Talk Täglich

«Vollzeit zu arbeiten war für mich ein Befreiungsschlag»

Mütter in der Teilzeit-Falle

Mütter in der Teilzeit-Falle

Mütter arbeiten meist nur Teilzeit. Doch die oft gepriesenen tiefen Pensen schaden ihrer Karriere und Gesundheit.

Stecken Mütter, die Teilzeit arbeiten, in der sogenannten Teilzeit-Falle? Kann man mit einem Teilzeit-Pensum keine Karriere machen? Über dieses Thema diskutieren im «Talk Täglich» zwei sogenannte Karrierefrauen.

Im "Talk Täglich" von TeleZüri waren am Donnerstag zwei Frauen zu Gast, die Karriere machen. Sarah Thiele, Kommunikationschefin der Poststellen und Verkauf bei der Post, und Sonja A. Buholzer, Managementberaterin und Buchautorin.

Die Diskussion wird mit der Frage eröffnet, ob Sarah Thiele ein schlechtes Gewissen hatte, als sie heute bei der Arbeit war? Sie ist zweifache Mutter und arbeitet Vollzeit. «Nein hatte ich nicht, ich gehe sehr gerne arbeiten» antwortet sie. Sie höre jedoch oft den Satz: «Oh, das könnte ich aber nicht.» Auch wenn dieser Satz auf den ersten Blick relativ neutral daher komme, stecke oftmals sehr viel mehr dahinter. «Ich entgegne Kritikern dann damit, dass es schon immer mein Wunsch war, einen guten Job zu haben.»

Nach der Geburt ihrer Kinder arbeitete sie 60-Prozent. «Das war eine Zerreissprobe.» «Vollzeit zu arbeiten war dann für mich ein Befreiungsschlag», so Thiel. Sie könne Dinge jetzt besser loslassen und sei zuhause nicht mehr der Boss. Das wisse auch ihr Mann zu schätzen. 

Warum bleibt die Frage der Kinderbetreuung immer noch so oft an der Frau hängen? Sonja A. Buholzer meint: «Vielen Frauen fällt es schwer, selbstbewusst einzufordern, was ihnen zusteht und nicht auf die Meinung anderer zu hören.» 

Durchschnittlich sind nur 6 Prozent des Topmanagements in Schweizer Firmen Frauen. Woran liegt das? Dafür gebe es viele Gründe, sagt Buholzer. Einer davon sei sicher, dass Frauen oftmals hoffen, durch ihre guten Leistungen befördert zu werden. Buholzer: «Das ist ein massiver Grundlagenirrtum! Denn so etwas passiert in der Regel nicht.» 

Sie meint, grundsätzlich müssten sich Frauen für einen Weg entscheiden. Das «Mischprodukt», von allem etwas, sei gefährlich und sehr belastend. Und: «Damit es mit der Karriere klappt, braucht es den richtigen Partner», sagt Buholzer.

Studien belegen, dass das Engagement der Väter steige, sobald die Frau ein höheres Arbeitspensum hat. Sarah Thiele: «Mein Mann und ich diskutieren nicht mehr über die zu erledigenden Aufgaben. Wir teilen uns die Arbeit zu Hause.» Was so einfach klingt, sei aber ein längerer Prozess gewesen. «Das versuche ich auch meinen Mitarbeiterinnen zu vermitteln.»

«Wenn ein Mann will, kann er sich einrichten. Tennis- und Golfspielen geht ja schliesslich auch», sagt Buholzer. 

Abschliessend sagt Thiele: «Frauen die Vollzeit zuhause bleiben, müssen sich genauso dafür rechtfertigen, wie Frauen, die Vollzeit arbeiten gehen. Das finde ich genauso schlimm. Schliesslich soll jeder seinen Weg gehen dürfen.» 

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