Für rund 140'000 Jugendliche geht in diesen Tagen die obligatorische Schulpflicht zu Ende. Eine Mehrheit nimmt nach den Sommerferien eine Berufslehre in Angriff. Vielen winkt erstmals im Leben ein regelmässiges Einkommen. Je nach Beruf kann dieses schon im ersten Lehrjahr 800 Franken im Monat betragen. Der Eintritt in die Arbeitswelt ist zweifellos ein grosser Schritt ins Erwachsenenleben.

Aber wie gut sind die Jugendlichen auf den Umgang mit Geld vorbereitet? Wie steht es um das Finanzwissen der Schweizer Jugend? Finanzwissen ist noch kein zwingender Bestandteil der Schulbildung in der Schweiz. Erst mit der schrittweisen Einführung des Lehrplanes 21 beginnt sich das zu ändern. Daher wird das Wissen der Schülerinnen und Schüler in der Schweiz nicht mit anderen Ländern verglichen. Man sollte sich über den Wissensstand der einheimischen Jugend in puncto Finanzen aber keinen Illusionen hergeben.

Die Ergebnisse der jüngsten Pisa-Befragung zum Thema Finanzwissen hat die Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) erst vor wenigen Wochen veröffentlicht, und die Resultate sind wenig berauschend: Obwohl zwei von drei befragten Schülerinnen oder Schülern schon im Alter von 15 Jahren regelmässig etwas Geld verdienen und mehr als die Hälfte ein Bankkonto besitzen, verfügt nur ein Drittel über die Kompetenzen, die für das Verwalten eines eigenen Bankkontos oder für Transaktionen von ähnlicher Komplexität notwendig sind.

Eine Aufgabe aus dem Pisa-Test zur Erreichung dieses zweithöchsten Kompetenzniveaus besteht zum Beispiel darin, einen Lohnausweis zu lesen und den Nettolohn vom Bruttolohn zu unterscheiden. Von den 47 000 befragten Jugendlichen aus 15 Ländern gelang dies nur einer Minderheit.

Auf der höchsten Niveaustufe sollten die Schüler in der Lage sein, gewisse Risiken zu erkennen und beispielsweise keine persönlichen Kontodaten auf entsprechende Mailanfragen herausgeben, ohne vorgängig die Bank konsultiert zu haben. Diese Aufgabe meisterten sie noch weniger erfolgreich. Dabei ist klar, dass mit der fortschreitenden Digitalisierung die Anforderungen an das Finanzwissen zunehmen. Einerseits vereinfacht die Elektronik den Zutritt der Jugendlichen zur Kreditwirtschaft. Und anderseits nehmen die Sicherheitsrisiken zu.

Vor diesem Hintergrund verheisst das Finanzwissen der Jugendlichen wenig Gutes. Zunehmende Bedeutung erlangt das Finanzwissen auch mit Blick auf die in vielen Ländern knappen Staatsfinanzen und die demografische Entwicklung, die in der Altersvorsorge mehr Eigenverantwortung zwingend nötig machen werden. Grosse Erwartungen hängen nun an den schulischen Möglichkeiten, die Finanzbildung zu fördern. Im Urteil der OECD ist dies umso wichtiger, als der Bildungsstand in Sachen Finanzen ähnlich wie in der Allgemeinbildung stark vom sozialen Umfeld abzuhängen scheint.

«Statusverlust führt oft zu übermässigem Konsum»

Doch ob ein Schulsystem allein diese Chancengleichheit herstellen kann, ist mehr als fraglich. Die Ausprägung der Finanzbildung lasse sich zu zwei Fünfteln nicht mit dem allgemeinen Bildungsniveau in Verbindung bringen, sondern sei «sehr individuell», heisst es bei der OECD. So sind zum Beispiel die Pisa-Ergebnisse in Sachen Finanzbildung in Belgien, China, Russland und Kanada deutlich besser als jene in Mathematik.

Das zeigt, dass es neben der Schulbildung allein noch andere Einflussfaktoren geben muss. Eine empirische Untersuchung der Universität Luzern aus dem Jahr 2013 über die Wirkung der Schuldenprävention zeigt zum Beispiel, dass ein gutes Finanzwissen erst dann präventiv gegen Schulden wirkt, wenn die Einstellung zu Geld und Konsum positiv beeinflusst werden kann. «Besonders Jugendliche und junge Erwachsene, welche einen Statusverlust erlitten haben, können dazu neigen, diesen mit übermässigem Konsum auszugleichen», schreiben die Autoren der Studie.

Finanzwissen und finanzielle Bildung haben in diesen Situationen «keinen direkten Einfluss auf Ver- und Überschuldungsrisiken.» Diese Erkenntnisse decken sich erstaunlich präzis mit den individuellen Erfahrungen einzelner Lehrpersonen.

Nicole Hauser, Lehrerin einer 3. Sekundarklasse in der Zürcher Gemeinde Wädenswil, sagt am Ende eines Themenschwerpunktes zum Thema Geld: «Nach meiner Beobachtung ist der Wissensstand stark abhängig davon, ob eine Schülerin oder ein Schüler im täglichen Leben schon Geld zur Verfügung hat und den Umgang damit lernt.»

Unabhängig vom Lehrplan scheint Geld an den Schweizer Schulen zunehmend thematisiert zu werden. «MoneyFit», ein Lehrmittel, das die Postfinance den Schulen seit 2015 gratis zur Verfügung stellt, wurde nach Angaben des Unternehmens bis heute schon über 100 000-mal bestellt. Am kommenden Mittwoch veröffentlichen Credit Suisse und Pro Juventute die bislang grösste empirische Untersuchung in der Schweiz zum Themen Taschengeld.