Die Schweizer Reisekasse – besser bekannt als Reka – ist eigentlich ein alter Zopf. Die Reka-Checks gehen aber weg wie warme Semmeln. Gestern feierte die Genossenschaft an der Generalversammlung in Bern ihr 75-Jahr-Jubiläum. Keine Alibi-Veranstaltung, die Reisekasse hat tatsächlich Grund zum Feiern. Letztes Jahr wurde für 665,2 Millionen Franken Reka-Geld verkauft – so viel wie noch nie zuvor.

Wie lässt sich der Boom der vergünstigten Parallelwährung erklären? Schliesslich wirken Reka-Checks wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Die Idee wurde 1939 ins Leben gerufen, kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Reka-Checks sollten helfen, soziale Ungleichheiten zu verkleinern und allen Familien Ferien und Erholung zu ermöglichen.

Natürlich gibt es in der Schweiz auch heute noch Menschen, die jeden Rappen zweimal umdrehen müssen. Insgesamt hat der Wohlstand aber deutlich zugenommen. Die meisten, die heute Reka-Checks nutzen, könnten sich auch ohne Unterstützung Ferien und ein Zugbillett leisten. Mit ihrem ursprünglichen Zweck haben Reka-Checks deshalb nicht mehr viel zu tun.

Steuerbefreiung steigert Popularität

Angesichts der veränderten gesellschaftlichen Verhältnisse stellt sich die Frage, ob Reka-Checks heute noch eine Daseinsberechtigung haben. Die Organisation selbst bejaht natürlich, aber auch sonst scheint das Reka-System in der Schweiz eine breite Unterstützung zu geniessen. Ob Coop, SBB, Arbeitgeberverband oder Hotellerie – alle sind eng mit Reka verknüpft und betonen, dass die Organisation auch heute noch wichtig sei.

Coop ist der wichtigste Vertreiber von Reka-Checks. Nicht nur Angestellte können sie vergünstigt beziehen, sondern auch die Kunden in allen grösseren Verkaufsstellen. «Beide Angebote sind sehr beliebt und werden gerne und häufig genutzt», so ein Sprecher. Coop erhofft sich davon zusätzliche Kundschaft.

Die SBB sind die wichtigste Annahmestelle. 2013 wurden bei den Bundesbahnen Leistungen im Wert von 280 Millionen Franken mit Reka-Produkten beglichen, das entspricht sieben Prozent des Gesamtumsatzes im Personenverkehr. Beim Umtausch in Schweizer Franken müssen die SBB zwar drei Prozent der Reka-Einnahmen abgeben, das Unternehmen ist aber offenbar überzeugt davon, dass zusätzliche Reka-Kunden diese Einbussen kompensieren.

Die Arbeitgeber profitieren von Reka ganz anders: Sie können ihren Angestellten eine steuerbefreite Lohnnebenleistung oder Prämie auszahlen. Im Gegensatz zu einer Barzahlung müssen Reka-Check-Vergünstigungen bis jährlich 600 Franken im Lohnausweis nicht deklariert werden. Zusätzlich sind Weihnachts-, Geburtstags- oder ähnliche Naturalgeschenke bis zu einem Betrag von 500 Franken pro Ereignis ebenfalls nicht deklarationspflichtig.

Der Grund für den Steuerverzicht des Bundes: Die Zweckgebundenheit garantiert, dass Reka-Geld für Ferien und Freizeit ausgegeben wird. 1,5 Prozent des Rabatts, den Unternehmen gewähren, übernimmt Reka. Dieses Geld holt die Genossenschaft bei der Einlösung der Checks wieder ein – durch die drei Prozent, die ihr Annahmestellen wie die SBB abliefern.

Kein Neid von Hotellerie

Auch der Branchenverband Hotellerie Suisse findet nur wohlwollende Worte für Reka: «Wir schätzen die Reka als wichtigen und zuverlässigen Anbieter im Bereich der Parahotellerie.» Das ist insofern erstaunlich, als dass Reka vom Steuererlass auf Lohnnebenleistungen profitiert – mit seinen Feriendörfern und -wohnungen für Familien aber Hotelleriebetriebe konkurrenziert, die nicht auf staatlichen Goodwill zählen können.

Die Schweizer Reisekasse ist also etablierter denn je – obwohl der ursprüngliche Zweck nur noch eine Nebenrolle spielt.