Syngenta soll Syngenta bleiben. Mit diesem PR-Slogan versuchte der Agrochemiekonzern von Anfang an die Bedenken zu zerstreuen, der künftige Eigner ChemChina werde die Verhältnisse beim Basler Unternehmen auf den Kopf stellen. Das war auch an der Medienkonferenz gestern in Basel der Fall.

Ob beabsichtigt oder nicht, trugen Jianxin und der ehemalige Syngenta-Präsident Michel Demaré und jetziger Vizepräsident fast den genau gleichen fein gestreiften dunklen Anzug. «Chairman Ren», wie Demaré den ChemChina-Präsidenten Ren Jianxin anspricht, lobte das Syngenta-Management für die konstruktive Zusammenarbeit. Freundliche Worte hatte Ren auch für die Medien übrig, die den Deal kritisch, aber fair begleiteten – ein für Schweizer Verhältnisse eher ungewöhnliches Lob.

Fünf oder zehn Jahre?

Inwieweit jedoch Syngenta unter chinesischer Eigentümerschaft langfristig ein Unternehmen westlicher Prägung bleiben wird, ist offen. Angesichts der 43 Milliarden Dollar, welche die Chinesen für Syngenta aufgeworfen haben, steht viel auf dem Spiel. Einen vertieften Blick in ihre Karten gewährten die Verantwortlichen gestern jedoch nicht.

Denn konkrete finanzielle Ziele kommuniziert Syngenta nicht mehr. Gab es früher klare Wachstums- und Gewinnvorgaben, so muss sich die Öffentlichkeit nun mit eher diffusen Aussagen begnügen. Das Unternehmen wolle «den Marktanteil profitabel steigern», sagte Konzernchef Erik Fyrwald dazu.

Aufhorchen liess derweil eine Aussage von Ren in einem Interview mit der «Basler Zeitung». Der Chinese wagte die Aussage, den Umsatz von Syngenta «in den nächsten fünf bis zehn Jahren» verdoppeln zu wollen. Es ist jedoch ein erheblicher Unterschied, ob das Ziel tatsächlich in fünf oder zehn Jahren erreicht werden soll. Um die Vorgabe in fünf Jahren zu schaffen, müsste Syngenta durchschnittlich mit knapp 15  Prozent pro Jahr wachsen. Darauf angesprochen gab sich Ren an der Medienkonferenz schmallippig. Der Markt ändere sich ständig, «entsprechend müssen wir unsere Entscheide anpassen». Fakt ist, dass Syngenta den Umsatz in den letzten beiden Jahren zu konstanten Wechselkursen knapp halten konnte.

Digitalisierung hilft Bauern

Zurückhaltender äusserte sich Konzernleitungsmitglied Christoph Mäder gegenüber der «Nordwestschweiz». Zwar soll die Spitzenposition beim Pflanzenschutz ausgebaut werden, aber es werde dort kein zweistelliges Wachstum geben. Zurzeit schwächelt es, Syngenta hofft hier auf Besserung. «Beim Saatgut verfolgen wir eine ganz klare Wachstumsstrategie.» Es werde aber auch eine Fokussierung geben, also eventuell ein Verkauf von Geschäften, wie kürzlich das Zuckerrüben-Saatgutgeschäft. «Drittens werden wir Übernahmen tätigen und Partnerschaften eingehen», sagt Mäder. Syngenta interessiere sich auch für die Firmen, die andere Konzerne wie Bayer und Monsanto bei der Fusion aus kartellrechtlichen Gründen abgeben müssen.» Was die künftige Strategie anbelangt, präsentierte die Syngenta-Spitze wenig Neues. Vieles, was das Management gestern vorstellte, ist bereits bekannt. Immerhin: Einen Akzent will der Konzern punkto Digitalisierung setzen, was im heutigen Zeitalter auch nicht wirklich zu überraschen vermochte.

So hat Syngenta eine Software entwickelt, welche die Bauern mit Daten zu ihren Saatgütern, Bodentypen, Pflanzenschutzmitteln, Ernteerträgen und dergleichen füttern. Aus diesen Daten können die Bauern ableiten, wie sie den Anbau in den nächsten Jahren besser gestalten können.