Bargeld hat einen zweifelhaften Ruf. Zum einen steht es für Freiheit, Sicherheit und Unabhängigkeit. Zum anderen ermöglicht es Geldwäscherei und andere kriminelle Machenschaften. In keinem Land der Welt ist pro Einwohner so viel Bargeld im Umlauf wie in der Schweiz.

Laut der Nationalbank betrug der Bargeldumlauf Ende 2016 rund 78 Milliarden Franken. Das entspricht 9300 Franken pro Kopf – gemessen am Wert sind die Schweizer Weltmeister im Zahlen mit Bargeld. Und der Umlauf von Banknoten und Münzen ist in den letzten Jahren stetig gewachsen.

Bargeldloses Schweden

In anderen Ländern kommt das Bargeld zunehmend unter Druck. Schweden ist auf dem Weg zur bargeldlosen Gesellschaft besonders weit. Es ist dort längst üblich, alles mit Kredit- oder Maestro-Karten zu zahlen. Seit 2011 hat sich die Zahl der Bankfilialen, die Bargeld annehmen, halbiert. Auch immer mehr Bankomaten verschwinden.

Allein im vergangenen Jahr reduzierte sich der Bargeldumlauf im fortschrittsgläubigen Schweden um 15 Prozent. Fast ein wenig verzweifelt versucht die Schwedische Reichsbank, diesem Trend etwas entgegenzusetzen – bislang ohne Erfolg.

Für die Schweiz kann man sich dieses Szenario kaum vorstellen. Als Nationalbank-Präsident Thomas Jordan letztes Jahr mit der 50-Franken-Note die neue Banknoten-Serie präsentierte, sagte er, man wolle auch in Zukunft am Bargeld festhalten: „Es wird im Detailhandel, beim Restaurantbesuch oder fürs Zugfahren, aber auch beim Kauf von Autos und in der Landwirtschaft weiterhin als Zahlungsmittel verwendet.“

Umfrage: Wie kommt die neue 20er-Note bei den Leuten in Aarau an?

Umfrage: Wie kommt die neue 20er-Note bei den Leuten in Aarau an?

Kommt die 20er-Note besser an als die 50er-Note vor einem Jahr? Wir haben auf dem Aarauer Bahnhofsplatz bei den Leuten den Puls gefühlt – und dabei beinahe unsere "Fälschung" verloren.

Schweizer horten gerne Geld

Bargeld ist aber nicht nur Zahlungsmittel, sondern auch Wertaufbewahrungsmittel. Man muss das Geld nicht gleich unter dem Kopfkissen aufbewahren, aber viele Schweizer horten Geld zuhause. Weil Bargeld einfach im Gebrauch und leicht zugänglich ist, erachtet es die Nationalbank als wichtiges Element einer funktionierenden Volkswirtschaft.  

Vor allem Kreditkartenfirmen veröffentlichen immer wieder Studien, die darlegen, dass Bargeld überflüssig sei. Die Nationalbank lässt sich davon nicht beeindrucken. Mit der Einführung der neuen Notenserie will die Nationalbank ihr Festhalten am Bargeld bekräftigen.

Fritz Zurbrügg, Vizepräsident des Nationalbankdirektoriums, sagte anlässlich des „World Banknote Summit“ im Februar in Basel, die Gerüchte über den Tod des Bargelds seien stark übertrieben. Die Menschen würden Bargeld dem Plastikgeld einerseits aus persönlichen Gründen vorziehen: „Aus Gewohnheit, aus Bequemlichkeit oder fehlender Technik-Affinität.“

Andererseits sei Bargeld sicht- und fassbar und erlaube dadurch auch eine bessere Kostenkontrolle. „Nur Bares ist Wahres“ sei nicht zufällig zu einem Sprichwort geworden.

500-Euro-Note wird 2018 abgeschafft

Die Europäische Zentralbank dagegen hat vor einem Jahr beschlossen, die 500-Euro-Note auf Ende 2018 abzuschaffen. Der grösste Geldschein im Euroraum wird dann die 200-Euro-Note sein. EZB-Präsident Mario Draghi will mit der Abschaffung vor allem die Finanzierung von Straftaten wie Terror oder Schwarzarbeit erschweren.

Die wertvollste Banknote der Welt, die noch in Umlauf gebracht wird, ist die Schweizer Tausendernote. Und sie ist populär wie nie. 2016 waren rund 45 Millionen Stück davon in Gebrauch. Weitaus am beliebtesten in der Schweiz ist aber die  Hunderternote mit einer Stückzahl von rund 118 Millionen. Danach folgt die Zwanzigernote mit etwa 84 Millionen Stück.

Geprägte Freiheit

Der russische Schriftsteller Fjodor Dostojewski sagte einst, Geld sei geprägte Freiheit. Die Geschichte des Bargelds reicht etwa 2700 Jahre zurück. Die allerersten geprägten Münzen stammen aus Lydien in der heutigen Türkei. Der sagenhaft reiche König Krösus liess dort im 7. Jahrhundert vor Christus Metallklumpen aus Gold und Silber prägen und mit seinem Wappen als Zeichen der Macht versehen.

Davor gab es nur den Tauschhandel oder Naturalgeld in Form von Schmuck oder rohen Edelmetallen. Die Griechen und Römer übernahmen von den Lydiern das Münzsystem und führten erstmals einheitliche Währungen ein.

Die Banknote aber wurde in China erfunden. Im 14. Jahrhundert wurde dort Papiergeld aus Maulbeerblättern hergestellt. Der Forschungsreisende Marco Polo brachte die Idee vom Hof des chinesischen Kaisers mit nach Europa, ohne hier auf Gehör zu stossen. Die ersten europäischen Banknoten kamen erst 1661 in Umlauf – in Schweden.

Quiz: Die neue Banknotenserie