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Verdacht auf Mobbing gegen Frauen: Nationalbank-Aufseher wollen handeln

Die Aufarbeitung einer Serie von Sexismus-Vorfällen innerhalb des Noteninstituts nimmt Gestalt an. Bankratspräsidentin Barbara Janom Steiner bildet einen fünfköpfigen Spezialausschuss.

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Barbara Janom Steiner, Präsidentin des Bankrates der Nationalbank, will mit Hilfe eines Ad-hoc-Ausschuss die personalpolitischen Prozesse des Noteninstituts überprüfen.

Barbara Janom Steiner, Präsidentin des Bankrates der Nationalbank, will mit Hilfe eines Ad-hoc-Ausschuss die personalpolitischen Prozesse des Noteninstituts überprüfen.

Peter Klaunzer / KEYSTONE

Seit drei Monaten steht der Vorwurf im Raum, dass Frauen bei der Nationalbank diskriminiert und sogar gemobbt werden. Mehr als ein Dutzend Zeuginnen hatten ihre persönlichen Erfahrungen im Herbst mit Journalisten des Onlinemagazins «Republik» geteilt. Der Bericht nannte mehrere Beispiele von ­Sexismus, die sogar Verletzungen des Arbeitsgesetzes beinhaltet haben könnten.

So sei eine hochkarätige Bewerberin in unzulässiger Weise nach ihrem aktuellen Lohn befragt worden. In einem anderem Fall sollen die Nationalbank-Chefs den Beteuerungen einer Bewerberin misstraut ­haben, ein ausgeschriebenes Teilzeitpensum tatsächlich leisten zu können. Statt ihre Bestätigung zum Nennwert zu nehmen, sei sie in argwöhnischer Weise auf ihre familiäre Situation befragt worden.

«Kein systemisches Versagen»

Die Anwürfe sind umso gravierender, als sie laut den Republik-Journalisten von systematischer Natur seien. Barbara Janom Steiner, die Präsidentin des für die Aufsicht und die Kontrolle des Geschäftsbetriebs zuständigen Bankrates, räumt im Gespräch mit dieser Zeitung erstmals ein, dass es im Umgang mit Mitarbeitenden tatsächlich zu Fehlern gekommen sei. Solche seien unter anderem bei Personalgesprächen gemacht worden, sagt die ehemalige Graubündner Regierungsrätin.

Der Bankrat habe in Zusammenarbeit mit der Personalabteilung und dem Compliance-Verantwortlichen der Nationalbank alle seit 2014 dokumentierten Fälle analysiert. Dabei seien nur wenige und keine gravierenden Vorkommnisse ans Licht gekommen. Von einem systemischen Versagen der Personalpolitik könne deshalb nicht gesprochen werden, widerspricht die Präsidentin den ersten Behauptungen der Republik.

Ad-hoc-Ausschuss einberufen

Dennoch will der Bankrat handeln und die internen Prozesse bei Anstellungen, Beförderungen, Lohnfestlegung und dem Meldewesen «gründlich überprüfen», wie Janom Steiner unterstreicht. Auch werde die Personalpolitik der Bank bezüglich Diversität und der Vereinbarkeit von Beruf, Privatleben und Familie weiterentwickelt. Dafür hat der Bankrat einen Ad-hoc-Ausschuss unter Führung von Janom Steiner und unter Mitwirkung von Unia-Chefin Vania Alleva ins Leben gerufen. Letztere ist Mitglied des Bankrats.

Die Ergebnisse, die sich aus dieser internen Überprüfung ergeben, würden externen Experten zur «Validierung und wenn nötig auch zur Zertifizierung» vorgelegt, sagt Janom Steiner. Für die Option, auch die kritischen Fälle durch externe Stellen vertieft analysieren zu lassen, habe sich aufgrund der bisher gewonnen Erkenntnisse keine Notwendigkeit gezeigt.

Gemäss Janom Steiner dürften die Arbeiten das gesamte kommende Jahr in Anspruch nehmen. Möglicherweise würde dies auch dazu führen, dass die Bank ihr Leitbild, den Verhaltenskodex und Reglement anpassen müsse. Jürg ­Wyser, Mitbegründer der Beratungsgesellschaft «n-sure», die grosse Konzerne im ­ In- und Ausland bei der Durchsetzung von Verhaltensnormen berät, hatte den Verhaltenskodex der Nationalbank im Oktober auf Anfrage unserer Zeitung als «inhaltslos» und «voller Plattitüden» kritisiert.