Medizin
USA wählen Schweizer Medikament für grossen Test gegen Alzheimer

Gegen Alzheimer gibt es bis heute keine Heilung. Der Basler Pharmakonzern Roche hat einen möglicherweise bahnbrechenden Erfolg bei der Entwicklung eines Medikaments erzielt, das nun in den USA getestet wird.

Peter Burkhardt
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Roche hat Grosses vor im Alzheimer-Medikamente-Segment (Symbolbild)

Roche hat Grosses vor im Alzheimer-Medikamente-Segment (Symbolbild)

Keystone

Der Basler Pharmakonzern Roche hat einen möglicherweise bahnbrechenden Erfolg bei der Entwicklung eines Alzheimer-Medikaments erzielt. Das US-Gesundheitsministerium hat die Tochtergesellschaft Genentech letzte Woche mit dem weltweit ersten Test an Menschen beauftragt, die noch gesund sind, aber aufgrund ihrer genetischen Veranlagung mit höchster Wahrscheinlichkeit an Alzheimer erkranken werden. Roche hat 25 Rivalen ausgestochen, weil ihr Medikament weniger Nebenwirkungen verursacht.

Gegen Alzheimer gibt es bis heute keine Heilung. Die Forschung läuft auf Hochtouren, doch zurzeit werden die meisten Versuche bei Patienten durchgeführt, die bereits an einer leichten bis mittelschweren Form von Alzheimer leiden. Dann ist es aber laut Experten zu spät, um die Krankheit wirkungsvoll zu bekämpfen.

Für den ganz anders gelagerten Test von Roche wurde eine weitverzweigte kolumbianische Grossfamilie ausgewählt, deren rund 5000 Mitglieder aufgrund einer Genmutation in der Regel ab 45 Jahren geistig stark abbauen und ab Anfang 50 stark dement sind. Rund 300 vorwiegend jungen Familienmitgliedern, die in Kolumbien und in den USA leben, soll nun das von Roche entwickelte Medikament Crenezumab verabreicht werden. Dieses verhindert die Bildung von Ablagerungen im Hirn, welche als Auslöser der Krankheit gelten.

Der Test kostet rund 100 Millionen US-Dollar und soll fünf Jahre dauern. Die staatliche US-Forschungsbehörde National Institutes of Health beteiligt sich mit 16 Millionen Dollar. Dies im Rahmen des «nationalen Alzheimer-Plans», den die US-Regierung Mitte Mai ankündigte, um die Krankheit bis 2025 auszurotten. Roche selber steuert 65 Millionen bei, das private Banner Alzheimer’s Institute 15 Millionen. Mit den National Institutes of Health arbeitet Roche bereits bei der kürzlich gestarteten Erforschung des weltweit ersten Aids-Impfstoffs zusammen.

Den Wirkstoff, der nun eingesetzt wird, hat das kleine Schweizer Biotechunternehmen AC Immune entdeckt und 2006 an Genentech auslizenziert. Dafür erhielt das in Lausanne ansässige Unternehmen bedeutende Vorabzahlungen, zuletzt vor einem Jahr. Laut Firmenchefin Andrea Pfeifer winken AC Immune im Erfolgsfall Einnahmen von über 300 Millionen Dollar.

Sollte das Produkt vermarktet werden, erhält die Firma zudem von Genentech Lizenzgebühren in nicht genannter Höhe. «Wir sind sehr stolz, dass der mit unserer Technologieplattform entwickelte Antikörper als erster Arzneimittelkandidat in der Geschichte für eine Präventionsstudie zur Behandlung der Alzheimerschen Krankheit ausgewählt worden ist», sagt Pfeifer.

Schafft Roche als erste Pharmaherstellerin den Durchbruch, winken riesige Umsätze. Allein in der Schweiz leben zurzeit rund 107000 Alzheimer-Patienten. Weltweit sind es schätzungsweise 36 Millionen. Die jährlichen Kosten werden auf 150 Millionen Dollar geschätzt. Bis zum Jahr 2050 rechnet die Weltgesundheitsorganisation mit 106 Millionen Demenzkranken.

Roche selbst investiert laut Verwaltungsratspräsident Franz Humer einige hundert Millionen in die Forschung im Bereich des Zentralnervensystems. Dazu gehören auch Demenzkrankheiten. «Es ist sicher eines der wichtigsten zukünftigen Therapiegebiete», sagt Humer. «Ich glaube, dass wir bei der Erforschung des Zentralnervensystems etwa dort sind, wo die Krebsforschung vor 15 Jahren war.»

Die meisten Pharmakonzerne forschen an Medikamenten gegen Alzheimer – bis jetzt ohne Erfolg. Novartis hat einen Kandidaten in der zweiten klinischen Phase und rechnet mit der Marktreife frühestens im Jahr 2016.

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