Industrie

Von-Roll-Chef Thomas Limberger hat den Bogen überspannt

Thomas Limberger

Thomas Limberger

Thomas Limberger gibt Doppelmandat ab. Das Vertrauen des Hauptaktionärs August von Finck hat er verspielt. Er ist beim Baron in Ungnade gefallen.

«Unser oberstes Ziel liegt darin, Wert für den Aktionär zu schaffen», sagte Thomas Limberger im Herbst 2007 in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Gleichzeitig versprach der frischgebackene Von-Roll-Chef, in den kommenden fünf Jahren Umsatz und Betriebsgewinn zu verdoppeln.

Die vollmundigen Aussagen des Von-Roll-Chefs klingen heute wie blanker Hohn: Haben die Aktien des Solothurner Industriekonzerns doch seit Limbergers Amtsantritt über
40 Prozent ihres Werts eingebüsst. Auch dümpelt die Betriebsmarge bei unter 5 Prozent und liegt damit weit entfernt von jenen 14 Prozent, die sich Limberger ins Pflichtenheft schrieb. So geriet der 43-jährige Deutsche zusehends in Argumentationsnotstand: «Der Aktienkurs spiegelt sicher nicht die operative Leistung des Unternehmens. Ich würde mir es auch anders wünschen, doch muss ich mich der Kritik stellen. Ich glaube nicht, dass wir schlecht gearbei-tet haben», diktierte Limberger noch diesen Oktober beharrlich der «Finanz und Wirtschaft» ins Blatt.

Sehr zum Verdruss von Baron August von Finck. Denn der adelige Milliardär hält knapp zwei Drittel an Von Roll. Er war es auch, der vor drei Jahren eine Kapitalerhöhung über gut 320 Millionen Franken durchboxte und selber zum Kurs von 8 Franken seinen Anteil nochmals kräftig aufstockte. Zum Vergleich: Gestern ging die Von-Roll-Aktie bei knapp 5 Franken aus dem Handel. Der Schlossherr zu Weinfelden hat mit seinem Engagement beim traditionsreichen Industriekonzern also bislang tüchtig Geld verbrannt.

Beim Baron in Ungnade gefallen

Ein Umstand, der den Von-Roll-Chef nun den Kopf gekostet haben dürfte. Hier zeigt sich, dass Limbergers eigenes Führungscredo («Risiken minimieren heisst, Menschen messbar zu machen») eben auch für den Topmanager selbst gilt. Bereits im Sommer zeichnete sich ab, dass der Autonarr bei August von Finck in Ungnade gefallen war. So schied der im steuergünstigen Wollerau wohnende Topmanager bei der Mövenpick Hotels&Resorts AG als Verwaltungsrat aus. Dabei handelt es sich um eine Tochtergesellschaft der Mövenpick Holding AG, die ebenfalls im Besitz des Von-Finck-Clans ist. Zudem erhielt Limberger im Frühherbst mit Stefan Kellmann einen Finanzchef zur Seite gestellt, der als enger Vertrauter Fincks gilt. Schliesslich war Kellmann zuvor als Finanzer bei der Mövenpick tätig. Die Luft für Limberger wurde also zusehends dünner.

Offiziell indes tritt der passionierte Skifahrer per 1.Dezember aus freien Stücken zurück, um «sich neuen Herausforderungen zu stellen». Konkret will der 43-jährige Hesse, dessen Familie am Starnberger See wohnt, sich als Gesellschafter eines eigenen Industriebeteiligungsunternehmens versuchen.

Mit Limbergers Abgang hat bei Von Roll auch das Doppelmandat ausgedient. Operativ übernimmt Matthias Oppermann das Zepter, der zuvor als Geschäftsführer die SGS-Fresenius-Gruppe leitete. Die deutsche Tochter gehört zum Genfer Warenprüfkonzern SGS, an der die Finck-Familie ebenfalls knapp 15 Prozent hält. Das VR-Präsidium dagegen übernimmt der altgediente Industrie-Manager Peter Kalantzis, der bereits zuvor im Von-Roll-Verwaltungsrat sass.

Über Limberger sagte Kalantzis einst in der «Zeit»: «Er teilt unverkrampft aus und steckt Kritik sportlich weg.» Der Fall «Von Roll» ist denn auch nicht das erste Mal, dass Limberger überhastet seinen Chefsessel räumt. So überwarf sich der Unternehmersohn 2007 bei OCOerlikon mit dem damaligen VR-Präsidenten Georg Stumpf. Neben strategischen Querelen gab auch Limbergers Salär von über 20 Millionen Franken zu reden. So verteidigte VR-Präsident Stumpf jene 40000 Optionen, die Limberger als Anreiz erhielt, um nur einen Tag später vom OC-Oerlikon-Chef desavouiert zu werden. Denn Limberger verzichtete öffentlichkeitswirksam («Ich will kein Abzocker sein») auf die Derivate und nahm stattdessen 3000 Aktien – ohne lästige Sperrfrist.

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