Die Gewerkschaften hätten stets diktiert, über welche Punkte verhandelt werde, sagte Werner Messmer, Zentralpräsident des Schweizerischen Baumeisterverbands, der Nachrichtenagentur SDA am Donnerstag. Eine Zwischenbilanz habe gezeigt, dass die Baumeister den Gewerkschaften in sieben oder acht Punkten entgegenkämen, die Gewerkschaften den Baumeistern aber nur in einem.

"Das ist kein Paket. Das Verständnis, dass Verhandlungen immer ein Geben und Nehmen sind, fehlt den Gewerkschaften völlig", sagte Messmer. Er wirft den Arbeitnehmervertretern vor, mit dem Scheitern der Verhandlungen einen vertragslosen Zustand in Kauf zu nehmen. "Das ist sicher nicht im Interesse ihrer Mitglieder."

"Leute gehen kaputt"

Die Gewerkschaften sehen dies anders. In der aktuellen Baukonjunktur werde immer mehr Arbeit von immer weniger Leuten gemacht. "Dabei gehen die Leute kaputt", sagte Nico Lutz von der Gewerkschaft Unia auf Anfrage.

"Wir müssen für diese Probleme Lösungen finden. Und wir haben den Baumeistern immer gesagt, dass es keinen neuen Vertrag zum Nulltarif gibt." Darum hätten es die Gewerkschaften auch abgelehnt, den noch bis Ende Jahr geltenden Landesmantelvertrag zu verlängern.

Stattdessen fordern sie besseren Kündigungsschutz und Lohnfortzahlung bei Krankheit, Unfall und Schlechtwetter. Zudem verlangen die Gewerkschaften Massnahmen gegen Lohndumping und Schwarzarbeit, etwa eine Solidarhaftung der grossen Unternehmen mit Subunternehmen. Die Löhne sollen 2012 generell um 100 Franken pro Monat erhöht und zusätzlich der Teuerungsausgleich gewährt werden.

Die Baumeister haben 1 Prozent Lohnerhöhung und einen Teuerungsausgleich von 0,5 Prozent angeboten. Die Gewerkschaften werfen ihnen Wortbruch vor, weil sie bei den Verhandlungen vom Mittwoch ein besseres Angebot zurückgezogen haben. Messmer lässt dies nicht gelten: Verhandeln könne man über alles, beurteilt werde am Schluss das Paket. "Nur weil wir über etwas reden, haben wir nicht schon zugestimmt", sagte er.

Zurück auf Feld eins

Nach neun Monaten sind die Verhandlungen zwischen den Sozialpartnern damit zurück auf Feld eins. Beide Seiten wollen in den nächsten Wochen Bilanz ziehen. Wie es danach weitergeht, ist unklar. Fest steht, dass mindestens in den ersten Monaten des nächsten Jahres im Baugewerbe kein allgemeinverbindlicher Landesmantelvertrag gilt.