Die Rückmeldungen der Investoren während der Preisfestsetzung seien zwar positiv gewesen, teilte das Unternehmen gestern mit. Doch die Schwankungen an den Finanzmärkten hätten sich erhöht, und die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China hätten die Stimmung eingetrübt. Alles in allem sei dies kein optimales Umfeld für eine erfolgreiche Kotierung.

Bedeutet die überraschende Absage der Aktienplatzierung nun auch das Ende der Börsenparty in der Schweiz? Laut Andreas Neumann, Leiter Equity Capital Markets von der Zürcher Kantonalbank, hat im Vergleich zur positiven Stimmung Anfang des Jahres «in der Tat eine gewisse Eintrübung» stattgefunden. «Die Börse ist volatiler geworden und die Investoren sind vorerst zurückhaltender», sagt Neumann.

Bisher sechs IPOs

Insgesamt gab es in diesem Jahr an der Börse SIX Swiss Exchange fünf IPOs (Initial Public Offerings), wie Börsengänge in der Fachsprache genannt werden. An der kleineren Berner Börse gab es ein IPO. Gemäss Neumann liegt bei der Hälfte dieser sechs Unternehmen der Aktienkurs im Plus, und zwar bei Medartis, Sensirion, SenioResidenz. Die Kurse der anderen Unternehmen liegen zwischen rund 5 und 15 Prozent unter dem Platzierungspreis. Obwohl der ZKB-Experte nun eine Verschlechterung feststellt, dürfte 2018 ein erfolgreiches Jahr für Börsengänge werden. In den letzten zehn Jahren gab es durchschnittlich 2,7 Börsengänge pro Jahr. Gemäss Andreas Neumann gab es seit der Jahrtausendwende nur in den Boomzeiten Mitte der Nullerjahre zwischen 2005 und 2007 sowie im Jahr 2014 mehr Börsengänge an der SIX als bisher im laufenden Jahr.

Weil Investmentalternativen fehlten, die eine höhere Rendite versprechen, werde es weiterhin zu Börsengängen kommen, glaubt der Aktienmarktexperten der ZKB. So seien Unternehmen mit einem etablierten Leistungsausweis und einer ansprechenden Dividendenrendite immer noch gefragt. Je nach Geschäftsmodell könne es jedoch für gewisse Unternehmen kurzfristig sinnvoller sein, den Börsengang etwas aufzuschieben. Der Spezialist der ZKB geht davon aus, dass die nächsten IPO-Ankündigungen vermutlich erst nach einer «soliden Marktabklärung» erfolgen werden.

Die Oerlikon-Tochter GrazianoFairfield, die unter anderem Getriebe für Supersportwagen von Lamborghini und Ferrari produziert, hatte den Börsengang Ende Juni angekündigt. Die angepeilte Marktkapitalisierung hätte 620 Millionen Franken betragen.

Auch andere sagten ab

Mit der nun angekündigten Terminverschiebung steht der Industriekonzern Oerlikon nicht alleine da. Bereits Swissport und Gategroup hatten im Frühjahr ihre Pläne wieder in die Schublade gesteckt. Auch die beiden HNA-Töchter nannten die unsicheren Bedingungen an den Finanzmärkten als Grund. (Mit Material von SDA)