Normalerweise gibt die Technik-Messe CES in Las Vegas den Ton an für Neues aus der Unterhaltungselektronik, neue Fernseher etwa oder Spielekonsolen. Doch seit einigen Jahren ist die grösste Fachmesse für Unterhaltungselektronik auch zur Bühne für selbstfahrende und elektrische Autos geworden.

In diesem Jahr sorgte eine Firma für besonders grosses Aufsehen: Byton. Das chinesische Startup präsentierte erstmals einen Prototyp seines Elektro-SUV. Was die deutsche Konkurrenz besonders erzittern lassen dürfte: Im Top-Management, in der Technik- sowie der Designabteilung sitzen ehemalige BMW-Manager. Auch Entwickler von Tesla, Apple und Google hat das chinesische Unternehmen zu sich geholt.

Günstiger als die Konkurrenz

«Design und Fahrzeugkonzept machen wir in München, Elektronik und autonomes Fahren im Silicon Valley. Einkauf, Lieferkette und Produktion sind in China», erläuterte Mitbegründer und Chef Carsten Breitfeld in Las Vegas. Rund 45 000 Dollar soll der Byton-SUV kosten – und damit deutlich günstiger sein als die Konkurrenz aus Deutschland oder den USA. «In China ist eine sehr grosse Mittelklasse unterwegs, die so viel Geld für ein Auto ausgeben will und kann», sagte Breitfeld. Zudem: Mit massiver staatlicher Förderung sei China zum wichtigsten Markt für Elektroautos geworden.

Dabei fristete vor kurzem auch in der Volksrepublik der Markt für Elektroautos ein Nischendasein. Seit Jahren ist es zwar erklärter Wille der chinesischen Regierung, den Anteil batteriebetriebener Fahrzeuge deutlich zu erhöhen. Doch den meisten Chinesen war eine hohe PS-Zahl wichtiger als niedrige Abgaswerte. VW, Daimler und die anderen Autobauer sahen wenig Anlass, ihre Fahrzeugpalette umzustellen, solange sich ihre benzingetriebenen Gefährte weiter gut verkauften.

Ladestationen und Verbote

Nun erhöht die chinesische Regierung aber den Druck. Zum Jahreswechsel hat Peking den Bau von 553 Automodellen verboten. Begründung: Die Fahrzeuge schluckten zu viel Benzin. In den Monaten zuvor hat die Regierung bereits eine Reihe von Massnahmen beschlossen, die zum Ziel haben, den Anteil von Elektro- und Hybridautos im Land deutlich zu erhöhen. Zehntausende Ladestationen werden landesweit errichtet, neue Regeln verabschiedet, die den Kauf von Elektroautos begünstigen. In einigen Städten wie etwa Peking oder Schanghai ist es praktisch unmöglich, für einen neuen Benziner ein Nummernschild zu ergattern. Nicht hingegen für Elektroautos.

Die Strategie scheint aufzugehen. 2017 fanden über 777 000 Autos mit neuer Antriebsform einen chinesischen Käufer, ein Plus von 53 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Mehr als die Hälfte des Weltmarkts fällt damit derzeit auf China. Doch das reicht der Führung in Peking nicht. Sie will, dass bis 2020 landesweit mindestens fünf Millionen reine Elektroautos auf Chinas Strassen fahren.

Um diese Entwicklung zu beschleunigen, greift sie zu drastischen Mitteln. So hat sie eine Produktionsquote für Elektroautos vorgegeben, die ab dem kommenden Jahr gelten soll. Fast jedes vierte in China hergestellte Auto muss dann mit einem Elektromotor betrieben werden. Erfüllt der Hersteller diese Vorgabe nicht, wird eine Strafe fällig.

Volkswagen fügt sich

Die deutschen Autobauer in China müssen sich nun ranhalten. Hatte sich Marktführer Volkswagen erst gegen die Elektroquote der chinesischen Regierung gestellt, begrüsst der Wolfsburger Konzern sie nun – und holt plötzlich jede Menge Pläne aus der Schublade. In den kommenden sieben Jahren will VW rund 40 Fahrzeugmodelle mit alternativen Antrieben produzieren – 25 Modelle mehr als noch vor kurzem vorgesehen.