Warten auf superreiche Zürcher

Vergebliches Warten auf superreiche Zürcher

Noch haben die reichen Ausländer von der Zürcher Goldküste den Mutschellen nicht als Steuerparadies entdeckt.

Goldküste

Noch haben die reichen Ausländer von der Zürcher Goldküste den Mutschellen nicht als Steuerparadies entdeckt.

Was in Zürich seit Anfang Jahr nicht mehr möglich ist, geht im Aargau. Reiche Ausländer können Steuerdeals abschliessen. Das Angebot wird aber kaum wahrgenommen.

Dino Nodari

Seit Anfang Jahr gibt es für wohlhabende Ausländer im Kanton Zürich keine Pauschalbesteuerung mehr. Viele der etwa 200 Pauschalbesteuerten haben deshalb schon ihre Koffer gepackt und haben die steuergünstigen Gemeinden an der Goldküste verlassen. Auf den an Zürich angrenzenden Mutschellen und ins Kelleramt zieht es die Superreichen jedoch noch nicht. «Bisher haben wir noch keine Anfrage erhalten», erklärt Andreas Glarner. Der Gemeindeammann von Oberwil-Lieli rechnet aber damit, dass sein Dorf eine Steuerfluchtgemeinde werden könnte. Er würde diese neuen Einwohner mit offenen Armen aufnehmen und ist überzeugt, dass solch gute Steuerzahler allen im Dorf etwas bringen würden. Die Pauschalbesteuerung sieht er nicht als Ungerechtigkeit, da eine Person, die davon profitiere, auch kein Einkommen in der Schweiz haben dürfe. Erfahrungen mit Pauschalbesteuerten Ausländern hat Andreas Glarner bereits. In Oberwil-Lieli wird derzeit bereits eine Person so besteuert.

Werbeaktionen bei den Zürcher Pauschalbesteuerten will man weder in Oberwil-Lieli noch in Berikon machen. Auch in Berikon gab es noch keine Anfragen. Gemeindeammann Stefan Bossard hofft aber, dass sich noch Pauschalbesteuerte aus Zürich auf dem Mutschellen niederlassen wollen. «Es ist im Interesse aller, gute Steuerzahler zu haben.» Allerdings glaubt Bossard nicht, dass es einfach wäre, diese Leute nach Berikon zu locken. «Man müsste ihnen auch entsprechende Wohnlagen bieten können und da sind wir im Moment beschränkt.» Eine Zeit lang habe es in Berikon einen Pauschalbesteuerten gegeben, erzählt Steueramtsvorsteher Philipp Räber. Diese Person habe dies aber vorsorglich gemacht und letztlich doch jedes Jahr eine Steuererklärung eingereicht.

Am Rande der Gemeinderatssitzungen sei die Pauschalbesteuerung schon einige Male thematisiert worden, erklärt der Joner Gemeindeschreiber Arnold Huber. Er verhehlt nicht, dass die Meinungen im Gemeinderat zu diesem Thema auseinandergehen. Bisher hat die Kellerämter Gemeinde noch keine Erfahrungen mit Pauschalbesteuerten gemacht. Und bis jetzt seien auch noch keine Anfragen eingegangen. «Auf jeden Fall wird es eine grosse Herausforderung sein, wenn sich jemand melden sollte.»

Elf Pauschalbesteuerte leben derzeit im Kanton Aargau. Alle Steuerdeals gehen über den Tisch von Max Ledergerber vom kantonalen Steueramt. Er bestätigt, dass bisher der Run auf den Aargau ausgeblieben ist. Erst eine konkrete Anfrage habe es seit dem Entscheid von Zürich gegeben. «Im Aargau hat die Pauschalbesteuerung auch keinen grossen Stellenwert und es sind nicht die superreichen Ausländer, die hier leben», sagt Ledergerber. Von einer wirtschaftlichen Bedeutung könne nicht gesprochen werden. Da für die Besteuerung der Wohnsitz am Jahresende massgebend ist, haben die «Zürcher» noch Zeit. Allerdings geht Ledergerber nicht davon aus, dass sich im Verlauf des Jahres noch viele Pauschalbesteuerte melden werden.

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