Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) will sich rasch aus dem Griff der amerikanischen Fiskal- und Justizbehörden lösen und hofft auf eine baldige Beendigung des Steuerkonflikts. Im Zuge einer Umgestaltung des Privatbankengeschäfts will sie zudem Tausende Kleinkunden im Ausland loswerden.

"Wir hoffen, dass wir die US-Altlasten möglichst noch in diesem Jahr bereinigen können", sagte Bankratspräsident Jörg Müller-Ganz am Freitag vor den Medien in Zürich. Eine Garantie, dass die Verhandlungen mit den amerikanischen Behörden bis Ende 2014 die entscheidenden Ergebnisse bringen, hat die ZKB allerdings nicht.

Zur Höhe der Strafe, welche ZKB wegen Beihilfe zu Steuerdelikten in den USA letztlich bezahlen wird, gibt es weiterhin nur Rätselraten. Die Angaben aus der Jahresbilanz, welche die Bank am Freitag in Zürich vorlegte, geben keine klaren Hinweise.

Der Bestand an Wertberichtigungen und Rückstellungen in der Bilanz erhöhte sich im vergangenen Jahr um 72 Mio. Fr. auf 688 Mio. Franken. In der Rechnung wirken sich Wertberichtigungen, Rückstellungen und Verluste allerdings deutlich stärker aus: Der Posten schlägt im Resultat 2013 mit 210 Mio. Fr. zu Buche. Im Vorjahr waren es 46 Mio. Fr. gewesen.

"Interesse an Diskretion"

Wie die ZKB ihre Reservezuweisungen aufteilt, ist nicht bekannt: Die Zahlen ergeben sich aus der Bildung und der Auflösung von Reserven bis Ende Jahr. Verwendet werden die Mittel für Geschäftsrisiken bei Hypotheken und anderen Krediten, aber auch für Rechtsfälle wie der noch offene Fall des Steuerstreits mit den USA.

Die ZKB will aus verhandlungstaktischen Gründen nicht genauer verraten, wie viel Geld für eine Busse allenfalls reserviert ist. Es gebe zwar ein verständliches Interesse der Öffentlichkeit an den Zahlen, aber auch "die berechtigten Interessen der Unternehmung an Diskretion", sagte Konzernchef Martin Scholl.

ZKB bleibt auch Privatbank

Im internationalen Privatkundengeschäft will die ZKB bis Mitte 2015 komplett steuerkonform sein und dabei gar als Vorbild für andere Banken dienen. Dazu will sich das Institut auf Märkte in Europa beschränken, die als profitabel angesehen werden. Kunden in über 100 Ländern werden sich im Zuge dessen eine neue Bank suchen müssen.

Die ZKB will bis Ende 2014 rund 9000 Auslandskunden loswerden, vor allem Kleinkunden. Im Fokus stehen künftig vermögende Kunden, welche von der Schweiz und von der ZKB-Tochter in Österreich betreut werden sollen. Lediglich für steuerlich unbedenkliche Auslandschweizer soll es Ausnahmeregelungen geben.

Konzernchef Scholl betonte, dass die ZKB als "Universalbank" neben den angestammten Privat- und Firmenkunden im Kanton Zürich auch Vermögensverwaltungskunden im Ausland wolle. Ende Dezember zählten von den 191,9 Mrd. Fr. verwalteten Geldern der ZKB 40,6 Mrd. Fr. zur Privatbankensparte. 9,3 Mrd. Fr. davon betreute die ZKB Österreich.

Gewinn steigt

Das Geschäftsjahr 2013 entwickelte sich stabil: Im Zinsgeschäft und beim Handel gingen zwar die Erträge zurück, doch glich sich dies durch höhere Einnahmen bei den Kommissionen und im übrigen Erfolg aus. Der Betriebsertrag blieb mit 2,19 Mrd. Fr. gegenüber dem Vorjahr fast unverändert.

Der Bruttogewinn lag mit 877 Mio. Fr. um 2,5 Prozent höher als im Vorjahr, während der Reingewinn um 7,2 Prozent auf 797 Mio. Fr. anstieg. Beim Vorjahresgewinn klammerte die ZKB die Nachfinanzierung ihrer Pensionskasse mit 150 Mio. Fr. aus. Im vergangenen Jahr sorgten ausserordentliche Einnahmen wie der Verkauf aller Aktien des Telekomausrüsters Ascom dafür, dass die erhöhte Vorsorge für Wertberichtigungen und Rückstellungen nicht ins Gewicht fiel.

Vom Gewinn seiner Bank erhält der Kanton Zürich 220 Mio. Franken, während die Gemeinden 110 Mio. Fr. bekommen. Das Dotationskapital der öffentlichen Hand wird vom 39 Mio. Fr. abgegolten, nach 44 Mio. Fr. im Vorjahr.