Von Martin Platter

Der vor einem halben Jahr neu gegründete Verein «Zugwest», einem Zusammenschluss der Gewerbetreibenden im Wirtschaftsraum Cham, Hünenberg und Risch-Rotkreuz, scheute keinen Aufwand für seinen ersten Unternehmeranlass. Unter dem Titel «A4 Knonaueramt - Fluch oder Segen?» wurde eine Studie beim Institut für Betriebs- und Regionalönonomie (IBR) der Hochschule Luzern in Auftrag gegeben. Der Institutsleiter, Prof. Dr. Christoph Hauser, stellte die Kernpunkte zu Beginn des Anlasses am Mittwochabend im Chamer Lorzensaal vor. Danach diskutierten der Zuger Regierungsrat und Baudirektor Heinz Tännler, der Amtsleiter Wirtschaft, Berhard Neidhart, der Hünenberger Gewerbevereinspräsident Fabian Bucher, Jürg Erismann, Direktor von Roche Diagnostics und Martin Rauber, Direktor der Chamer Andreas Klinik unter der Leitung von Tagesschau-Moderatorin Cornelia Boesch über die möglichen Auswirkungen der Autobahneröffnung. Interessant war auch die Meinung des Publikums, die mittels elektronischer Abstimmung zu vorgegebenen Fragen eingeholt wurde und aus der Boesch weitere Fragen an die Podiumsteilnehmer extrahierte.

Pendlerstrom wird zunehmen

Das E-Voting stützte die Vorhersagen Hausers bezüglich Mehrverkehrs deutlich (Bericht auf der Frontseite). Tännler und Neidhart lieferten nach Hausers Referat die konkreten Zahlen. Bereits heute weist der Kanton Zug bei 110000 Einwohnern 83000 Beschäftigte auf, wovon ein Drittel Pendler sind. Die Gründe dafür dürften in erster Linie bei den tiefen Steuern liegen. Sie führen zu einem ausgetrockneten Wohnungsmarkt was wiederum die Preise anheizt. Dieser Trend wird sich fortsetzen, trifft die Prognose von Tännler ein, der mit 125000 Einwohnern bis 2020 und gar 140000 bis 2040 rechnet. «Wir wollen keine Zersiedlung wie im Limmattal und streben ein klare Trennung zwischen Wohn- und Arbeitsraum an. Mit unseren Raum- und Richtplänen werden wir kein Desaster wie im Limmattal erleben», ist Tännler überzeugt. Raumplanung dürfe aber nicht an der Kantonsgrenze aufhören. Er wünsche sich deshalb eine intensivere Zusammenarbeit mit den Nachbarkantonen, die teilweise schon angelaufen sei.

«Die Wohnungspreise sind schon jetzt am oberen Ende», bestätigte Neidhart. Die Steuern seien entscheidend, das Mobilitätsbedürfnis dagegen sehr individuell. Gemäss Neidhart hat die Mittelschicht besonders unter den hohen Mietzinsen zu leiden. Zug habe die mittleren Einkommen deshalb steuerlich entlastet.

Gute Schulen fördern Attraktivität

Erismann betonte die Wichtigkeit eines leicht erreichbaren Flughafens. Roche wickle pro Jahr mehr als 2000 Flüge über Kloten ab. Ebenso notwendig für einen attraktiven Standort seien aber auch gute Schulen und eine ebensolche Infrastruktur. Es sei jedoch nicht einfach, als Firma auf die Konzepte des öffentlichen Verkehrs Einfluss zu nehmen, da es verschiedene Ansprechpartner gebe. Diese Schwierigkeiten hätten ihn als Basler erstaunt. Am Rheinknie gebe es schon seit dreissig Jahren Kooperationen im öffentlichen Verkehr sogar über die Landesgrenze hinaus mit Deutschland und Frankreich.

Immerhin: Der Hünenberger Gewerbevereinspräsident Bucher sieht keine Gefahr wegen vermehrter Konkurrenz, «denn das würde bedeuten, dass wir schlechter sind aus die Auswärtigen», wie er meinte. Er sei sich aber sehr wohl bewusst, dass der Kampf härter werde. Wichtig sei deshalb, dass auch der Individualverkehr nicht zum Erliegen komme.