regierung? (Bild: Zhang Peng/Keystone (Peking, 19. Oktober 2018)

Steht die UBS in China im Visier der Regierung? (Bild: Zhang Peng/Keystone (Peking, 19. Oktober 2018)

Man erinnert sich gut: Bis vor einigen Jahren wurden in regelmässigen Abständen Kundenberater von Schweizer Banken in Amerika verhaftet oder vorübergehend festgehalten. Grund dafür war der Steuerstreit zwischen der Schweiz und den USA. Über das Wochenende ist nun ein ähnlicher Fall an die Öffentlichkeit gelangt, der sich jedoch in China zugetragen hat. Wie verschiedene, auch asiatische Medien berichten, wurde in Peking Ende letzter Woche einer UBS-Mitarbeiterin die Ausreise verweigert. Als sie am Flughafen habe einchecken wollen, habe sie anstatt des Flugtickets eine Nummer erhalten, die sie anrufen solle. Am Telefon habe man ihr dann gesagt, die Behörden einer anderen chinesischen Stadt wollten im Verlaufe dieser Woche mit ihr sprechen. Weiter sei die Asiatin, die in der Vemögensverwaltungsdivision der Grossbank arbeite, mitgeteilt worden, dass weder gegen sie noch gegen die UBS ermittelt werde.

Gerüchte, wonach die Mitarbeiterin verhaftet worden sei, erwiesen sich als haltlos. Gemäss verlässlichen Quellen kann sich die Kundenberaterin, welche in Singapur stationiert ist, frei in China bewegen, auch wurde ihr nie der Pass weggenommen. Die UBS kommentiert die Angelegenheit bisher nicht. Wie am Montag bekannt wurde, haben verschiedene Banken inzwischen ihre Reisebestimmungen für Kundenberater in Bezug auf China angepasst (siehe Kasten).

Bereits 3500 Milliardäre in China

Der Grund, weshalb die UBS-Beraterin nicht aus Peking abfliegen durfte, bleibt unklar. Eine oft genannte Erklärung ist: China wolle an der UBS ein Exempel statuieren. Dabei geht es um Offshore-Banking.

Vereinfacht gesagt ist es in China seit Jahren gängige Praxis, Kundengelder auf Offshore-Konti – also ins Ausland – zu transferieren, gerade ohne plausiblen Geschäftszweck. Die Krux: Dies wäre eigentlich nicht erlaubt, Insider sprechen von einer Grau­zone, der chinesische Staat sah jahrelang grösstenteils zu. Für die Banken ist der Markt schlicht zu lukrativ: In keiner Region weltweit wächst die Zahl der Millionäre und Milliardäre so zügig wie in China. Inzwischen soll es bereits knapp 3500 chinesische Milliardäre geben; gemäss dem Global Wealth Report 2018 der Credit Suisse ist das gesamte Vermögen der Chinesen seit dem Jahr 2000 um den Faktor 14 auf rund 52 Billionen US-Dollar gestiegen.

Die UBS, die eine chinesische Bankenlizenz hat, ist einer Erhebung des Magazins «Asian Private Banker» zufolge der grösste Vermögensverwalter in Asien. Und es ist kein Geheimnis, dass reiche Chinesen vor allem via Hongkong ihr Vermögen aus dem Land schaffen, um weltweit zu investieren. Dieser Abfluss ist dem Reich der Mitte ein Dorn im Auge.

Banken reagieren

Im Zuge des über das Wochenende bekannt gewordenen Falls der UBS-Mitarbeiterin, welche in Peking nicht ausreisen durfte, haben nun mehrere Grossbanken ihren Angestellten von China-reisen abgeraten. So hätten beispielsweise die amerikanischen Institute Citigroup und JP Morgan, die britische Standard Chartered und die französische BNP Paribas Mitarbeiter angewiesen, ihre Reisen zu überdenken oder zu verschieben, die OCBC Bank aus Singapur habe die Berater angewiesen, bei Chinareisen vorsichtig zu sein, sagten mit der Situation vertraute Personen am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Gemäss Medienberichten hat auch die Zürcher Privatbank Julius Bär ihre Kundenberater angewiesen, vorerst nicht nach China zu reisen. Bestätigen wollte die Bank dies jedoch nicht, da der Fall in keinem Bezug zu Julius Bär stehe. Die Grossbank Credit Suisse teilt auf Anfrage lediglich mit, dass man kein Reiseverbot für China erlassen habe. Nicht reagiert hat auf eine entsprechende Anfrage Vontobel. Die Zürcher Bank unterhält einen Standort in Hongkong. (lb/sda)

Nun könnte Peking also einen Warnschuss abgefeuert und dabei sozusagen den Platzhirsch aus dem Westen ins Visier genommen haben. Die Aufmerksamkeit der restlichen westlichen Geldinstitute ist der chinesischen Regierung jedenfalls sicher. Dass es die UBS trifft, ist insofern bemerkenswert, als der Schweizer Grossbank in China eine Sonderstellung zukommt, denn: Sie bietet vermögenden Chinesen nicht nur Offshore-Lösungen an, sondern verfügt seit Jahren auch über ein grosses Vermögensverwaltungsgeschäft in China mit Standorten in Peking und Schanghai. Die meisten Banken haben hingegen keine Niederlassungen vor Ort, sondern beraten ihre chinesischen Kunden aus Hongkong oder Singapur.