Wirtschaft

Verbaut sich UBS-Chef Sergio Ermotti den Aufstieg?

UBS-Chef Sergio Ermotti hat eine schlechte Woche hinter sich.

UBS-Chef Sergio Ermotti hat eine schlechte Woche hinter sich.

Jüngste Turbulenzen sind ein Dämpfer für den Karriereplan des UBS-Chefs, in den Verwaltungsrat aufzurücken.

Der UBS-Chef Sergio Ermotti hat eine schlechte Woche hinter sich. Zuerst gab er Quartalszahlen bekannt, die bei näherer Betrachtung mehr Schatten als Licht zeigten. Der nächste Tiefschlag folgte am Freitag mit dem Urteil des Bundesgerichts, das einer der umfangreichsten Kundendatenlieferungen an einen ausländischen Staat guthiess.

Die oberste Führung der grössten Schweizer Bank versagt gleich auf zwei Ebenen. Im Kerngeschäft gelingt es ihr nicht, nachhaltige Erträge zu generieren. Das trifft besonders die Kernsparte Vermögensverwaltung, deren Erträge schneller sinken als die Kosten.

Aber auch im politischen Gelände lassen CEO Ermotti und Verwaltungsratspräsident Axel Weber Trittsicherheit vermissen. Die Bank muss sich vorwerfen lassen, nicht schon früher mit den Franzosen einen Vergleich gezogen zu haben. Stattdessen steht nun eine Zahlung von fünf Milliarden Franken ins Haus.

«Anleger lassen zu Recht die Finger von Bankaktien»

Dass der Bankführung derzeit wenig gelingt, lässt sich auch am Aktienkurs ablesen. Dieser sackte in den letzten 12 Monaten von 16,5 Franken auf knapp über 11 Franken ab. Wenn selbst eine angepeilte Dividendenrendite von sechs Prozent die Anleger nicht zum Kaufen anregt, dann liegt einiges im Argen. Für Matthias Geissbühler, Anlagechef der Raiffeisen, ist die Erklärung für die Ausverkaufsstimmung einfach: Mit einer Gesamtrendite von minus 34 Prozent (inklusive Dividenden) über die letzten 20 Jahre würden die Anleger «wohl zu Recht die Finger von Bankaktien» lassen, schrieb er auf Twitter. Sein brutales Fazit: «Die Banken zerstören Wert und sind für langfristige Anleger nicht investierbar.»

Dass nun auch noch ein Verwaltungsratsmitglied letzte Woche insgesamt 72 000 Aktien veräusserte, dürfte im Markt ebenfalls nicht als Zeichen des Vertrauens gewertet werden (siehe Box).

Für den langjährigen Lenker der UBS wird es immer schwieriger, einen passenden Zeitpunkt für seinen Rücktritt zu finden. Im Februar kursierten Namen für die Nachfolge von Ermotti, der seit 2011 an der Spitze der Bank steht. Äusserungen von Präsident Weber, wonach die Bank Gespräche mit Kandidaten führe, heizten die Spekulationen zusätzlich an. Schon damals schrieb diese Zeitung, dass Ermotti in den Verwaltungsrat aufrücken und in zwei Jahren Axel Weber als Präsident ablösen könnte. Findet die UBS nicht bald aus der Abwärtsspirale, ist dieses Wunschszenario vor den Aktionären kaum zu rechtfertigen.

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Autor

Beat Schmid

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