Interimistisch übernimmt David Jacob, Mitglied des Verwaltungsrats, die CEO-Position. Gleichzeitig wurde die Suche nach einem neuen Gruppenchef eingeleitet.

Friedman und der Verwaltungsrat hätten sich "darauf geeinigt, dass der nächste Entwicklungsschritt des Unternehmens unter neuer Führung angegangen werden" solle, teilte GAM am Dienstag mit. Die Rolle von Interims-CEO Jacob sei es sicherzustellen, dass das Unternehmen die erforderlichen Massnahmen "so rasch als möglich" umsetzt, schreibt GAM. Weitere Informationen würden "zu gegebener Zeit" kommuniziert.

Kein Zeitrahmen

Der Brite Jacob ist seit April 2017 Mitglied des Verwaltungsrats und hatte laut Mitteilung bereits Führungspositionen bei anderen Vermögensverwaltern inne. Von 2014 bis 2016 war er CEO des Londoner Bondspezialisten Rogge Global Partners, der 2017 von Allianz Global Investors übernommen wurde.

Einen Zeitrahmen für die Suche nach einem neuen CEO habe sich GAM bewusst nicht gegeben, ergänzte ein Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP. "Wir wollen uns Zeit nehmen, um die beste Person zu finden." Dabei schaue sich GAM sowohl intern wie extern nach einem Nachfolger für Friedman um. Interims-CEO Jacob sei allerdings kein Kandidat.

GAM leidet unter Geldabflüssen in Milliardenhöhe, seitdem der Investment-Manager Tim Haywood Ende Juli nach Kritik an seinem Umgang mit dem Risikomanagement suspendiert worden war. In der Folge hatte GAM die Liquidierung der von Haywood betreuten Fonds beschlossen.

Per Ende September lagen die von GAM verwalteten Vermögen noch bei 146,1 Milliarden Franken gegenüber 163,8 Milliarden per Ende Juni, wie das Unternehmen Ende Oktober mitgeteilt hatte. Der Kurs der GAM-Aktie fiel Ende Oktober auf einen Tiefstwert von 5,37 Franken, nachdem sie im Februar 2018 noch bei über 18 Franken gehandelt worden war.

Kritik wegen hoher Löhne

Der GAM-Verwaltungsrat dankt Friedman in der Mitteilung für seine Leistungen. Er habe das Geschäft "während einer Zeit beispielloser Herausforderungen" kompetent geführt, hiess es. Während seiner Zeit als CEO habe er ein umfangreiches Umbauprogramm vorangetrieben. Und bei seiner Entscheidung im Juli, einen "Investment Director" zu suspendieren, habe er "die volle Unterstützung des Verwaltungsrates" gehabt.

Friedman übernahm das Amt des GAM-CEO im Herbst 2014. Er war aber unter anderem auch wegen hoher Lohnbezüge immer wieder in die Kritik geraten. Im Jahr 2017 hatte die GAM-Generalversammlung nach scharfer Kritik eines Hedgefonds gar die Management-Vergütungen abgelehnt.

Zu allfälligen Abgangsentschädigungen für Friedman wollte der GAM-Sprecher am Dienstag keine Angaben machen. Über die Entschädigungen werde man bei der Publikation des Vergütungsbericht im kommenden Jahr informieren, sagte er.