Familienhypotheken

Vier Wände für Familien – was Banken fordern, wenn sie fördern

Der Bau eines Einfamilienhauses. (Symbolbild)

Der Bau eines Einfamilienhauses. (Symbolbild)

Paaren mit Kindern fällt es schwerer, den Traum von den eigenen vier Wänden zu verwirklichen. Dennoch sind Familien eine wichtige Zielgruppe der Banken. Schlägt das Herz der Banken für Familienbande oder Kundenbindung?

Eigentlich sind Familien die idealen Kreditnehmer. So sind sie etwa vergleichsweise bescheiden: Wer Kinder hat, braucht Platz. Dennoch haben Familien mit mehr als zwei Kindern keine teureren Eigenheime als kinderlose, wie eine Studie von Money-Park zeigt. Familien sind zudem geduldig: Sie leisten sich ihr Eigenheim im Schnitt drei bis fünf Jahre später. Bei der Finanzierung gehen sie vorsichtig vor. Jeder dritte kinderlose Kunde wählt eine variable Hypothek und geht damit ein Zinsänderungsrisiko ein. Familien mit Kindern dagegen wählen zu rund 75 Prozent eine Festhypothek und setzen damit auf Sicherheit und Planbarkeit.

Antrag abgelehnt

Banken und Versicherungen belehnen Liegenschaften in der Regel bis zu 80 Prozent des Objektwerts. Den Rest muss der Schuldner selbst beisteuern. Eine weitere Vorsichtsmassnahme ist die Tragbarkeit. Gemäss einer Faustregel soll dabei nicht mehr als ein Drittel des Brutto-Haushaltseinkommens für Hypothekarkosten aufgewendet werden müssen – und zwar wird hierbei nicht der aktuelle Marktzins herangezogen, sondern ein rechnerischer Satz von 5 Prozent. In diese Kosten eingerechnet werden zudem Unterhalts- und Nebenkosten sowie die Amortisation. Die Studie zeigt: Im Durchschnitt erfüllen die Familien mit zwei Kindern die Belehnungs– und Tragbarkeitsvorgaben genauso gut wie andere Haushalte. Familien sind also auch solide.

Trotzdem fällt es Paaren mit Kindern schwerer, sich ihren Traum der eigenen vier Wände zu verwirklichen. Ganz besonders gilt dies bei Grossfamilien. Im Schnitt aller Kunden wurde zwischen 2013 und 2015 jedes vierte Finanzierungsgesuch abgelehnt. Bei Grossfamilien mit mehr als zwei Kindern wurden aber 36 Prozent der Finanzierungsanträge abgelehnt. Und dies, obschon sie im Schnitt bei Belehnung und Tragbarkeit nur unwesentlich schlechter abschneiden. Sogar unter den abgelehnten Kunden erfüllen zwei Drittel die Vorgaben von Tragbarkeit und Belehnung.

Die feinen Unterschiede

Ganz ohne Grund ist die «Diskriminierung» indes nicht: Obschon auch Familien nicht mehr als ein Drittel des Bruttoeinkommens ausgeben und somit die Tragbarkeit erfüllen, ist die Quote bei kinderlosen Haushalten noch etwas besser. Wegen der tieferen laufenden Kosten müssen sie nur 26 Prozent des Bruttohaushaltseinkommens dafür ausgeben. Zudem belehnen zwar auch Familien ihr Eigentum nicht mit mehr als 80 Prozent. Ohne Kinder beträgt der Wert aber 70 Prozent. Mit knapp 600 000 Franken Vermögen verfügen kinderlose Hypothekarnehmer auch über ein dickeres finanzielles Polster. Kinder sind teuer, weshalb Grossfamilien mit 400 000 Franken am wenigsten auf der hohen Kante haben. Sie müssen länger sparen, bis sie die nötigen Eigenmittel von 20 Prozent des Kaufpreises zusammen haben.

Freundschaft-Zins?

Die Unterschiede sind nicht gross, summieren sich aber. Umso erstaunlicher, dass Grossfamilien zwar möglicherweise mehr Offerten einholen müssen, bei den effektiven Zinsen aber nicht schlechter wegkommen. So zahlten sie 2014 zwar 0,17 Prozentpunkte mehr, werden 2015 aber mit einem Zinsabschlag von 0,1 Prozentpunkten belohnt. Zinsseitig gibt es also keine Benachteiligung – im Gegenteil: Familien sind eine wichtige Zielgruppe, die mit Zinsermässigungen umworben werden. Schlechtes Gewissen wegen der hohen Ablehnungsrate oder Marketing-Gag?

Money-Park kommt zum Schluss, dass die Angebote nur selten halten, was sie versprechen. So gelte die Vergünstigung häufig nur über einen Zeitraum von zwei bis fünf Jahren. Zudem gebe es den Zinsabschlag je nach Anbieter nur auf die ersten 100 000 bis 300 000 Franken Kredit. Im Vergleich zu den billigsten Angeboten der mit Money-Park zusammenarbeitenden Finanzierer waren die untersuchten Familien-Hypotheken sogar teurer.

Fazit: Die Studie legt nahe, dass Familien mit den «Spezialangeboten» im Durchschnitt nicht besser fahren als mit «normalen» Hypotheken. Im Einzelfall mag das anders sein. Sicher ist, dass Banken im Gegenzug für den Rabatt damit rechnen, dass man sich an ihre Grosszügigkeit erinnert, wenn es um andere Geschäfte geht. Etwa um die Sparkonten der Kinder. Und wer weiss, vielleicht auch einmal um deren Hypothek. Die Familienförderer erwarten also zumindest so etwas wie Freundschaft, am liebsten über Generationen. Die Kosten für die Kundenbindung in Form tieferer Zinsmargen dürften im Werbebudget verbucht sein.

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