Jürg Salvisberg

«Wir verstehen es besser als andere, das Fliessende zu kontrollieren», stellt André Bourquin, Präsident der Solothurner Raiffeisenbanken, fest. So erhöhte sich die Bilanzsumme der nach fünf Fusionen noch 23 Solothurner Raiffeisenbanken um 5,6 Prozent auf 8,48 Milliarden Franken. Die Kundengelder stiegen um 8,0 Prozent auf 7,03 Milliarden Franken. Auch die Ausleihungen, die neu 7,47 Milliarden Franken erreichten, und die Zahl der Genossenschafter (neu 111 164) verzeichneten 2008 mit +4,5 respektive +4,2 Prozent Zuwachsraten, die deutlich über jenen vergangener Jahre lagen.

25 neue Stellen geschaffen

Dass die Finanzkrise die Solothurner Raiffeisenbanken dennoch nicht ganz verschonte, zeigten die um 15,7 Prozent gesunkenen Depotvolumen. Auch die Schrumpfung des Bruttogewinns um 10,2 Prozent auf 58,6 Millionen Franken war indirekt deren Folge: Die vielen neuen Kunden führten zur Schaffung von 25 zusätzlichen Vollzeitstellen, was dementsprechend den Geschäftsaufwand (+5,1 Prozent) erhöhte. Vizepräsident Tony Broghammer zeigte den im Oltner Restaurant Felsenburg Versammelten auf, dass sich der mit 102 Jahren älteste Teilverband der Schweizer Raiffeisen-Bewegung trotz der guten Zahlen für die Zukunft wappnen muss. Mit einer noch aktiveren Kundenpflege und erhöhter Vertriebseffizienz gelte es Risiken zu begegnen.

Für Finanzdirektor Christian Wanner war der Besuch an der GV ein Lichtblick in der zweiten Bankenkrise seiner Amtszeit. Er lobte die Raiffeisenbanken als positive Konstante und sprach sich explizit gegen die Erteilung einer Banklizenz an die Postfinance aus. Es brauche keinen zusätzlichen Player auf dem Markt, denn die Bankversorgung in der Schweiz sei nie gefährdet gewesen. «Wir sollten zudem keine Privatisierung der Post zulassen, um die Grundversorgung nicht zu vernachlässigen.»

Mit seinem Njet an eine Postbank erntete Wanner den Dank von Nachredner Pierin Vincenz. Der CEO von Raiffeisen Schweiz bezeichnete das Wachstum bei gleichzeitiger Kostenkontrolle als grosse Herausforderung für die Genossenschaftsbanken. Die Raiffeisen müsste die Neukunden gut betreuen, hätten aber auch mit Abschreibungen aus der Realwirtschaft zu rechnen. Die solide Basis verpflichte sie, KMU in der Krise zu stützen.

Deliah Kyburz für Josef Bader

Für die Raiffeisenbank Olten war die GV in organisatorischer und personeller Hinsicht ein erfolgreiches Heimspiel. Mit Deliah Kyburz nahm sie neu Einsitz im Vorstand. Die Marketingverantwortliche löste als neue Werbechefin den Mümliswiler Josef Bader ab, der nach 22 Jahren Tätigkeit in der Werbekommission aus statutarischen Gründen zurücktrat. In seiner Antwort auf die Dankesworte von André Bourquin wünschte der Primarlehrer, speziell an Pierin Vincenz gewandt, dass Raiffeisen seinen Grundsätzen treu bleiben solle. «Kurzfristiges Denken führt zu Kurzsichtigkeit. Als grosse Organisation haben wir eine Verantwortung für Volkswirtschaftlichkeit und nicht blosse Wirtschaftlichkeit.»

Einstimmig wie die Wahl erfolgte auch die Genehmigung der Rechnung, die bei Einnahmen von 108 388 Franken mit einem Überschuss von 4834 Franken abschloss. Der Werbefonds verbuchte dagegen bei Ausgaben von 119 677 Franken ein Defizit von 14 478 Franken.