Kapselstreit

US-Multi greift Nestlés Nespresso-Kaffeekapseln an

Das Original: Kaffeekapseln von Nespresso

Das Original: Kaffeekapseln von Nespresso

Nahrungsmittelmulti Nestlé bekommt beim Geschäft mit den Kaffeekapseln neue Konkurrenz. Der US-Multi Mondelez will Mitte Jahr seine Kapseln auch in Europa anbieten. Und auch die MIgros baut aus: Sie erweitert den Produktionsstandort im Baselbiet.

Nun fordert auch der US-Rivale Mondelez Nestlé heraus: In der zweiten Jahreshälfte will das nach eigenen Angaben weltweit zweitgrösste Kaffee-Unternehmen in der Schweiz, in Deutschland, Frankreich und Österreich für das Nespresso-System kompatible Kaffeekapseln lancieren.

Das Geschäft mit portioniertem Kaffee verzeichnete in Westeuropa in den vergangenen Jahren Wachstumsraten von nahezu 20 Prozent und könnte 2016 ein Drittel des Kaffee-Marktes ausmachen, erklärte Roland Weening, Marketingchef für Kaffee bei Mondelez.

Starke Stellung von Migros

Erfolgreich im Geschäft mit Nespresso-kompatiblen Kapseln ist die Migros-Tochter Delica. Sie produziert die Kapseln der Marke «Café Royal». Nach eigenen Angaben hat sie damit in der Schweiz inzwishen einen Marktanteil von 51 Prozent erreicht und ist damit Marktführerin.

Delica stellt nicht nur Nespresso-Kopien her, sondern auch die Kapseln fürs Migros-eigene System namens Delizio. Delica setzte im letzten Jahr mit seinen Produkten rund 150 Millionen Franken um, wie das Unternehmen am Dienstag bekannt gab.

Migros baute wegen der grossen Nachfrage in Birsfelden BL die Produktionskapazitäten aus. Es entstanden rund 20 neue Arbeitsplätze. Insgesamt beschäftigt die zweitgrösste Kaffeerösterei der Schweiz heute 295 Mitarbeitende.

Hart umkämpfter Markt

Gewichtige Player sind nebst der Migros-Tocher Denner. Der Discounter, der heute ebenfalls zur Migros gehört, verfügt laut Delica über einen Marktanteil von 39 Prozent bei den kompatiblen Kapseln.  

Wie gross der Anteil von Nestlé ist, ist nicht bekannt. Das Unernehmen gibt keine Zahlen für die Schweiz bekannt. Die Angaben, die die Migros-Tochter zu den Marktanteilen macht, sind allerdings mit Vorsicht zu geniessen.

Delica stellte jedenfalls selbst fest, dass die Stellung des Marktführers Nestlé praktisch unangreifbar sei. Mit eigenen geschlossenen Systemen könne man mit der starken Position der Marke Nespresso im Kaffeekapselmarkt nicht mithalten.

Migros-Systeme legt ebenfalls zu

Das Migros-eigene System Delizio hat im vergangenen Jahr ebenfalls zugelegt. Die Verkaufszahlen legten um 7 Prozent zu, es wurden damit über 100'000 Maschinen abgesetzt. Das Wachstum bei den Nespresso-Kopien «Café Royal» habe damit Delizio nicht geschwächt, bilanziert Delica.

Allerdings: Mit Maschinen werden kein Gewinne gemacht, wie die Migros schreibt. Die Anschaffung einer Kapselmaschine sorge aber für Kundentreue durch den Kapselkonsum. Für die nächsten Jahre wird mit einem anhaltenden Umsatzwachstum im Kapselmarkt gerechnet.

Auch Mondelez verfügt über ein eigenes Kapselsystem. Mit Tassimo können neben Kaffee auch Tee und Schokolade-Heissgetränke zubereitet werden.

Wettbewerb tobt

Der Wettbewerb in der Kaffeebranche tobt seit längerem. Gegen Unternehmen wie Ethical Coffee und Denner, die billigere Konkurrenz-Kapseln für das Nespresso-System auf den Markt brachten, ging Nestlé in der Vergangenheit gerichtlich vor - bisher allerdings ohne Erfolg.

Vergangene Woche kündigten Tchibo und der italienische Kaffeemaschinenhersteller Saeco an, künftig gemeinsam Maschinen für Kaffeekapseln verkaufen und Nespresso stärker Konkurrenz machen zu wollen.

Nestlé baut in Schwerin

Nestlé lässt derzeit für seine anderen Kaffeekapseln der Marke «Dolce Gusto» für 220 Million Euro ein neues Werk in Schwerin bauen, in dem ab 2014 jährlich zwei Milliarden Kapseln hergestellt werden sollen.

Mitte April hatte zudem die deutsche Milliardärsfamilie Reimann den 7,5 Mrd. Euro schweren niederländischen Kaffeepad-Hersteller D.E. Master Blenders geschluckt, zu dem Marken wie Senseo-Kaffeepads und Pickwick Tee gehören.

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