Chemiekonzerne
US-Hedgefonds wollen Clariant-Fusion mit Huntsman verhindern

Zwei US-Investoren wehren sich gegen die Fusion der Chemiekonzerne Clariant und Huntsman aus den USA verhindern. Grossaktionäre von Clariant stellen sich deshalb hinter den Zusammenschluss. Mit der Offensive steht zwar noch kein Konkurrenz-Angebot. Aber die Spekulationen zu einem lukrativeren Übernahmedeal sind im Gang.

Andreas Möckli Und DAniel Zulauf
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Bei der Ankündigung der Fusion war für Clariant-Chef Hariolf Kottmann und Peter Huntsman noch alles in Ordnung. Arnd Wiegmann/Reuters

Bei der Ankündigung der Fusion war für Clariant-Chef Hariolf Kottmann und Peter Huntsman noch alles in Ordnung. Arnd Wiegmann/Reuters

REUTERS

Zwei amerikanische Hedgefonds funken den Chemiefirmen Clariant und Huntsman dazwischen. Ende Mai gaben der Baselbieter Konzern und das US-Unternehmen die Fusion zu einem 20 Milliarden Dollar schweren Unternehmen bekannt. Wenig deutete bisher darauf hin, dass das Vorhaben noch scheitern könnte.

Doch nun haben die in der breiten Öffentlichkeit wenig bekannten US-Investmentgesellschaften Corvex und 40 North Management zusammen 7,2 Prozent aller Clariant-Aktien gekauft, um Stimmung gegen die Fusion zu machen. Diese werde dem Wert der Clariant-Aktien nicht gerecht und sei strategisch wenig sinnvoll, teilten sie in der Nacht auf Dienstag mit.

Clariant solle deshalb nach Alternativen Ausschau halten. Und diese gebe es durchaus, finden die beiden Hedgefonds. Jedoch habe der Verwaltungsrat diese offenbar nicht seriös geprüft. Laut glaubwürdigen Medienberichten habe es wiederholt Interesse an einzelnen Divisionen von Clariant oder an der Firma als Ganzem gegeben, schreiben 40th North und Corvex. So zirkulierte etwa vor gut zwei Jahren das Gerücht, dass der deutsche Chemiekonzern Evonik an Clariant interessiert sei.

Einer, der weiss, wie es geht

Treiber hinter dem Vorstoss der beiden Hedgefonds ist offenbar die US-Firma Standard Industries. Sie ist Eigentümerin von 40th North, die sie als ihr Investmentvehikel bezeichnet. Dieses ist schon seit 2016 in Clariant investiert, hat aber die meldepflichtige Hürde von 3 Prozent bisher nicht überschritten. Standard Industries bezeichnet sich selber als weltweit grösster Hersteller von Dachabdichtungen. Die Firma erwirtschaftet mit 15 000 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 5 Milliarden Dollar. Geführt wird das Unternehmen von David Winter und David Millstone. Aus dem Umfeld der beiden oppositionellen Investmentfonds heisst es, der Widerstand gegen die Fusion komme in erster Linie von Winter und Millstone.

Im Gegensatz zu 40th North ist Corvex in Investorenkreisen ein bekannter Name. Geleitet wird der New Yorker Hedgefonds von Keith Meister. Er war bis 2010 die rechte Hand von Carl Icahn, der sich als sogenannt aktivistischer Investor einen Namen gemacht und verschiedene Firmen wie Yahoo, Motorola, Dell oder Ebay aufgemischt hat. Der als ruchlos berüchtigte Icahn ist bekannt dafür, dass er sich den Einfluss auf Firmen zur Not auch erzwingen kann. Mit Meister haben sich Winter und Millstone von Standard Industries einen Hedgefonds-Manager an Bord geholt, dem dieser Ruf vorauseilt. Die Corvex-Manager haben nicht nur Erfahrung mit Konfliktsituationen, die sie selber heraufbeschwören. Vielmehr wird ihnen auch zugetraut, dass sie andere Hedgefonds-Manager als Verbündete gewinnen können, was ihre Opposition automatisch kraftvoller macht.

Nun stellt sich die Frage, was die Amerikaner mit ihrem Investment vorhaben, das sie sich knapp 500 Millionen Franken kosten liessen. Gut möglich, dass sie für sich und damit auch für die übrigen Clariant-Aktionäre einen besseren Deal herausschlagen wollen. Dass ein solcher Widerstand tatsächlich Früchte tragen kann, zeigt die Fusion zwischen den Zementfirmen Holcim und Lafarge. Damals drängten Grossinvestoren die beiden Konzerne dazu, den Zusammenschluss zugunsten von Holcim aufzubessern. So wurde das Aktien-Austauschverhältnis zum Vorteil der Holcim-Akionäre angepasst.

Türöffner für einen Dritten?

Eine entsprechende Forderung haben die US-Investoren gegenüber Clariant und Huntsman noch nicht erhoben – mindestens nicht öffentlich. Möglicherweise haben die Hedgefonds auch ein anderes Ziel. So wäre denkbar, dass sie als Türöffner für eine Übernahme von Clariant durch ein drittes Unternehmen agieren. Dies käme einem möglichen Käufer gelegen, der selber keine feindliche Übernahme lancieren möchte. Passend zu dieser These ist ein Gerücht, das in Investorenkreisen zirkuliert. So gehe es Clariant-Chef Hariolf Kottmann mit der Fusion nur darum, vom Chefsessel auf den Stuhl des Verwaltungsratspräsidenten zu wechseln. Die Diskreditierung der Firmenleitung gehört zu den typischen Instrumenten, mit denen Hedgefonds die Investoren und das Publikum auf die eigene Seite zu ziehen versuchen. Es wird sich zeigen, wie weit die beiden US-Fonds in der Sache gehen wollen.

Hedgefonds: Angriff auf Konzerne

Clariant ist nicht die einzige Schweizer Firma, die von Hedgefonds belagert wird:

Nestlé Der US-Hedgefonds Third Point von Daniel Loeb ist letzte Woche beim Nahrungsmittelkonzern eingestiegen. Er hat im Wert von 3,5 Milliarden Dollar rund 1,3 Prozent aller Nestlé-Aktien gekauft. Loeb fordert unter anderem eine höhere Marge, Aktienrückkäufe und den Verkauf von Beteiligungen.

ABB Die Investmentgesellschaft Cevian Capital sitzt dem Industriekonzern seit Mai 2015 im Nacken. So forderten die Schweden, ABB solle sich vom Bereich Stromnetze trennen. Cevian ist mit dieser Forderung aber gescheitert. Dagegen sitzt seit April mit Lars Förberg ein Cevian-Vertreter im ABB-Verwaltungsrat. (mka)

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