Geldpolitik

Wann druckt die Nationalbank wirklich Geld?

Orell Füssli druckt im Auftrag der Nationalbank die Banknoten.  KEY

Orell Füssli druckt im Auftrag der Nationalbank die Banknoten. KEY

Die Erhöhung der Geldmenge erfolgt nicht physisch über die Ausgabe von neuen Banknoten, sondern via Buchgeldtransaktionen.

Sie ist die Einzige, die Geld drucken darf: die Schweizerische Nationalbank (SNB). Kündigt sie wie am Mittwoch an, sie wolle die «Liquidität auf dem Geldmarkt erhöhen», so könnte sie zu diesem Zweck doch einfach die Notenpresse starten und frisches Geld drucken.

Das ist aber nicht der Fall: Die Ausweitung der Geldmenge erfolgt nicht physisch über die Ausgabe von zusätzlichen Banknoten, sondern in Form von so genannten Buchgeldtransaktionen.

Dabei kauft die SNB bei einer Bank entweder Fremdwährungen (Devisen-Swaps) oder SNB-Schuldscheine gegen Franken. Dadurch erhöhen sich die Sichtguthaben der betreffenden Geschäftsbank bei der SNB und bewirken einen Anstieg der Notenbankgeldmenge.

Wie am Mittwoch angekündigt, sollen die Sichtguthaben der Geschäftsbanken auf 200 Milliarden Franken steigen. Bei diesen Vorgängen werden aber keine echten Banknoten verwendet.

In diesen Fällen wird Geld gedruckt

Wann druckt die SNB tatsächlich neue Banknoten? Es lassen sich drei Gründe unterscheiden: Erstens, um abgenutzte und beschädigte Banknoten zu ersetzen. Banknoten, die zurück zur SNB gelangen, werden von einer Maschine geprüft und bei schlechtem Zustand gleich zerstückelt. Gemäss Geschäftsbericht 2010 zog die Nationalbank im letzten Jahr 77,3 Millionen Banknoten im Wert von 4,8 Milliarden Franken ein und vernichtete sie. Im Gegenzug setzte die SNB 75,2 Millionen druckfrische Banknoten im Wert von 5,1 Milliarden Franken in Umlauf.

Zweitens druckt die Nationalbank Banknoten, um saisonale Schwankungen auszugleichen: Je nach Wirtschaftslage oder Teuerung werden mehr oder weniger Banknoten nachgefragt. 2010 belief sich der Notenumlauf im Durchschnitt laut SNB auf 47,1 Milliarden Franken und war damit leicht höher als im Vorjahr (45,3 Milliarden Franken). Die Zahl der zirkulierenden Noten betrug 2010 im Schnitt 325 Millionen Stück (Vorjahr: 315,6 Millionen Stück).

Davon waren 66 Millionen 10er-Noten, 72 Millionen 20er-Noten, 41 Millionen 50er-Noten, 84 Millionen 100er-Noten, 34 Millionen 200er-Noten und 28 Millionen 1000er-Noten.

Der durschnittliche Münzumlauf betrug 2010 2,7 Milliarden Franken, was einer Stückzahl von 4,7 Milliarden Münzstücken entsprach.

Neue Notenserie ab 2012

Drittens wird Geld gedruckt, wenn eine neue Banknotenserie in Umlauf kommt. Die aktuelle Serie – es ist die achte in der Geschichte der Schweiz – ist seit 1995 Zahlungsmittel. Sie wird aber demnächst abgelöst: Die erste Note der neunten Serie soll laut SNB im Verlauf des kommenden Jahres herausgegeben werden.

Die Noten druckt übrigens nicht die SNB selbst, sondern Orell Füssli Security Printing mit Sitz in Zürich. Das Tochterunternehmen des Verlags produziert unter anderem auch den Schweizer Pass und die neuen israelischen Banknoten, die 2012 in Umlauf kommen.

Auch das Prägen von Münzen ist Sache des Bundes und wird von der in Bern ansässigen Swissmint, der offiziellen Münzstätte der Eidgenossenschaft, besorgt.

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