Abgas-Affäre

VW-Skandal: 128'802 Fahrzeuge in der Schweiz betroffen

Lädiert: Das Image von VW muss aufpoliert werden

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Der Skandal um manipulierte Abgaswerte weitet sich aus. Bei der Volkswagen-Tochter Audi sind ebenfalls Millionen Fahrzeuge fast aller Baureihen betroffen. Laut Mitteilung der Amag sind es in der Schweiz 128802 Fahrzeuge.

Lange hat es gedauert, jetzt gab der Schweizer Hauptimporteur Amag bekannt, wieviele Fahrzeuge in der Schweiz von dem Skandal um die gefälschte Abgas-Software betroffen sind: 128'802 Fahrzeuge. Darin mitgezählt sind die Verkaufszahlen von allen offiziellen Handelsorganisationen, nicht aber den privaten, sogenannt freien Händlern. Betroffen sind die Marken Volkswagen, Audi, Seat, Skoda und VW Nutzfahrzeuge mit Dieselmotoren des Typs EA 189. Sie wollen nachgebessert werden, sobald eine technische Lösung vorhanden ist.

Die Amag teilte in einem Communiqué weiter mit, dass für Neuwagen mit Dieselantrieb der EU5-Norm ein sofortiger Verkaufsstop verhängt wird. Betroffen seien nur wenige hundert Wagen, die aktuell noch an Lager sind am Landeslager im aargauischen Schinznach-Bad. Diese Massnahme gilt noch vor dem allfälligen Entzug der Typengenehmigung, die das Bundesamt für Strassen ASTRA am Freitag in Aussicht gestellt hatte, wie der Importeur Amag am Montag mitteilte. 

Die Eigentümer von betroffenen Modellen des VW-Konzerns werden individuell informiert, dass ihre Fahrzeuge nachgebessert werden müssen. Anschliessend soll mit den Kunden individuelle Werkstatt-Termine vereinbart werden.

Audi mit 2,1 Millionen Fahrzeugen betroffen

In der Abgas-Affäre ist nun auch die Zahl der betroffenen Audi-Fahrzeugen bekannt: Weltweit sind es 2,1 Millionen Fahrzeuge. Das sagte ein Audi-Sprecher am Montag zur Nachrichtenagentur Reuters.

In der Region Westeuropa gehe es um 1,42 Millionen Wagen, in Deutschland um 577'000. In den USA betreffe die Manipulation der Abgastechnik rund 13'000 Fahrzeuge. Bereits in der vergangenen Woche wurde bekannt, dass diverse Konzernmarken von VW betroffen sein werden.

Bund für Vorpreschen kritisiert

Die Privat- und Kleinimporteure sowie Occasionshändler kritisieren unterdessen den Bund für sein Vorpreschen in der Abgas-Affäre. Sie rechnen durch den Verkaufsstopp mit Kosten in Millionenhöhe. Der zuständige Verband erwägt darum Klage gegen den VW-Konzern.

Der Verband freier Autohandel (VFAS) rechnet mit etwa Eintausend Autos, die bei Schweizer Händlern unimmatrikuliert in den Garagen stehen. Diese Autos können durch den Entzug der Typengenehmigung praktisch nicht mehr verkauft werden, denn sie werden gar nicht mehr zugelassen. Der VFAS beziffert den Schaden, der den Händlern dadurch entsteht, auf "Millionen Franken", wie es in der Mitteilung vom Montag heisst.

"Dass nun auch Händler des Verbandes der freien Autohändler die Zeche für werkseitige Verfehlungen zahlen sollen, stösst beim VFAS auf Unverständnis", schreibt der VFAS weiter. Der Verband prüft darum "Schadenersatzforderungen gegenüber den Verantwortlichen", heisst es weiter.

Gemeint sei in erster Linie der VW-Konzern, präzisierte der Verbandspräsident Roger Kunz gegenüber der Nachrichtenagentur sda. In einem ersten Schritt will der Verband den effektiven Schaden feststellen und ruft Händler auf, sich zu melden.

VW hatte bereits früher zugegeben, Abgaswerte in den USA mit einer verbotenen Software manipuliert zu haben. Weltweit sollen bis zu elf Millionen Fahrzeuge mit dieser Software ausgestattet sein.

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