Eigentlich hat sich Ingvar Kamprad (84) aus dem Unternehmen Ikea zurückgezogen. Jetzt zeigt aber ein TV-Bericht, dass der Schwede immer noch die Macht über das Möbelhaus ausübt. Dies mittels einer milliardenschweren Stiftung in Liechtenstein. Dabei soll Kamprad auch Steuerschlupflöcher ausnützen.

Geheime Stiftung gegründet

Gemäss einem gestern ausgestrahlten , zweiteiligen Bericht des schwedischen Fernsehsender SVT sind alle Tochtergesellschaften und Niederlassungen von Ikea unter dem Dach der Interogo Foundation mit Sitz in Vaduz zusammengefasst. Unter «völliger Geheimhaltung» sei die Stiftung vor 20 Jahren gegründet worden. Dies bestätigt auch ein Blick in das liechtensteinische Öffentlichkeitsregister: Die Interogo Foundation wurde 1989 gegründet. Das Vermögen wird auf 100 Milliarden Kronen (rund 15 Milliarden Franken) geschätzt.

Ingvar Kamprad hat die Existenz der Stiftung gegenüber der Nachrichtenagentur TT bestätigt. Die Stiftung Interogo in Liechtenstein werde zwar von seiner Familie kontrolliert, aber von einem Gremium von Aussenstehenden geleitet. Weder er noch seine Familie übten noch irgendeine Kontrolle über Ikea aus, versicherte Kamprad. Zweck der Interogo Foundation sei es, sämtliche Vermögenswerte von Ikea zusammenzufassen und das Fortbestehen des Konzerns langfristig zu sichern.

15 Millionen Franken Steuern gespart

Die Fernsehjournalisten vermuten jedoch, dass es auch um Steueroptimierung gehe. Gemäss dem TV-Beitrag entgehen den Finanzbehörden durch die Konzernstruktur pro Jahr bis zu 15 Millionen Franken an Steuereinnahmen. Seit 1976 lebt Kamprad in der Schweiz. Dies, weil er die hohen Steuern in Schweden nicht bezahlen wollte. In seiner Stellungnahme zum TV-Bericht teilte er mit, dass Ikea die Gesetze befolge und seine Steuern bezahle.

1,5 Millionen Zuschauer

Die Reaktionen auf die Ausstrahlung in Schweden waren heftig, wie der Sender SVT auf seiner Homepage schreibt. Mehr als 1,5 Millionen Menschen haben den Bericht in Schweden am Fernsehen mitverfolgt. Wie sehr Ikea der schwedischen Seele entspricht, zeigen auch die Kommentare von Zuschauern. Von einer Hexenjagd gegen den Ikea-Gründer ist da die Rede und auch davon, dass man Ingvar Kamprad in Ruhe lassen soll, schliesslich habe er viel für Schweden getan.

Ein anderer Zuschauer schreibt, dass das angeblich versteckte Geld Kamprad gehöre und es daher völlig irrelevant sei, wo das Geld gebunkert sei. Die Redaktion rechtfertig sich auf der Homepage, dass Ikea eine Macht in Schweden und der Welt sei und diese Macht sei bisher kaum je kritisch hinterfragt worden. (dno)