Datenpanne

Vertraulichkeitserklärung für Kunden: Bank Coop schiebt Verantwortung ab

Nach dem Desaster mit den falsch zugestellten Kontoauszügen verlangt die Bank Coop von ihren Kunden fehlgeleitete Unterlagen «geheim zu halten». «Das grenzt an Einschüchterung» empört sich eine Kontoinhaberin. Experten nennen das Vorgehen «naiv».

Noch immer hält die Bank Coop unter dem Deckel, wie viele ihrer Kunden von der Datenpanne betroffen sind. «Wir werden vollständig informieren, sobald die Ergebnisse der unabhängigen Untersuchung vorliegen», sagt Sprecherin Natalie Waltmann, «auch über die Zahl der betroffenen Kunden.»

Letzte Woche musste das Geldhaus gestehen, dass wegen eines Software-Fehlers mehrere tausend Kunden Kontoauszüge von wildfremden oder sogar ihnen bekannten Personen erhalten haben.

Mehrere Schreiben verfasst

In einem den Kunden gestern zugestellten Brief entschuldigen sich CEO Andreas Waespi und die Leiterin des Geschäftsbereich Vertrieb, Sandra Lienhart, für die Panne.

Die Bank Coop verfasste mehrere Schreiben. Denn die einen Kunden erhielten nicht nur ihren Kontoauszug, sondern auch Unterlagen von Dritten. Andere erhielten einen falschen. Obendrein orientiert das Finanzinstitut auch diejenigen, welche gar keinen Auszug erhalten haben, dass sie von der Panne nicht betroffen sind. Denn der Versand wurde gestoppt, als der Fehler bemerkt worden ist. Bis Ende Woche sollten alle Kunden über ihren Kontoausweis verfügen.

Zurück an den Absender

CEO Waespi verspricht, «den damit verbundenen Aufwand nicht zu scheuen, falsch zugestellte Auszüge möglichst vollständig zurückzuerhalten». Die Empfänger der fehlgeleiteten Unterlagen müssen daher in einem Fragebogen angeben, wie sie mit den Unterlagen umgegangen sind. Obendrein sollen sie mit ihrer Unterschrift bezeugen, dass sie die Bank bei der «Schadensbegrenzung» unterstützen (siehe Ausriss) und bestätigen, von den Auszügen keine Kopien anzufertigen und die Informationen «geheim zu halten». Das stösst einer Kundin sauer auf: «Das grenzt an Einschüchterung. Das unterschreibe ich nicht.»

Diesen Fragebogen sollen Kunden der Bank Coop unterschreiben.

Diesen Fragebogen sollen Kunden der Bank Coop unterschreiben.

«Ziemlich naives» Vorgehen

Für den emeritierten Bankenprofessor Hans Geiger ist dieses Vorgehen «ziemlich naiv und obendrein fragwürdig»: «Damit macht die Bank Coop ihre Kunden zu Geheimnisträgern in einem Vorfall, für den sie nicht verantwortlich sind.» Er würde den Brief zu Hause ablegen: «Das Dokument würde ich nicht zurücksenden.»

Kunden unterstehen im Gegensatz zu Bankangestellten nicht dem Bankgeheimnis.

Gemäss Sprecherin Natalie Waltmann reagierten «mehr als 90 Prozent» der Kunden gemäss Rückmeldungen der Bankangestellten «sachlich und verständnisvoll». «Ein Teil ist verärgert», räumt sie ein: «Vereinzelt gab es Kündigungen von Konten.» Allerdings hätten die Kundengelder und die Vermögenswerte in Depots seit Jahresbeginn zugenommen.

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